Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Italienische Küche bleibt, Betreiber wechselt: Warum Tialini geht und L’Osteria kommt

Das Tialini-Logo ist bereits weg, die Außenbestuhlung fein säuberlich gestapelt.
Das Tialini-Logo ist bereits weg, die Außenbestuhlung fein säuberlich gestapelt.

In wenigen Wochen will die Systemgastronomie-Kette L’Osteria am Ludwigshafener Rheinufer ein Restaurant eröffnen. Tialini zieht sich „aus strategischen Gründen“ zurück.

Nun ist es offiziell: Die italienische Küche bleibt, der Betreiber wechselt. Das Ende Juni geschlossene Tialini am Rheinufer soll bald von der Systemgastronomie-Kette L’Osteria übernommen werden. Das sieht nach RHEINPFALZ-Informationen ein Aufhebungsvertrag vor. Auch in der Rhein-Galerie gibt es einige Veränderungen.

Die Gerüchteküche brodelte schon länger. In der letzten Juni-Woche dokumentierte dann ein Aushang des „Tialini-Teams“ am Haupteingang des Lokals, dass es mehr als Gerüchte sind. „Nach fast 13 wunderbaren Jahren müssen wir schweren Herzens bekanntgeben, dass unser geliebtes Tialini Ludwigshafen am 25.06.2025 seine Türen schließen wird“, ist auf dem weißen DIN-A4-Papier zu lesen.

Das Tialini-Logo an der Hauswand ist abmontiert, die Außenbestuhlung fein säuberlich gestapelt. Noch vor Ablauf des Mietvertrags mit Rhein-Galerie-Betreiber ECE (Hamburg) gibt die Tialini GmbH den prominenten Standort auf. Fünf Lokale hat das Unternehmen mit Sitz in Bietigheim-Bissingen einst betrieben. Pizza und Pasta á la Tialini werden aktuell nur noch in Wiesbaden und Karlsruhe serviert. Auf den Webseiten der Restaurants in Stuttgart, Freiburg und nun auch Ludwigshafen taucht jeweils ein roter Balken mit der Aufschrift „Dauerhaft geschlossen“ auf.

„Strategische Neuausrichtung“

„Die Entscheidung zur Schließung unseres Standorts in Ludwigshafen ist Teil einer übergeordneten strategischen Neuausrichtung unseres Family Offices. Wir haben im Vorjahr intensiv geprüft, wie und wo wir unsere unternehmerischen Aktivitäten künftig fokussieren möchten – mit dem Ergebnis, dass wir uns langfristig aus dem operativen Gastronomiegeschäft zurückziehen werden. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, aber sie eröffnet uns neue Spielräume und Entwicklungsmöglichkeiten in anderen Bereichen“, sagt Tialini-Geschäftsführerin Alena Wiedeking, die Schwiegertochter Wendelin Wiedekings. Zur Eröffnung der italienischen Systemgastronomie in Ludwigshafen am 7. Januar 2013 fuhr der Ex-Porsche-Chef und Tialini-Gründer im Sportwagen vor. Nun ist „Una Storia italiana“, wie es zum Tialini-Start blumig hieß, beendet.

„Faire und großzügige Abfindungen“

Alena Wiedeking zufolge ist das Interieur des Lokals an den neuen Mieter veräußert worden. Sie bedauert den Abschied aus der Vorderpfalz: „Ludwigshafen hatte für uns durchaus eine besondere Bedeutung – als erster Tialini-Standort überhaupt und aufgrund seiner attraktiven Lage mit Blick auf den Rhein. Wir haben uns dort stets sehr wohl gefühlt.“

Die Geschäftsführerin ergänzt: „Ludwigshafen war für uns über viele Jahre ein hervorragender Standort, geprägt durch ein eingespieltes, engagiertes Team und die enge Verbundenheit mit zahlreichen Stammgästen. Umso schwerer ist uns die Entscheidung gefallen. Dennoch war sie Teil eines langfristig angelegten, unternehmerischen Prozesses, den wir mit Blick auf unsere strategische Neuausrichtung getroffen haben.“

Mit den Mitarbeitern seien überwiegend individuelle Aufhebungsvereinbarungen geschlossen und dabei „faire und großzügige Abfindungslösungen“ angeboten worden. Parallel dazu habe der potenzielle Nachfolger Gespräche mit sämtlichen Mitarbeitern geführt. „Wir gehen davon aus, dass viele der Kolleginnen und Kollegen entweder dort oder in anderen gastronomischen Betrieben schnell eine neue berufliche Perspektive finden werden“, so Alena Wiedeking. Zu Umsatzzahlen und zur bisherigen Mitarbeiterzahl macht Tialini keine Angaben.

Mitarbeiter-Aushang am Haupteingang.
Mitarbeiter-Aushang am Haupteingang.
Tialini-Eröffnung am 7. Januar 2013: Wendelin Wiedeking mit dem damaligen Geschäftsführer Andreas Vogel.
Tialini-Eröffnung am 7. Januar 2013: Wendelin Wiedeking mit dem damaligen Geschäftsführer Andreas Vogel.
Auf Höhe des Lokals soll es einen zweiten Schiffsanleger geben.
Auf Höhe des Lokals soll es einen zweiten Schiffsanleger geben.
Centermanager der Rhein-Galerie: Patrick Steidl.
Centermanager der Rhein-Galerie: Patrick Steidl.
L’Osteria-Filiale in der Mannheimer Innenstadt.
L’Osteria-Filiale in der Mannheimer Innenstadt.

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Die gute Nachricht für Ludwigshafen: Ein Nachfolger steht einem Aufhebungsvertrag zufolge bereits fest: Wie Patrick Steidl, Centermanager der Rhein-Galerie, bestätigt, wird die 1999 gegründete deutsche Systemgastronomie-Kette L’Osteria das Restaurant übernehmen. „Minimum fünf, maximal zehn Jahre“ soll die Laufzeit des Mietvertrags sein.

