Ludwigshafen Kein BASF-Hochhaus

„Das ist eine ganz bittere Nachricht für die Stadt“, sagt die damalige Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) als im Oktober 2012 bekannt wird, dass die BASF plant, das Friedrich-Engelhorn-Hochhaus abzureißen. Sie nennt das Gebäude an der Friesenheimer Carl-Bosch-Straße einen „Ausdruck von Aufbruch, Wirtschaftskraft und ein Wahrzeichen Ludwigshafens“. Die BASF spricht von einem „deutlichen dreistelligen Millionenbetrag“, den eine Sanierung verschlingen würde. Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz appelliert an die BASF, dennoch zu sanieren. Das 102 Meter hohe Haus stehe für „das Erbe der jungen Bundesrepublik“. Die Architekten nennen es „einen identitätsstiftenden Schatz“. Auch Baudezernent Klaus Dillinger (CDU) sagt: „Das Gebäude spiegelt ein Stück deutscher Architekturgeschichte wieder.“ Bei einer RHEINPFALZ-Telefonumfrage sprechen sich knapp 79 Prozent der Teilnehmer gegen einen Abriss aus. Was auf der danach freien Fläche gebaut werden soll, ist nicht klar. „Wir haben da noch keine Planung“, sagt BASF-Werkleiter Bernhard Nick. 2012: „Werden nicht enttäuschen“ Der Chemiekonzern verkündet im November desselben Jahres, einen Ersatz für das Engelhorn-Hochhaus zu bauen. Der Neubau soll den damals im Bau befindlichen Bürokomplex D 105 und das Besucherzentrum ergänzen. Margret Suckale, damals BASF-Vorstandsmitglied, verspricht: „Wir werden die Ludwigshafener nicht enttäuschen.“ Die BASF brauche Büroflächen, heißt es. Auch die Pläne für den Umzug einiger Mitarbeiter ans Rheinufer Süd werden in dieser Zeit bekannt. 2012: „Kein Schuhkarton“ „Wir haben eine Verpflichtung, und der werden wir uns stellen“, sagt auch der damalige BASF-Vorstandsvorsitzende Kurt Bock im Dezember 2012 über einen Ersatz für das abgerissene Wahrzeichen. Er ergänzt: „Es kommt etwas Vernünftiges dort hin, nicht irgendein Schuhkarton.“ 2013: „Abriss für uns nicht leicht“ Die Untere Denkmalschutzbehörde hat den Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes genehmigt, heißt es im Juni 2013. „Der Abriss ist für uns nicht leicht. Aber wir haben auf diese Entscheidung gehofft“, sagt Friedrich Seitz, der damalige Leiter des BASF-Stammwerks. Die Erwartungen an den Neubau sind hoch. Dezernent Dillinger sagt: „Wir gehen davon aus, dass die BASF entsprechend ihrer Rolle als Weltkonzern bauen wird. Alles andere wäre eine Enttäuschung.“ Im August beginnt der Abriss. 2014: „Detailplanung beginnt“ Der Entwurf für einen Neubau steht im Juli 2014 fest. Es soll wieder ein Hochhaus werden, 88 Meter hoch mit markanter Glasfassade. Die Idee stammt aus dem Düsseldorfer Architekturbüro Eller + Eller, das 2016 mit dem MIPIM Future Projects Award für diesen Entwurf ausgezeichnet wird. „Jetzt beginnt die Detailplanung“, kündigt Seitz an. Baustart sei frühestens 2016. 2016: „Passt einfach nicht“ Lange war es still um den leeren Platz an Tor 2 – unauffällig neben dem inzwischen gebauten, modernen Gebäude D 105 gelegen. Bei der Bilanzpressekonferenz des Chemiekonzerns im Februar 2016 sagt Firmenchef Kurt Bock zu einem Nachfolgerbau: „Wir würden es gerne machen.“ Und ergänzt: „Aber es passt einfach nicht. Wir haben im Moment andere Prioritäten.“ Für viele Beobachter sind die Hochhaus-Pläne spätestens an diesem Tag gestorben. Eine endgültige Absage hat die BASF den Plänen aber nie erteilt. Vier Monate später heißt es von einem Unternehmenssprecher, dass die BASF „an einem temporären Konzept zur Gestaltung des Platzes“ arbeite. Gerüchten zufolge ist ein leuchtender Würfel im Gespräch. 2018: „Haben keinen Bedarf“ Bei der Bilanzpressekonferenz zwei Jahre später hakt die RHEINPFALZ noch einmal nach. Was denn nun mit den Hochhausplänen sei? Es ist die letzte Konzernbilanz, die Kurt Bock als Vorstandsvorsitzender vorstellt. „Stand heute haben wir keinen Bedarf an zusätzlichen Büroarbeitsplätzen in Ludwigshafen“, sagt er. Für die endgültige Entscheidung verweist er an seinen Nachfolger Martin Brudermüller. 2018: „Kein Hochhaus“ Seit gestern steht fest: Das Gebäude, das ab 2020 an Tor 2 entstehen soll, „wird kein Hochhaus“, wie ein BASF-Sprecher auf Nachfrage mitteilt. Das Bürogebäude soll in etwa der Höhe der benachbarten Gebäude entsprechen. D 105 ist 31 Meter hoch, Das Besucherzentrum 18 Meter. „Aufgrund der unmittelbaren Lage an der Werksgrenze und der historischen Bedeutung des Areals wollen wir einen Beitrag zum Stadtbild leisten“, sagt BASF-Standortleiter Michael Heinz. Wirtschaft