Ludwigshafen Junge Spanier als neue Fachkräfte

Auch in Zukunft wird die BASF junge Erwachsene aus Spanien ausbilden. Das im September 2013 begonnene Pilotprojekt werde eine Dauereinrichtung, kündigten BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale und Ausbildungsleiter Richard Hartmann gestern beim Ortstermin mit neun der 20 neuen Auszubildenden aus Südeuropa an. „Die anderen sind gerade beim Deutschkurs“, erklärte Hartmann.
„Sicher. Wenn ich hier mit der Ausbildung fertig bin, dann möchte ich gerne nach Ludwigshafen kommen und hier arbeiten“, sagte David. Der 25-Jährige kommt aus Tarragona und ist gerade zum zweiten Mal im Stammwerk. Ende des Jahres, wenn er seine Ausbildung abgeschlossen hat, würde er gerne in Deutschland arbeiten. „Als Schifffahrt-Mechatroniker habe ich keine Stelle gefunden und mich deshalb im Internet umgeschaut. Eine Stelle bei der BASF wäre optimal“, erklärte er, auch wenn ihm das hiesige Wetter noch nicht wirklich behagt. „Und im Winter waren wir ja noch gar nicht hier“, meinte er und lachte. Er wird sich sicher arrangieren. Genau wie seine Kollegen. Wie Eloy, der ursprünglich einmal Informatik studiert hat, oder Lenard, der in Spanien ebenfalls keine Stelle fand. Für sie alle war das Angebot aus Ludwigshafen so etwas wie ein Lotteriegewinn. Immerhin 1000 Spanier hatten sich für die 20 Plätze beworben. Hartmann geht davon aus, dass die Zahlen in Zukunft eher noch steigen werden. Auch deshalb habe das Unternehmen vor zwei Wochen in Barcelona mit der katalonischen Regierung den Vertrag über die Fortführung des Programms unterzeichnet. Eine Vereinbarung, von der alle Seiten profitieren sollen. Die angehenden Azubis an erster Stelle, denen sich bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 51,8 Prozent in Spanien hier eine Karrierechance bietet. Die BASF kann etwas gegen den sich abzeichnenden Fachkräftemangel unternehmen. Und auch die katalonische Bezirksregierung lernt etwas über das duale Ausbildungssystem. „Denn in Spanien ist die Ausbildung sehr schulisch geprägt“, erläuterte Hartmann. In Zusammenarbeit mit der beruflichen Fachschule „Institut Comte de Rius“ exportiere die BASF neue Ausbildungsstandards an den Werksstandort Tarragona. „Gerade deshalb war das Interesse von spanischen Seite so groß.“ An der Übungsanlage der Lehrwerkstatt hantieren die jungen Spanier aktuell in ihrer zweiten Praxisphase in Ludwigshafen mit Schrauben, lernen Abläufe, Zusammenhänge und auch ihre späteren Kollegen kennen. „Im Grunde sind das junge Auszubildende, wie alle anderen auch“, sagte Ausbilder Uwe Halbgewachs. Einen kleinen Unterschied hat er aber doch ausgemacht. „Sie haben schon ein etwas anderes Temperament als wir.“ „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf des Pilotprojektes und bekommen sowohl von den Auszubildenden als auch von den Betrieben sehr positive Rückmeldungen“, meinte Ausbildungsleiter Hartmann. Deshalb sollen auch in Zukunft jeweils 20 der jährlich rund 1000 BASF-Auszubildenden aus Spanien ins Werk nach Ludwigshafen kommen, in zwei Jahren zum in Spanien anerkannten „Tecnico Superior en Quemica Industrial“ ausgebildet und mit einem Zusatzpraktikum letztlich zu Chemikern ausgebildet werden. (env)