Handball: Die Neuen bei den Eulen
Koguts Karriere nach der Karriere
Andrej Kogut ist 19 Jahre alt, als ihn seine Eltern alleine in Deutschland zurücklassen. Boris und Tatjana Kogut gehen 2007 zurück nach Moskau. 1991 kommen sie nach Deutschland, da ist Andrej drei Jahre alt. Vater Boris ist eine wichtige Person in Andrejs Leben. Er trainiert seinen Sohn im Handball, bringt ihm den Schlagwurf bei – Koguts Markenzeichen. Es ist die alte russische Schule. Kogut fasst Fuß im Profi-Handball.
Doch beinahe wäre es nichts geworden mit einer Handball-Karriere. Als Kogut bei der HSG Düsseldorf 2006/2007 spielt, reißt er sich die Kreuzbänder. „Das war die schlimmste Verletzung, weil es am Anfang meiner Laufbahn war“, erinnert sich Kogut. Im Nachhinein geht es noch glimpflich aus für den tadellosen, sehr sympathischen und sehr fairen Sportsmann.
Es bleibt nicht die einzige Verletzung. Kreuzband, Meniskus, Schulter – Kogut erwischt es manchmal heftig. Doch er steht immer wieder auf. Und man gewinnt den Eindruck, er kommt jedes Mal stärker zurück. Vor wenigen Wochen musste sich nun 34 Jahre alte Kogut abermals operiert werden. In Pforzheim ließ er sich das Knie in Ordnung bringen. Die Verletzungen öffnen Kogut auch die Augen. Er studiert Wirtschaftswissenschaften – ein wichtiges Standbein für die Zeit nach dem Profi-Handball. Bald ist er fertig und will nun ins Berufsleben einsteigen – in der Pfalz.
Hochzeit in Bad Dürkheim
Die Pfalz kreuzte ohnehin in den vergangenen Jahren immer wieder den Weg in Koguts Leben. Waren es die Spiele mit dem TBV Lemgo in der Handball-Bundesliga bei den Eulen. Oder aber 2018 ein ganz besonderes Ereignis. In Bad Dürkheim heiratete er seine Freundin Lilli. Sie hat Kogut in seiner Zeit als Spieler der Eulen Ludwigshafen kennengelernt. Von 2010 bis 2015 trug Kogut das Trikot der TSG Friesenheim. Im Juni 2019 kam das erste Kind zur Welt. Kurios: Am Tag seiner Hochzeit heiratet Patrick Groetzki auch – in Deidesheim. Beide standen 2009 im All-Star-Team der Weltmeisterschaft in Ägypten.
2009 war ein erfolgreiches Jahr für den Spielmacher. Kogut wird zum besten Spieler der Junioren-Weltmeisterschaft gewählt. Mit Deutschland wird er Weltmeister. Kogut wird als kommender Spielmacher der A-Nationalmannschaft gehandelt. Immerhin hat er sieben Monate vor der Junioren-WM die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Der russische Verband hatte vorher einmal höflich angefragt, ob sich Kogut eine Karriere in der „Sbornaja“ vorstellen könne und diese bei der U20-EM beginnen wolle – für den Abiturienten keine ernsthafte Alternative. „Ich fühle mich eher hier als dort zu Hause“, sagt er damals. „Und das mit dem deutschen Pass habe ich ja nicht nur für den Handball getan – das war eine persönliche Entscheidung.“ Kogut wird aber in seiner Laufbahn nie ein Länderspiel für die A-Nationalmannschaft bestreiten. Immer wieder werfen ihn Verletzungen zurück.
Eigene Wohnung in Oggersheim
Nun ist Kogut wieder in der Pfalz, in Ludwigshafen, bei den Eulen. Er zieht in Oggersheim in seine Eigentumswohnung ein. Die hat er sich vor vielen Jahren als Altersvorsorge gekauft – wohlwissend, dass er seinen Lebensabend hier einmal verbringen wird. Der Fall trat früher ein als gedacht. Andrej Kogut ist nun der Co-Trainer von Michel Abt. Mit einer Option: Nämlich, dass er möglicherweise spielt, sofern die Gesundheit mitspielt. „Da ist aber schon viel Lack ab nach 16 Jahren Profi-Handball“, bedauert Kogut. Er absolviert nun seine Reha in Mannheim – zusammen mit Trainer Michel Abt.
Andrej Kogut kommt nicht ganz unvorbereitet zu den Eulen. In Lemgo, dort spielte er von 2015 bis 2022, arbeitete er eng mit Trainer Florian Kehrmann zusammen. Kogut schaute ihm über die Schulter und absolvierte gewisse Trainerlizenzen. In Ludwigshafen hatten er und Chefcoach Michel Abt schon früh Kontakt. Beide verstehen sich sehr gut. Sie sind ähnlich alt, haben vom Handball die gleiche Vorstellung und wissen, wie man junge oder erfahrene Spieler anpackt. „Ich fange bei Null an“, sagt Kogut, „aber ich habe einen Erfahrungsschatz, den ich den Spielern weitergeben werde.“
Philipp Grimm, einst Kult-Linksaußen der Eulen und nun Teammanager, kontaktierte im Februar seinen ehemaligen Mitspieler. „Philipp fragte ob ich mir vorstellen könnte, Co-Trainer zu werden. Aber dann bin ich an einer Herzmuskelentzündung erkrankt und hatte mich dann erst einmal darauf konzentriert, wieder vollständig gesund zu werden. In dieser Zeit gab es wenig Kontakt, aber das war ja auch normal. Danach nahm es Fahrt auf. Und wir haben eine gute Lösung gefunden. Ich kenne die Eulen. Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt“, sagt Kogut. Es ist so etwas wie die Rückkehr des verlorenen Sohnes – wenn er denn wirklich jemals verloren gegangen war.