Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Jugend musiziert“: Über 100 Talente beim Regionalentscheid

Mina Karoumi hat mit einem Gitarrensolo den ersten Platz belegt.
Mina Karoumi hat mit einem Gitarrensolo den ersten Platz belegt.

Wer in seiner Kindheit schon einmal ein Instrument gespielt hat, weiß, dass zu einem gelungenen Auftritt neben musikalischem Talent eine Menge Fleiß und auch Mut dazugehört. Am Wochenende konnten sich 105 Kinder und Jugendliche aus der Vorderpfalz beim Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ messen.

Mina Karoumi ist zwölf Jahre alt, bald wird sie 13. Stolz sitzt die junge Musikerin mit irakischen Wurzeln vor dem Wettbewerbsbanner, hält ihre Gitarre im Schoß und freut sich über ihren Erfolg: 23 Punkte, einen ersten Preis, hat Mina für ihr Gitarren-Solo von der Jury erhalten. Im Frühling darf sie ihr Können beim Landeswettbewerb beweisen. Ihre Mutter, Großmutter und große Schwester stärkten der Schülerin den ganzen Tag über den Rücken und sind stolz.

Mina habe sechs Stücke auswendig vorgespielt, erzählt die Mutter gerührt, eines davon – ein Stück von Johann Sebastian Bach – sei ihr Lieblingsstück. Die Zwölfjährige wohnt in Ludwigshafen und erhält seit vier Jahren Gitarrenunterricht in einer Oppauer Grundschule. „Jugend musiziert“ war für Mina allerdings eine Premiere: „Meine Füße und Finger haben gezittert. Aber als ich auf der Bühne stand, war die Aufregung weg“, erinnert sie sich.

Anmeldung komplett online

„Die Kinder sind am coolsten, ihre Eltern und Lehrer sind angespannter“, beobachtet Angela Bauer jedes Jahr aufs Neue. Sie ist Leiterin der städtischen Musikschule und organisiert den Regionalwettbewerb schon zum zwölften Mal. Die 61. Ausgabe des Musikwettbewerbs startete mit nur knapp über 100 Anmeldungen, aber dafür nicht mit weniger Enthusiasmus. „Kinder und Jugendliche aus Ludwigshafen, Speyer, Frankenthal, dem Kreis Bad Dürkheim und dem Rhein-Pfalz-Kreis machen am Wochenende mit“, sagt Bauer. Die Wertungen stehen dieses Jahr anderen Instrumenten und Ensembles offen als letztes Jahr.

2024 werden vier- bis achthändige Klavierdarbietungen geprüft, genauso wie Duo-Auftritte eines Streichinstruments mit Klavierbegleitung sowie Gitarren-Soli. Auch Blasinstrumente treten im Duo mit dem Klavier auf, werden aber als Solo-Instrument bewertet. Für die Orgel-Ausschreibung gab es keine Anmeldungen, die Gesangs- und Schlagzeug-Wertung wurde wegen der geringen Zahl an Bewerbungen an einen anderen Regionalwettbewerb abgegeben.

Viele Bläser dabei

Über die rege Teilnahme in einer bestimmten Kategorie freut sich die Musikschulleiterin dennoch besonders: „Wir sind begeistert, dass so viele Jugendliche und Kinder mit ihrem Blasinstrument antreten.“ Bei der Registrierung haben die Musiker ein leichtes Spiel gehabt: Der gesamte Vorgang verläuft zum ersten Mal online. In der passenden App können Interessierte das Programm und später auch die Ergebnisbekanntgaben mitverfolgen.

Ein Banner wies den Teilnehmern den Weg.
Ein Banner wies den Teilnehmern den Weg.

Geprüft werden die jungen Musiker jeweils von einer instrumentspezifischen Jury. In den verschiedenen Jurys sitzen „keine Lehrer aus dem Haus“, da einige Schüler der Musikschule ebenfalls am Wettbewerb teilnehmen, erklärt Bauer. Aus umliegenden Musikschulen seien die Juroren schließlich angereist, und aus dem in Ludwigshafen ansässigen Orchester, der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, hätten sich zwei Kollegen für die Blasinstrument-Jury verpflichtet. „Das sind alles Kollegen, die selbst unterrichten. Das war uns bei den Anfragen wichtig“, betont sie.

Aufeinander eingehen

Volker Hafner war bis 2016 stellvertretender Musikschulleiter und kennt das typische Gewusel an den Wettbewerbstagen. Er unterrichtete Klavier und begleitete seine Schüler, Sänger oder Instrumentalisten bei „Jugend musiziert“. Da auch dieses Jahr viele Klavierbegleitungen – innerhalb und außerhalb der Wertung – zu erleben sind, verrät der Pianist ein paar Tipps für den perfekten Duo-Auftritt. „Beide müssen sich zusammenraufen und aufeinander eingehen. Der Klavierspieler sollte sich dem Solisten unterordnen können, ihn rhythmisch und dynamisch unterstützen“, erklärt er und fügt mit Nachdruck hinzu: „Die Chemie und das Vertrauen müssen einfach stimmen – sonst spielen beide Musiker im schlimmsten Fall gegeneinander.“

Diese Gedanken hat sich Mina Karoumi bei ihrem Gitarren-Solo nicht machen müssen, denn sie trat alleine auf. Nach der Ergebnisbekanntgabe im Ballettsaal ist die Schülerin erleichtert, dass sie den langen Wettbewerbstag erfolgreich gemeistert hat. Ab der zweiten Altersgruppe können die Teilnehmer eine Weiterleitung zum Landeswettbewerb in Mainz bekommen. Ab der dritten Altersgruppe, zu der Mina gehört, können sich die Musiker zwischen dem 14. und 17. März eine Teilnahme am Bundeswettbewerb erspielen. Bis dahin bleibt der talentierten jungen Gitarristin noch genügend Zeit, zum Freuen und Üben.

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