Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kanalsanierung in West: Elf Platanen müssen weg

Der Kanal in der Frankenthaler Straße ist auf einer Länge von mehr als einem Kilometer in schlechtem Zustand.
Der Kanal in der Frankenthaler Straße ist auf einer Länge von mehr als einem Kilometer in schlechtem Zustand.

In der Frankenthaler Straße in West steht die dringende Erneuerung des maroden Abwasserkanals an. Das Vorhaben wird teuer: In der günstigsten Variante liegen die kalkulierten Kosten bei 12,2 Millionen Euro.

Die Wirtschaftsbetriebe Ludwigshafen (WBL) haben trotz Haushaltssperre keine andere Wahl, als die Kanalsanierung jetzt anzugehen. Die Zeit drängt, weil auch die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) hier die Erneuerung von Schienen auf 800 Metern Länge plant.

„Das ist eine super wichtige Maßnahme, denn auch die RNV will hier dringend was tun“, machte Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) zu Beginn der Werkausschuss-Sitzung am Freitag klar. Auf der Strecke verkehrten die Stadtbahnlinien 4 und 9 nach Oggersheim und Bad Dürkheim. Eine funktionierende Straßenbahnverbindung an dieser Stelle sei auch für das dort entstehende neue Wohnquartier der Pesch-Siedlung von großer Bedeutung. „Der Beschluss ist zeitkritisch und muss daher jetzt fallen“, betonte Thewalt.

Auch Gleise werden erneuert

Dass es sich nicht um eine normale Kanalsanierung handelt, machte Martin Kallweit, zuständiger Leiter der Stadtentwässerung, deutlich. Da es bei der Frankenthaler Straße keine Seitenstraßen mit Kanälen gebe, wohin sich das Wasser bei Starkregen verteilen könne, müsse bei der Erneuerung auch der Durchmesser der Kanalrohre vergrößert werden, sagte er.

Wie eine aktuelle Kamera-Untersuchung ergeben hat, ist der über 100 Jahre alte Abwasserkanal in der Frankenthaler Straße zwischen Rohrlachstraße und Kopernikusstraße auf einer Länge von rund 1100 Metern in schlechtem Zustand. Es besteht kurzfristiger Sanierungsbedarf. Entlang eines 400 Meter langen gemeinsamen Teilstücks von Schienen und Straße im Stadtteil West verläuft der bestehende Kanal unterhalb oder direkt neben dem Straßenbahngleis in vergleichsweise geringer Tiefe, sodass eine Erneuerung nur im Zusammenhang mit einer Gleiserneuerung realisiert werden könne, erläuterte Kallweit. Von daher sei die Kanalerneuerung die Gelegenheit für die RNV, auf dem Streckenabschnitt die Gleiserneuerung vorzunehmen.

Zwei Monate Busersatzverkehr

Als weitere Schwierigkeiten befinden sich hier im Untergrund zahlreiche Versorgungsleitungen, im Straßenraum selbst stehen mehrere große Platanen. Zu Beginn der Planung seien verschiedene Varianten für die Kanalsanierung in dem Bereich betrachtet und bewertet worden, sagte der Bereichsleiter. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile von vier Varianten habe man als wirtschaftlichste und praktikabelste Lösung eine Variante gewählt, bei der die Kanaltrasse außerhalb des Gleisbereichs nach Norden verschoben wird und der neue Kanal in offener Bauweise erstellt werden kann.

Diese Variante erfordere nur zwei Monate lang einen Busersatzverkehr für die hier fahrenden Stadtbahnlinien. Ohne Verschiebung der Kanaltrasse hätten die Arbeiten auf 400 Metern Länge zehn Monate Busersatzverkehr bedeutet, so Kallweit. Wie er weiter sagte, müssen für die Verschiebung der Trasse elf Platanen im Bereich der Haltestelle am Hauptfriedhof gefällt werden. Für die Bäume seien Ersatzpflanzungen vorgesehen, versicherte er.

„Wir müssen handeln“

Einschließlich der Schienenerneuerung wird mit 33 Monaten Bauzeit gerechnet. Die Kosten für die WBL sollen bei 12,2 Millionen Euro liegen. Drei andere vorgestellte Varianten weisen noch längere Bauzeiten bis 40 Monate auf und höhere Kosten bis hin zur Verdoppelung. Wie WBL-Chef Peter Nebel in Anbetracht der aktuellen Haushaltssituation sagte, gebe es keine Wahl. „Der Kanal ist so beschädigt, dass wir handeln müssen, sonst wären wir im Bereich einer Straftat wegen Unterlassung“, meinte er. In der Entscheidung gab der Werkausschuss eine einstimmige Beschlussempfehlung für den Stadtrat.

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