Menschen aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Judith Brombacher setzt sich für den Beethovenchor ein

Hatte als kleines Mädchen Mozarts Kleine Nachtmusik auf Kassette: die 34-jährige Vorsitzende des Beethovenchors, Judith Brombach
Hatte als kleines Mädchen Mozarts Kleine Nachtmusik auf Kassette: die 34-jährige Vorsitzende des Beethovenchors, Judith Brombacher.

Der Beethovenchor ist in Ludwigshafen eine Institution – was Judith Brombacher aber nicht davon abhält, Werbung für den Chor zu machen, den es schon seit fast 100 Jahren gibt. „Ich wünsche mir, dass die Leute sich trauen zu singen“, sagt die Vorsitzende des Fördervereins.

Barfuß steht Judith Brombacher bei der Probe des Beethovenchors Ludwigshafen in der ersten Reihe. Vier Tage vor dem ersten Konzert nach dem Lockdown sind die Sängerinnen und Sänger ein bisschen aufgeregt. Lange konnten sie nur online proben. „Sommerserenade“ lautete der Titel des Konzerts, das am 28. August in der Friedenskirche in Friesenheim stattfand. Zu Beginn der Probe lässt Chorleiter Tristan Meister die Chormitglieder sich aufwärmen. Sie atmen tief ein und zischend wieder aus. „Ich wünsche mir, dass die Leute sich trauen zu singen“, erklärt Brombacher. Um aus dem Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen, hat die 34-jährige Erzieherin sich in den Vorstand des Fördervereins vom Ludwigshafener Beethovenchor wählen lassen. Als Vorsitzende möchte sie Werbung für den Chor machen.

„In Ludwigshafen geht was“, stellt die gebürtige Berlinerin fest, die im Hunsrück aufgewachsen ist und in Limburgerhof wohnt. Fast 100 Jahre gibt es den Beethovenchor Ludwigshafen schon. Im Jahr 1924 führte der Chor die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven auf. Doch nicht nur Beethoven steht auf dem Programm. Das Repertoire des Chors reicht von Johann Sebastian Bach über Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zu zeitgenössischen Vertonungen. Seit 1949 ist der Chor eine städtische Institution mit einem kleinen Etat. Doch um Solisten oder besondere Instrumente bezahlen zu können, gründeten Mitglieder des Chors 1995 den Förderverein. Auch einen Anteil der Kosten für die Stimmbildung, die der Chor anbietet, finanziert der Förderverein. Wenn man mitsingen will, ist die Mitgliedschaft erwünscht. „Ich möchte den Beethovenchor in der Stadt präsent halten“, hat sich Brombacher als Vorsitzende des Fördervereins vorgenommen.

Spät zur Musik gekommen

„Klassik ist für alle da“, meint die Altistin. Viele Menschen haben aber Hemmungen, sich dem Genre, das als anspruchsvoll gilt, zu nähern. Brombacher weiß, wovon sie spricht: „Ganz spät bin ich zur Musik gekommen. Ich habe immer gern gesungen, aber richtig getraut habe ich mich erst in Amerika auf dem College“, erzählt sie. Die strikte Trennung zwischen ernster Musik und Unterhaltungsmusik, die in Deutschland noch viele Köpfe beherrscht, nehmen die Amerikaner nicht so ernst. „Die sind klassisch ausgebildet und haben nebenher noch Rockbands“, bemerkte Brombacher bei ihren Lehrern. Zurück in Deutschland, studierte sie in Mainz Musikwissenschaften und machte eine Ausbildung zur Chorsängerin.

Doch der Traum, von der Musik leben zu können, platzte. Als Brombacher der Liebe wegen nach Ludwigshafen zog, ergab sich die Möglichkeit, eine Ausbildung als Erzieherin zu absolvieren. „In dem Beruf kann ich alle meine Fähigkeiten einsetzen“, freut sie sich. Brombacher hörte als kleines Mädchen gerne Klassik. „Mozarts Kleine Nachtmusik hatte ich auf Kassette“, erinnert sie sich. Doch dann war ihr der Sport wichtiger. An der Schule musste man sich zwischen Musik und Kunst entscheiden, kritisiert sie. Die Freunde hörten andere Musik. „Klassik war out“, erinnert sich Brombacher. Die Foo Fighters, Incubus und System of a Down findet sie zwar immer noch gut. „Ich mache aber mehr Musik, als dass ich welche höre“, erzählt sie.

Mitstreiter gesucht

„Ich mag schöne Stimmen und Mehrstimmigkeit“, erklärt die 34-Jährige. Obwohl sie ihre Stimme eher als Mezzosopran einordnet, singt sie lieber Alt. „Ich mag kein Vibrato, deswegen bevorzuge ich Barock-Musik“, sagt Brombacher. Barock-Musik wurde beim Konzert in der Friedenskirche nicht aufgeführt, dafür aber Komponisten aus vielen Epochen und zahlreichen Ländern wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Edward Elgar, Lili Boulanger und George Gershwin. Wer dieses Konzert verpasst hat, kann den Beethovenchor Ludwigshafen am Sonntag, 3. Oktober, im Pfalzbau hören – und zwar mit dem Lobgesang, Sinfonie Nr. 2 op. 52, von Mendelssohn Bartholdy. Bis dahin kann Brombacher noch fleißig die Werbetrommel für den Chor rühren. Neue Sängerinnen und Sänger sind jederzeit willkommen. Wer Interesse hat, kann bei einer Probe vorbeischauen: in der Regel mittwochs von 19.45 bis 22 Uhr in der Aula der Rheinschule in Ludwigshafen, Mundenheimer Straße 220 (Ecke Rottstraße). Parkmöglichkeit im Schulhof.

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