Ludwigshafen
Jugend musiziert ohne Publikum
„Ihr könnt beim Spielen die Maske abnehmen“, sagt Jens Klaassen, der Vorsitzende der Jury. Die Bratschistin Lucia Lips (15) und ihre Begleiterin am Klavier, Emily To (16), machen sich bereit. Der Saal, in dem das Vorspiel stattfindet, ist weitgehend leer. In deutlichem Abstand zu den Musikerinnen aus Ludwigshafen sitzen die drei Jurymitglieder, jeder hat einen Tisch für sich. Und weitere drei Meter dahinter stehen ein paar Stühle, auf denen die Begleiter der Teilnehmer, meist sind es die Eltern, dabei sein können. Zwei Begleiter sind je Teilnehmer erlaubt.
„Es ist mein erster Wettbewerb seit Corona und der erste ohne Publikum“, sagt Lucia nach dem Vorspiel. Die veränderte Situation habe aber keinen Unterschied für sie gemacht. Emily meint: „Ich vermisse ein bisschen das Publikum. Normalerweise sind immer so zehn bis 20 Zuhörer im Saal.“ Sie finde das ein bisschen schade, aber sei genauso motiviert, wie vor Publikum.
Videos für den Notfall
Beide haben auch ein Video ihres Programms gemacht – für alle Fälle hat das die Wettbewerbsleitung empfohlen. „Wir haben uns entschieden, die Vorspiele in Präsenz zu veranstalten und die Teilnehmer auch Videos machen zu lassen, falls kurzfristig jemand in Quarantäne muss“, erklärt Angela Bauer, die Leiterin der Städtischen Musikschule, die auch Leiterin des Regionalwettbewerbs ist, an dem Jugendliche aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, Ludwigshafen, Speyer, Frankenthal und Bad Dürkheim teilnehmen. Tatsächlich sei auch der Fall eingetreten, dass Teilnehmer erkrankt sind, die Jury werde sich die Videos ansehen.
„Es ist ganz komisch, vor der Kamera zu spielen“, sagt Emily. Auch Lucia ist es lieber, vor „echtem“ Publikum zu spielen. Aber die Videoaufzeichnung habe auch Vorteile, sagen die beiden: Man könne mehrere Versionen aufnehmen und wiederholen, bis man die beste Fassung abgeben kann. Stand Samstag Nachmittag seien es drei Wettbewerber, die per Video teilnehmen, sagt Angela Bauer. Im vergangenen Jahr war der Regionalwettbewerb in Ludwigshafen abgesagt, der Landeswettbewerb sei digital erweitert worden. In diesem Jahr gebe es landesweit fünf Regionalwettbewerbe, die ausschließlich digital ausgetragen werden, erklärt Bauer.
Nur 58 Teilnehmer
Die Zeitpläne für die zwei Wettbewerbstage an der Musikschule seien großzügig angelegt, sodass Lüften und Desinfizieren nach jedem Vorspiel möglich sei. Allerdings gebe es in diesem Jahr auch nur 58 Teilnehmer, vor der Pandemie waren es bis zu 240. „So viele hätten wir mit den Hygieneauflagen auch nicht bewältigen können“, sagt Bauer. Unter 18 Jahren gelte 3G, ab 18 Jahren 2G, bis zu 25 nicht immunisierte Minderjährige dürfen dabei sein, wer nicht geimpft ist, müsse einen Test vorlegen. Sehr viele der Kinder ab zwölf Jahren seien schon doppelt geimpft. Allgemein sei die Resonanz sehr positiv, die Freude groß, dass es wieder den Wettbewerb gebe. Ein Security-Team am Eingang kontrolliere die Auflagen und es gebe keine Probleme.
Jury-Chef Jens Klaassen, Pianist aus Nieder-Olm bei Mainz, stellt bei den Live-Vorspielen keine Unterschiede fest. Nachteil der Videos sei, dass je nach Aufnahmequalität für die Juroren nicht alle Details gut zu hören seien. Auch er erlebe sehr positive Rückmeldungen der jungen Musiker und ihrer Begleiter.
„Mozartkugel“ zum Abschluss
„Es war nicht wesentlich anders“, meint Lucias Vater, Volker Lips, nach dem Vorspiel zur Situation. „Die Aufregung ist dieselbe“, sagt er. Beim Vater oder bei der Tochter? „Bei beiden!“, sagt er und lacht. Die Vorbereitungen seien ja nach Auflagen und Regelungen manchmal etwas umständlicher geworden, aber aus seiner Sicht haben sich die Kinder gut vorbereiten können.
Das Programm von Lucia und Emily schloss mit einem spannenden zeitgenössischen Werk „Mozartkugel“, das Michael Kugel 1999 geschrieben hat. Ganz wie die Nascherei gleichen Namens gibt es „süße“ Passagen, in denen der Komponist Mozart imitiert, gefolgt von modernen, schroffen Klängen von Kugel, die durchaus der dunklen Bitterschokolade der Praline entsprechen. Auf die Frage, wie sie selbst zufrieden waren, meint Lucia: „Es gibt immer etwas, das man noch besser machen könnte.“
Das Urteil der Jury wird den Teilnehmern per E-Mail zugestellt. Die Besten qualifizieren sich für den Landeswettbewerb, von da aus kommen die Gewinner in den Bundeswettbewerb.