Ludwigshafen „Jetzt als Oggersheimer anerkannt“
„Irgendwo in Lu“ sind wir jede Woche in der Stadt unterwegs auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Gestern haben wir im Hemshof Rentner Gunter Bruch (73) aus Oggersheim getroffen.
Da sind Sie bei mir an der falschen Adresse. Ich lebe mit meiner Frau in Oggersheim. Dort hatten wir am Wochenende selbst Kerwe. Ich gehe zwar hin und wieder auf das Kellereifest, aber an diesem Wochenende habe ich das nicht geschafft. Man hört Ihnen an, dass Sie nicht aus der Vorderpfalz kommen. Woher stammen Sie? Ursprünglich aus der Nordpfalz. Aber ich bin schon seit 1970 in Ludwigshafen, weil in unserer Gegend arbeitsmäßig wenig los war. Und wenn, dann musste man dafür bis zu 60 Kilometer fahren, was damals gar nicht so einfach war. Vor allem, wenn auch die Frau berufstätig und ebenfalls auf das Auto angewiesen war. Hier habe ich dann schnell etwas gefunden. Was haben Sie gemacht? Ich war Spengler und Dachdecker, aber hier in Ludwigshafen habe ich dann ab 1975 bis zur Pensionierung als Briefträger gearbeitet. Normalerweise kamen die meisten Leute damals zur BASF … Ja, aber soweit ich mich erinnere, hatte die Anilin damals gerade eine Einstellungssperre, und über eine Fremdfirma wollte ich dort nicht rein. Dafür habe ich es mit der Post ganz gut getroffen. Ich habe mich über die Jahre als Briefträger hochgearbeitet. Angefangen habe ich zu Fuß, dann habe ich ein Fahrrad bekommen, später ein Mofa, und in den letzten paar Jahren hatte ich sogar ein Auto. Das Auto für einen normalen Briefträger? Ist das nicht unpraktisch? Im Gegenteil. Ich war zwar in Mundenheim stationiert, aber ich hatte die Runde über die außenliegenden Bauernhöfe. Da war die Route knapp 35 Kilometer lang und ging bis nach Mutterstadt. In den vergangenen 25 Jahren hatte ich dann Rheingönheim als Bezirk. Dort war letzte Woche Straßenfest. Das habe ich besucht. Die Leute kennen mich noch. Sind Sie selbst mittlerweile auch in Ludwigshafen heimisch geworden? Ja, schon. Und sogar noch mehr. Ich lebe mittlerweile seit 31 Jahren in Oggersheim. Ich würde sagen, dass ich dort jetzt als Oggersheimer anerkannt bin. Außerdem kamen in den 70ern relativ viele aus der Nordpfalz, aber auch aus dem Saarland nach Ludwigshafen. Getroffen und ausgetauscht hat man sich in den Vereinen. Ich bin heute noch beim Polizei SV. Nicht beim Post SV? Nein, das hat sich über die persönlichen Kontakte einfach so ergeben. Außerdem ist heute beim Post SV ja auch nicht mehr viel. Die haben nicht mal mehr eine Fußballabteilung. Wir stehen hier vor dem Ärztehaus Lumedico. Sind Sie krank? Nein, ich bin noch relativ fit, war gestern erst neun Kilometer joggen. Ich warte hier auf meine Frau. Sie läuft nicht mehr so gut. In unsere geliebten Berge in Südtirol können wir deshalb leider nicht mehr. |