Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Jazzkonzert mit Dianne Reeves im BASF-Feierabendhaus

Grande Dame des Jazzgesangs mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz: Dianne Reeves.
Grande Dame des Jazzgesangs mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz: Dianne Reeves.

Dianne Reeves hat im BASF-Feierabendhaus mit ihrer exzellenten Band ein großartiges Konzert geboten und ein Statement für Kunst und Musik abgegeben.

In ihrem Heimatland USA sieht es in Sachen Kunst derzeit düster aus. Donald Trump hat sich selbst zum Leiter des Kennedy Centers gemacht, das bis dahin in Washington D. C. ein selbstverwaltetes Aushängeschild für Vielfalt und die Förderung von Kunst und Musik war. Jetzt will ein Mann, der zuhause auf einer goldenen Kloschüssel thront, bestimmen was „offiziell“ als „gute“ amerikanische Kunst gilt. Eine Musikform wie Jazz, die einzige genuin amerikanische Stilrichtung der Musik, und direkt aus multikultureller Vielfalt entstanden, wird da keinen leichten Stand haben. In Europa sieht es besser aus. Das Konzert mit Dianne Reeves war eine Kooperation von Enjoy Jazz und dem BASF-Kulturprogramm.

Im Feierabendhaus lief das Programm schon eine Zeit lang, als in einem leisen Moment ein kleines Kind Laute von sich gab. Über das Gesicht der Sängerin ging ein Strahlen. Singend improvisierte sie „ich glaube ich habe gerade ein kleines Kind im Publikum gehört und das ist wundervoll. Bringt die Kinder zu Konzerten, denn sie können nicht früh genug anfangen, Musik zu erleben.“ Die Band unterlegte das mit einem dezenten swingenden Groove und Dianne Reeves improvisierte weiter: „Kunst ist heilend, das ist das Wichtigste in dieser Zeit“, sang sie. Die Zuhörer applaudierten zustimmend.

Sie ist eine Grande Dame des Jazzgesangs und dazu eine warmherzige Persönlichkeit mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz und Ausstrahlung. Das Konzert begann die Band noch ohne sie, mit einem instrumentalen Stück. Es war kein Standard, sondern vermutlich eine Komposition von John Beasley, einem Pianist und Arrangeur, der schon mit Freddy Hubbard und Miles Davis gespielt hat und seit vielen Jahren treuer Begleiter der Sängerin ist. Kennengelernt habe sie ihn 1987 in Los Angeles bei einer Veranstaltung, bei der die beiden noch „auf Hut“ gespielt haben. „Das machen wir heute nicht mehr“, fügte sie lachend an.

Einfluss von Ella Fitzgerald

Die Band klang frisch und modern und traute sich was. Das machte Spaß zu hören. Mit dabei waren noch Terreon Gully am Schlagzeug, E-Bass und Kontrabass spielte Reuben Rogers und dann gab es noch den bemerkenswerten Gitarristen Romero Lubambo, den Dianne Reeves in seiner Heimat Rio de Janeiro, Brasilien, kennengelernt hat. Er spielte die akustische Konzertgitarre, die in der populären Musik Brasiliens gebräuchlich ist und im selben Zupfstil mit bloßen Fingern spielte er auch E-Gitarre. Das erste Gesangsstück war „What's new“, ein Jazz Standard, den auch Billie Holiday und Ella Fitzgerald gerne gesungen haben. Der Einfluss von Fitzgerald war unverkennbar, als Reeves zu einem improvisierten Scat-Solo ansetzte. Diese Kunst, die Stimme mit sinnfreien Silben und Lautmalereien wie ein Instrument einzusetzen, hat Ella Fitzgerald ganz wesentlich erfunden. Und Dianne Reeves hat daraus einen eigenen Stil entwickelt. Dabei nutzt sie ganz bewusst auch die verschiedenen Farben von Kopf- und Bruststimme (was im klassischen Gesang verpönt wäre), sie bewegt sich durch die wechselnden Harmonien mit interessanten Wendungen, dabei singt sie Linien, die modern klingen und spannende Erweiterungen der Harmonik nutzen. Das gilt auch für die Band und die Solisten – weshalb alle so gut zusammenpassen. Die Musik bleibt trotzdem eingängig, ohne aber dabei glatt oder gar „brav“ zu wirken.

Ein besonderer Moment war noch ein Duett von Gesang und Konzert-Gitarre, von beeindruckendem Groove und schönem Klang. Das Publikum applaudierte am Ende stehend und lange. Die Zugabe begann mit einer Bass Improvisation, die zu Miles Davis' „All Blues“ wurde, auf den die Sängerin einstieg. Die Band kam nach und nach dazu und es entstand ein groovender Jam im Dreiviertel-Takt. Dianne Reeves genoss die Begeisterung sichtlich. Sie ist viel in Europa unterwegs, wo das Publikum die Jazzmusik und die Musiker noch feiert.

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