Ludwigshafen Kaffee bei Liebeskummer

Lolo Reinhardt und Sängerin Lisa Mosinski bei ihrem Auftritt auf dem Museumsschiff an der Kurpfalzbrücke.
Lolo Reinhardt und Sängerin Lisa Mosinski bei ihrem Auftritt auf dem Museumsschiff an der Kurpfalzbrücke.

Sinti-Swing erfreut sich immer noch bester Beliebtheit. Auch das Mannheimer Museumsschiff war ausverkauft beim Konzert mit dem Quartett Voyage Gitane und der Sängerin Lisa Mosinski. Das Konzert in der Reihe „Haste Töne“ wurde in jeder Hinsicht ein entspannter Abend zum Zurücklehnen.

Lolo Reinhardt und sein Sohn Jerome Django Reinhardt sind die beiden Gitarristen der Band und Nachfahren des großen Django Reinhardt. Der Geiger Bodo Jaworek ist ein reger Mitstreiter in mehreren Sinti-Bands, unter anderem im Lulu Weiss Ensemble. Er ist ein Grenzgänger, zwischen Sinti-Swing und französischer Musette, ungarischer Folklore und lateinamerikanischen Rhythmen spielt der Geiger in seiner eigenen oder befreundeten Formationen fast alles, was tanzt und swingt. Alte Swingklassiker standen diesmal auf dem Programm: alles tönte locker-leicht, nicht selten auch etwas zu sehr entspannt und lässig. Jerome Django Reinhardt beherrscht sein Handwerk, verbindet eine solide Technik mit trefflicher musikalischer Expression. Seinen Tönen und Linien gab der Youngster reichen Ausdruck, bog sie, ließ sie vibrieren. Bei ihm blinken und blitzen die Soli immer klangschön und ausdrucksvoll, in federleicht dahineilendem Swing. Sehr dynamisch und aufgeweckt, in gewitzter Spiellust ließ er seine rasanten Läufe wirbeln. Ganz so sehr auf der Höhe wie der Sohn ist der Vater nicht mehr. Eher entspannt fingerte er seine Soli aus den Saiten, hat nicht mehr den Drall, den man für diese Musik eigentlich braucht. Bodo Jaworek gab seinem Geigenspiel den rechten, gefühlvollen Zuckerguss. Das war eine Musik der Herzenssüße. Leichtfingrig dahinfliegende, sonnige Melodien und federnde, treibende Rhythmen der Gitarre. Nicht immer einig mit der Band war Ralf Müller am Bass. „Crazy Rhythm“ hieß ein alter Standard. Dabei ist der Rhythmus gar nicht so verrückt, aber es swingte schon ordentlich. „Hier läuft es ganz von alleine“, befand Lisa Mosinski, die danach hinzutrat und noch etliche Lieder über unglückliche Liebe sang. „Der Liebeskummer ist der fleißigste Songschreiber“, wusste die Sängerin: „und man hat Zeit, um diese zu schreiben“. Jobims „Girl from Ipanema“ war solch ein Lied, bei dem die Angebetete dem leidenden Betrachter die kalte Schulter zeigt. Und die Sängerin markierte hier mit Stoßseufzern, dass auch eine brasilianische Strandschönheit wie in dem Song schon mal genervt reagieren kann auf bewundernde Blicke. Die Sängerin spielte immer gerne mit Tönen und Ausdruck. Wie in „Summertime“, bei entspannten Gefühlen über lässigen Bossa-nova-Rhythmen. Verruchte Töne voller sophistication brachte sie in Kurt Weills „Mac the knife“ hinein. Und was macht ein Kolumbianer bei Liebeskummer? Kaffee malen. Auch darüber konnte Lisa Mosinski einen bekannten Latin-Song singen: „Moliendo cafe“.

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