Fußgönheim RHEINPFALZ Plus Artikel Juliane Gottwald in Fußgönheim: Sinnlich und farbenfroh

Galeristin Ingrid Bürgy-de Ruijter mit einer Arbeit von Juliane Gottwald.
Galeristin Ingrid Bürgy-de Ruijter mit einer Arbeit von Juliane Gottwald.

Tulpen, Rotkohl, Krapfen, Spargel – die Mainzer Künstlerin Juliane Gottwald liebt sinnliche und farbenfrohe Objekte als lebendiges Gegenüber. Sie zeichnet im Rhythmus der Jahreszeiten Kunstwerke in der Spannung zwischen abstrakt und gegenständlich.

Die Ausstellung „Den Augen ein Fest“ ist im Schloss noch bis zum 29. Mai nach Vereinbarung und sonntags von 12 bis 15 Uhr zu sehen.

Dieses Pendeln zwischen abstrakt und gegenständlich sei eine Entwicklung, „kein Ziel von mir. Ich will mich selbst in Schwung halten“, begründet Gottwald ihre Stilrichtung. Wenn man vom Kopf her denke, weise man sich selbst in die Schranken. Die Sache laufen und die Farbe ihren Weg bahnen lassen, den Gegenstand immer wieder neu untersuchen – dann löst es sich, bis der Ursprungsgedanke sichtbar ist und bleibt.

Frühlingshafte Papageientulpe

Gottwald will ein lebendiges Gegenüber. Deshalb malt sie nicht nach Fotos. „Die Sachen müssen sich mir entgegenstrecken.“ Leider tut das momentan nicht der Spargel, eines ihrer Lieblingsmotive. Sie sucht die originellen Spargel, zum Beispiel die lilafarbenen. Aber die sind schwer zu bekommen. Der schnurgerade, weiße Spargel dagegen reizt sie nicht, denn er ist für sie nicht lebendig. Dafür explodiert die frühlingshafte Papageientulpe in ihrer Farbigkeit. Allein 15 verschiedene Rottöne können für ein Bild zum Einsatz kommen.

Oder die „Kreppel“, die Berliner Krapfen, deren marmeladenrote Füllung nach dem Anbiss dem Betrachter fast schon entgegenläuft. Der Kreppel ist ein Symbol für den Winter, ergänzt Ausstellungsleiterin Ingrid Bürgy-de Ruijter die Ausführungen Gottwalds. Schon allein der Puderzucker erinnert an eine Winterlandschaft. Vom Kreppel hat sie mehrere Studien gemalt, große und kleine.

Beinahe dreidimensional

Wie der Kreppel wirkt der Zierrotkohl schon fast dreidimensional. „Ich empfinde dreidimensional, weil mir etwas gegenübersteht.“ Der Rotkohl und die Astern beispielsweise seien rund. „Das hat etwas Rotierendes und ich verspüre Lust, mit allen fünf Fingern Farbe rotieren zu lassen.“ Wie ein Bildhauer malt sie Farbe auf Farbe und schält so schließlich ihr Motiv heraus. „Bis zur obersten gehen viele Schichten voraus“, erklärt Gottwald. Sie werden herausgebildet aus einem meist dunklen Hintergrund.

Wie sie in den Kreppel oder den Tulpen ein direktes Gegenüber sieht, will sie auch mit ihren Farben in direkten Kontakt treten und bleiben. Es soll kein Instrument dazwischen sein. Deshalb hat sie den Pinsel verbannt und malt mit den Fingern. „Der Gegenstand wird im Atelier herausgehoben. Er hat ein eigenes Dasein und Wesen“, das sie fassen will. „Das Motiv inspiriert den Farbauftrag.“

Zyklisches Malen

Mit dem Rakel allerdings lassen sich großflächig zum Beispiel Tulpenblätter ziehen. Die Rakel fertigt sie oft selbst an. „Meine Intention ist ein farbiges und malerisches Sehen.“ Die Farben trägt sie nicht dick auf. Die Töne sollen in Beziehung stehen und das ergeben, was letztlich zu sehen ist. „Das ist eine Spannungswelt, gerade bei Tulpen“, bei denen die Gelb- und Rottöne flackern.

Im Schnitt braucht sie drei Monate für ein Motiv – eine Jahreszeit also. Deshalb kann sie auch nicht gleichzeitig Spargel oder Tulpen malen. „Da muss ich mich entscheiden, weil sich beides überschneidet.“ Dass sie zyklisch malt – mit immer gleichen Motiven in verschiedenen Variationen – sei aber nicht spezifisch weiblich. „Ich bin 24 Stunden am Tag Frau und denke nicht mehr darüber nach. Ich finde, es hat keine Gültigkeit mehr, die Geschlechter zu trennen. Das Bild ist das Entscheidende und das Gegenüber, das gerade verfügbar ist.“

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