Ludwigshafen Jagd aufs zweite Bier

Placeholder-Image

Zwei Musiker aus Köln waren zu Gast bei der letzten Ausgabe der Reihe „Sundaykick“ vor der Sommerpause. Die Posaunistin Shannon Barnett und der Saxophonist Stefan Karl Schmid boten zusammen mit Kicks’n’Stücks in der Mannheimer Alten Feuerwache höchst anspruchsvollen Bigband-Jazz.

Beide Musiker waren letztes Jahr im Quartett von Shannon Barnett in der Klapsmühl’ zu erleben. Die australische Posaunistin spielte in Bands mit Kurt Rosenwinkel und Charlie Haden und ist Mitglied der WDR Bigband Köln. Der Tenorsaxophonist spielt in mehreren Formationen der Kölner Szene, darunter Schmid’s Huhn. Fast alle Kompositionen des Abends wurden von Schmid arrangiert. Aus seiner Feder stammte auch „Snakes don’t walk“, eine avancierte Nummer mit spacigen Sounds des Gitarristen Sebastian Böhlen. Die Posaunistin brachte die Schlange mit energiereich verzweigten Soli zum Tanzen. Motive aus „Sophisticated Lady“ inspirierten Shannon Barnett für ihre Komposition „Man in a Restaurant“: eine ruhige, elegante Nummer, in der Harmonien von Ellington im Intro herumgeisterten, und Schmid seine Klasse als exquisiter Improvisator zeigte. Die Bigband als Experimentierfeld nutzte der Kölner Musiker in seinen Arrangements. Ungewöhnliche Farben und Strukturen, avancierte Harmonien, rhythmische Komplexität und mehrschichtige Überlagerungen fanden sich zuhauf. So auch in Schmids „Hyper Helgi“ mit ziemlich hippen Beats. Schillernde Soundflächen erzeugte der Kölner auf dem Sopransaxophon in seiner Nummer „Hurdy gurdy“, wobei hier auch Flügelhornspieler Stephan Udri starke Akzente setzte. Schmids isländische Wurzeln fanden sich in dem Volkslied „Dreamland“, hier in zartem romantischem Bigband-Satz. Um pessimistische Menschen aufzuheitern, hat Shannon Barnett das Stück „Pessors“ geschrieben. Das könnte Wirkung zeigen bei den vital tanzenden Rhythmen, den lustvoll federnden Duo-Improvisationen, die sie mit Schmid startete. Ihr „PJ 3“ war dagegen eine bluesig-schwüle Nummer, der Bläsersatz aber glühte immer wieder ereignisreich auf zwischen den nächtlich dunklen Klängen. „Chasing the second“ heißt ein weiteres Stück der Posaunistin, gemeint ist damit die Jagd nach einem zweiten Bier: Ein knackiges Thema wird da von bluesiger Lust grundiert, federleicht ließ die Posaunistin ihre Tonfiguren dahinfliegen, um dann in schwebenden Klängen und angehaltenem Tempo zu landen. Als nächstes geht die von Jochen Welsch geleitete Bigband ins Studio, um eine neue CD mit Gastsolisten aufzunehmen: Musik der letzten zehn Jahre wird eingespielt.

x