„Absoluter Wunschpartner“

L’Osteria sei der „absolute Wunschpartner“, sagt der 46-Jährige. ECE habe bereits gute Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht – am Rhein-Neckar-Zentum in Viernheim, Steidls früherer Wirkungsstätte, betreibt L’Osteria in der Bürgermeister-Neff-Straße 16 laut Steidl eine sehr gut besuchte Filiale. Auch das L’Osteria-Lokal in der Mannheimer Innenstadt (Friedrichsplatz 12) laufe erfolgreich. „Das ist für die Gastro-Landschaft in Ludwigshafen eine echte Bereicherung“, ist Steidl überzeugt.

„Im Spätsommer oder im frühen Herbst“ soll das L’Osteria-Restaurant eröffnen, in Kürze der Umbau beginnen, sagt Firmensprecherin Anna Ploss von der Münchner Zentrale auf Anfrage. 45 Mitarbeiter sollen beschäftigt werden. „Als größte Stadt in der Pfalz ist Ludwigshafen für uns ein spannender Standort“, betont sie und ergänzt: „Auch in Ludwigshafen werden wir auf unser bewährtes Angebot rund um Klassiker der italienischen Küche setzen. Neben unserer ikonischen, rund 45 Zentimeter großen Pizza und der Pasta aus unserer unternehmenseigenen Manufaktur wird unser Angebot durch leckere Antipasti und Dolci abgerundet. Hinzu kommen noch typisch italienische Kaffeespezialitäten mit Bohnen aus unserer eigenen Rösterei, der Bar Italiana.“

Aktuell über 200 Standorte

L’Osteria betreibt Restaurants, setzt Tochtergesellschaften oder Joint Ventures ein und hat ein Franchise-System. Dass die Kette mit Standorten in neun europäischen Ländern derzeit in aller Munde ist, hängt auch damit zusammen, dass kaum ein Unternehmen der Branche in den vergangenen Jahren so stark gewachsen ist. Allein im Vorjahr hat L’Osteria 27 Restaurants eröffnet. Die Kette zählt derzeit über 200 Standorte, bis 2030 sollen es europaweit 500 sein.

Im März 2023 hat die Investmentfirma McWin die Mehrheit (rund zwei Drittel der Anteile) übernommen. Das Geld kommt unter anderem vom Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi. Dem Vernehmen nach wurde L’Osteria damals mit rund 400 Millionen Euro bewertet.

Das erste L’Osteria-Restaurant wurde vor 26 Jahren in Nürnberg von den Gründern Klaus Rader und Friedemann Findeis eröffnet, die 2002 auch zu den Gründern der Kette Vapiano gehörten. In Ludwigshafen hatte L’Osteria schon mal angeklopft – als potenzieller Mieter im „Metropol“-Hochhaus am Berliner Platz, das aber aus finanziellen Gründen scheiterte.

Veränderungen in der Rhein-Galerie

Veränderungen gibt es nach Steidls Angaben auch in der Rhein-Galerie – im inzwischen 15. Jahr ihres Bestehens. Ein Tedi-Discounter soll noch in diesem Jahr im ersten Obergeschoss gegenüber dem Food-Court einziehen. „Lazaros“ (Modeschmuck) ist seit April im Erdgeschoss zu finden, das Nagelstudio „Luxury Nails“ seit Mai im ersten Stock. Mitte Juli will das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf der ersten Etage auf 160 Quadratmetern ein Blutspendezentrum eröffnen.

Gespräche mit Zara laufen

Beliebt ist das Einkaufszentrum mit seinen rund 110 Shops vor allem beim jungen Publikum, verweist Steidl auf die Statistik: 36 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der Kunden. 60 Prozent sind Frauen, 70 Prozent kommen mit dem Auto. Das Parkhaus bietet 1500 Stellplätze. Das Gros der Gäste steuere das Haus von der linksrheinischen Seite an. Der Anteil der Mannheimer bewege sich im einstelligen Prozentbereich, so Steidl.

Die Leerstandsquote liege unter zehn Prozent, die tägliche Kundenzahl im Schnitt bei fast 15.000. Mit Peek & Cloppenburg, C&A, H&M, Thalia oder New Yorker seien mehrere Ankermieter des Eröffnungsjahrs weiter an Bord. Auch Augenoptik Fielmann ist von Beginn an dabei und hat nach eigenen Angaben seither 180.000 Brillen in der Rhein-Galerie verkauft, kürzlich seine Ladenfläche umgestaltet und auf 400 Quadratmeter verdoppelt. 820.000 Euro wurden nach Firmenangaben dafür investiert. Mit der 2013 hinzugekommenen Modemarke Zara liefen Gespräche über eine Vertragsverlängerung, so Steidl.

„Markt in Deutschland ist dicht“

Der Elektronikmarkt Saturn (seit 2020), der Drogeriemarkt Müller (2021) oder die Textilkette TK Maxx (2022) seien weitere Zugpferde, betont der Chef von 20 Mitarbeitern. Auf Höhe des künftigen L’Osteria-Lokals sei ein zweiter Schiffsanleger der Schweizer Firma „Scylla AG Kreuzfahrten“ geplant.

Je 100 Center führt ECE in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Weitere werden national nicht hinzukommen, schätzt der gebürtige Zwickauer, der die Geschäfte in Ludwigshafen seit August 2020 führt. „Der Markt in Deutschland ist dicht“, sagt Steidl, der mit seiner Familie in Bensheim wohnt. Die Zeit, als Einkaufstempel wie Pilze aus dem Boden schossen, sei vorbei.

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