Ludwigshafen Jubel für eine junge Virtuosin

„Sowas hab’ ich noch nie gehört“, sagte eine Besucherin des Konzerts „Romantik Pur“ in der Kulturscheune des Clubs Ebene Eins. Da hat die junge Geigerin Carla Marrero nämlich mit einer phantastischen Virtuosität das Publikum jubeln lassen. Veranstalter war die Villa Musica Rheinland-Pfalz, die herausragende Talente fördert.
Das Konzert „Romantik pur“ bot ein aufwühlendes Spektrum musikalischer Leidenschaft. Romantik, das war die Epoche innigen Gefühls, aber auch der extremen Virtuosität, gespielt von geradezu mystisch verklärten Virtuosen, die eine Aura von Genie und Wahnsinn umwehte. Dagegen wirkt Carla Marrero, als sie die Bühne betritt, geradezu bodenständig, bescheiden und freundlich. Doch was sie dann im Lauf des Konzerts auf der Bühne spielt, wird das Publikum zu Bravo-Rufen und Jubel hinreißen. Das Programm ist auch dramaturgisch geschickt zusammengestellt: Es wird immer noch eine Schippe draufgelegt und am Ende brennt ein wahres Feuerwerk virtuoser Geigenkunst. Johannes Brahms signierte das Scherzo aus der F.A.E. Sonate mit „Johs. Kreisler jr.“, dem Namen eines fiktiven exzentrischen Kapellmeisters, den der romantische Dichter E.T.A. Hoffmann in mehreren Geschichten beschrieben hat. So erklärt sich die Mischung aus dunkler Abgründigkeit, starken Emotionen und auftrumpfendem Finale – ein Spektrum, das die Geigerin hervorragend darstellte. Begleitet wurde sie, anders als geplant, von Cornelia Weiß. Und die Pianistin machte ihre Sache mit großer Achtsamkeit und Sensibilität. Sie folgte der Geige sehr einfühlsam, gab ihr den Raum für Gestaltung und blieb ihr doch ganz nahe. Eugène Ysaÿe, selbst ein Meistergeiger, hat einen Zyklus von sechs Solosonaten für sechs Kollegen geschrieben. Die Nummer sechs ist davon die schwerste. Ganze Kaskaden von Arpeggien wirbeln da durch die Oktaven, Doppelgriffe von Oktaven und Terzen sind in rasendem Tempo zu spielen, Glissandi ziehen Töne – und das wirkt bei Carla Marrero so spielerisch, wie es wohl auch gemeint ist. Echter Virtuosität darf man die Arbeit, die darin steckt, nämlich nicht anmerken. Womöglich noch überboten wird dieses Feuerwerk der Geigenkunst im zweiten Teil mit den Zigeunerweisen (op. 20) von Pablo de Sarasate. In vier Sätzen jagt der Komponist die Interpreten durch die schwierigsten Techniken in halsbrecherischem Tempo. Im Finale rasen lange Läufe mit springendem Bogen (spiccato), flöten künstliche Flageoletts in höchsten Höhen, und geradezu irrwitzig wird es, wenn mitten im Getümmel die Geigerin mit der linken Hand noch Leersaiten mitzupfen muss. Carla Marrero wirkt dabei völlig ruhig und konzentriert – sie lässt einzig die Musik sprechen und verzichtet auf jede Show. Die brauchte es auch nicht, um das Publikum zu beeindrucken. Bravorufe und Jubel feierten die Geigerin und ihr außergewöhnliches Können. Club und Villa Musica haben ein gemeinsames Ziel, nämlich junge Musiker zu fördern und ihnen eine Plattform zu bieten. Und das ist keine Einbahnstraße, wie Karl Atteln als Sprecher des Club-Vorstands bei der Begrüßung erklärte: „Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Eigentlich werden wir von den jungen Musikern gefördert. Denn nach ihren Konzerten haben wir alle etwas bekommen, das uns im Innersten berührt und weiterbringt“, sagte er zur Begrüßung in der voll besetzten Scheune. Und er sollte auch diesmal recht behalten.