Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kältebus: Unterwegs in eiskalten Nächten

Am Kältebus bekommen Obdachlose wärmende Getränke und Speisen, aber auch eine Ausstattung für die kalten Nächte.
Am Kältebus bekommen Obdachlose wärmende Getränke und Speisen, aber auch eine Ausstattung für die kalten Nächte.

Wenn die Temperaturen unter null Grad sinken, rollt der Kältebus durch Mannheim. Doch die Herausforderungen für Obdachlose bleiben groß – auch mit Hilfe.

Der Wintereinbruch treibt viele Mannheimer auch bei klirrender Kälte nach draußen. Die Schneedecke aber wird zur harten Herausforderung für diejenigen, die auch nachts im Freien ausharren. Seit dem 25. Dezember ist der Kältebus ununterbrochen im Einsatz. Nur in seltenen Fällen aber steigen obdachlose Menschen ein, um eine Schlafunterkunft anzusteuern. Vielmehr geht es um die Verpflegung und Ausstattung für eine Nacht bei Minusgraden.

„Immer, wenn die Temperaturen laut dem Deutschen Wetterdienst nachts unter null Grad sinken, fährt der Kältebus“, sagt Manuela Skotnik, Abteilungsleiterin vom Fachbereich „Unterbringung, Betreuung und Förderung Schutzbedürftiger“. In diesen Zweig fällt auch die freiwillige Leistung des weißen Sprinters, der in kalten Winternächten immer von 21 Uhr bis Mitternacht seine Runde dreht. Städtische Mitarbeiter sitzen hinterm Steuer, insgesamt 21 „Platten“, die bekannten Liegeplätze obdachloser Menschen in den Quadraten und im innenstadtnahen Bereich, werden angefahren.

Warme Brühe und Tee

In dieser Wintersaison war der Kältebus schon über 20-mal im Einsatz. Mitte November und Anfang Dezember 2025 lagen die Temperaturen für ein paar Nächte bereits unter null Grad. Seit Weihnachten herrschen kontinuierlich Minusgrade. Meist werden bei den Fahrten bis zu 23 Personen angetroffen. Für die eiskalte Nacht werden sie mit Isomatten, isolierenden Schlafsäcken, mit einer wärmenden Brühe und Tee versorgt, die meist über Spenden finanziert werden. Manche schätzen ein kurzes Gespräch, andere wollen lieber in Ruhe gelassen werden.

„Der Winter ist für die Obdachlosenhilfe die anspruchsvollste Jahreszeit, der Kälteschutz steht für uns an erster Stelle“, betont Skotnik. Einen Schlafplatz im Schnee aber haben die Betroffenen nur bedingt. „Sie sind aber auch so der Witterung ausgesetzt und übernachten oft in einem geschützten Bereich, unter einem Vorbau, mit Schutz vor Regen, aber eben auch Schnee“, erklärt sie. Dennoch sind die frostigen Temperaturen besonders heikel. Stets sind die Mitarbeiter daher zu zweit unterwegs.

„Es gibt auch gefährliche Situationen. Wenn eine Person hoch alkoholisiert auf einer Bank einschläft und eine Erfrierung droht, die sie selbst gar nicht bemerkt. Dann muss der Rettungsdienst alarmiert werden“, so Skotnik. Im vergangenen Jahr sei in einem Fall bereits eine Unterkühlung eingetreten.

Gefährliche Situationen

Mehr als im Sommer machen Menschen ohne Wohnsitz in den Wintermonaten von den bestehenden Notfallunterkünften Gebrauch. „Aber es gibt auch Personen, die Anspruch auf eine Unterbringung hätten, die sich aber darauf nicht einlassen können, da sie befürchten, dass sie weggeschickt werden, wenn sie tiefer ins Hilfesystem einsteigen“, so Skotnik über Obdachlose aus Bulgarien oder Polen, die keine langfristige Perspektive in Deutschland hätten, wenn sie Leistungen beziehen und daher „lieber draußen“ bleiben.

Nur einmal fuhren in dieser Saison bislang drei Personen mit zur Notübernachtungsstelle. „Die Mitarbeiter treffen auf Menschen, die oft psychisch in schwieriger Verfassung sind. Solange wir das Gefühl haben, dass sie für die Nacht geschützt sind und sich nicht selbst gefährden, dürfen wir sie auch nicht mitnehmen“, erklärt sie. Wenn die Situation jedoch als zu gefährlich eingeschätzt wird und die Person nicht zur Mitfahrt bereit ist, werden der Rettungsdienst und die Polizei kontaktiert.

An diese sollten sich auch besorgte Bürger wenden, wenn sie zum Beispiel nachts um 4 Uhr bei Minusgraden eine regungslos herumliegende Person im Freien wahrnehmen. „Wir haben Jahr für Jahr das Phänomen, dass über Facebook und andere sozialen Medien eine Kältebus-Hotline geteilt wird, die suggeriert, dass sie 24 Stunden am Tag erreichbar wäre. Tatsächlich ist die Nummer nur in den Abendstunden von 17 bis 23 Uhr erreichbar“, erläutert Carolin Bison vom Sozialdezernat.

Notfallnummern anrufen

Wer einen hilflosen, unterkühlten oder gesundheitlich gefährdeten Menschen im öffentlichen Raum antrifft, solle die üblichen Notrufnummern wählen. Polizei (110) oder Rettungsdienst (112) beurteilen dann vor Ort die Situation und leiten bei Bedarf eine medizinische Versorgung oder weitere Hilfen ein. Auch von der privaten Ausgabe ausrangierter Schlafsäcke für Obdachlose wird abgeraten. „Das birgt ein trügerisches Risiko in sich, wenn sie nicht dem Kältewert entsprechen. Wir haben spezielle Schlafsäcke für Minustemperaturen“, sagt Skotnik, die sich bis Ende März auf viele weitere Fahrten einstellt. In der vergangenen Wintersaison war der Kältebus insgesamt 48-mal im Einsatz.

Noch Fragen?

Die Kältebus-Rufnummer 0621 324-7327 ist ausschließlich zwischen 17 und 23 Uhr erreichbar. Anrufe außerhalb dieser Zeiten können nicht entgegengenommen werden.
Kältebus-Spendenkonto: Bank: Sparkasse Rhein-Neckar-Nord / Empfänger: Stadt Mannheim / IBAN: DE59 6705 0505 0030 2013 45 / Betreff: Spende Kältebus 55.22

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