Ludwigshafen Johannes und die Sonnenwende
«Waldsee/ Otterstadt.» Der ökumenische Johannesgottesdienst am Feuer vor der kleinen Flurkapelle zwischen Waldsee und Otterstadt ist schon was Besonderes. Ich weiß das, denn ich war schon ein paar Mal dabei. Nächsten Sonntag, 24. Juni, ist es wieder soweit. Aber worum geht es eigentlich beim Johannesgottesdienst? Oma Nagute hat es mir erklärt.
Es beginnt mit einem Gottesdienst im Freien um 17 Uhr. Die Leute sitzen dann auf Bänken unter den Bäumen. Es spielt ein Posaunenchor aus Speyer und ein kleiner Chor singt, der sich immer nur für diesen Anlass zusammentut. Und dann, das finde ich das allertollste, wird ein Johannesfeuer angezündet. Später nach dem Gottesdienst sitzen die Leute noch zusammen. Viele bringen sich Decken und ein Picknick mit, das sie dann mit den anderen teilen. Man kann auch grillen dort. Nicht über den Feuer, sondern auf Grills. Das Fleisch und Teller und Besteck muss man aber mitbringen. Ich finde es ja am schönsten, dass die Kinder Stockbrot über dem Feuer machen dürfen. Den Teig gibt es dort, den muss man nicht mitbringen. Letztes Jahr war ich mit meiner Oma Nagute da. Nach dem Picknick wollte ich von ihr wissen, wer denn dieser Johannes war, um den es in dem Gottesdienst geht. „Das war ein Verwandter von Jesus Christus. Seine Mama, die Elisabeth, und die Mama von Jesus, die Maria, waren Cousinen“, erzählte meine Oma. Johannes war genau ein halbes Jahr älter als Jesus. Er ist mitten im Sommer, am 24. Juni, und Jesus mitten im Winter, am 24. Dezember, geboren. Mit Ende 20 ist er in die Wüste gegangen und wurde ein Bußprediger. Dort hat er, wie in der Bibel steht, Heuschrecken und wilden Honig gegessen. Also, das mit dem Honig ist okay, aber Heuschrecken? Er hat den Menschen, die zu ihm kamen, gesagt, sie sollen mal darüber nachdenken, was sie alles falsch machen, und das in Zukunft besser machen. Besonders zimperlich war er dabei nicht, wenn ihm etwas nicht gefallen hat, dann hat er das auch gesagt. Er hat den Leuten aber auch erzählt, dass das Reich Gottes nahe ist. Und er hat sie im Fluss Jordan getauft. Deswegen heißt er auch Johannes der Täufer. Jesus hat er übrigens auch getauft. Und er hat erkannt, dass Jesus der Retter war, auf den die Menschen damals warteten. Aber Johannes hat auch erkannt, wenn jemand etwas Falsches tut. Das hat er dann auch laut gesagt. Das hat ihm letztlich auch den Kopf gekostet. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Johannes wurde geköpft. Er wird als Heiliger verehrt. „Und warum zünden wir ein Feuer an? Sowas hab ich hier noch nie gesehen“, fragte ich Oma Nagute. Solche Johannesfeuer gibt es fast überall in Europa, erklärt mir Oma. „Bei uns hier ist der Brauch nicht so verbreitet, aber in Bayern habe ich das schon ganz oft gesehen. Da leuchten in der Nacht vom 24. Juni von den Hügeln große Feuer, sobald es dunkel wird“. Das Feuer hatte ursprünglich gar nichts mit Johannes zu tun. Am 24. Juni wurde Sonnwende oder Mittsommer gefeiert. Das ist die kürzeste Nacht, danach wird es langsam wieder früher dunkel. Und an diesem Tag haben die alten Germanen große Feuer angezündet. Später, als die Germanen dann Christen wurden, haben sie diesen Brauch beibehalten und am gleichen Tag den Festtag des heiligen Johannes gefeiert. So wurde ein Johannesfeuer daraus. Na, habt ihr Lust bekommen, zum Johannesfest zwischen Waldsee und Otterstadt zu kommen? Zur Flurkapelle kommt man, wenn man den Weg neben dem Rathaus in Waldsee Richtung Feld noch ein paar hundert Meter weiter geht. Bei Regen ist der Gottesdienst in der protestantischen Kirche.