Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Irisch-pfälzische Geschichte: Anne-Marie Flynn über Pubs, Politik und spannende Spuren

Die Ausstellung „Unsere gemeinsame Reise“ des irischen Generalkonsulats in Frankfurt ist ab 19. Februar in Hochdorf-Assenheim zu
Die Ausstellung »Unsere gemeinsame Reise« des irischen Generalkonsulats in Frankfurt ist ab 19. Februar in Hochdorf-Assenheim zu Gast. Das Bild ist bei einer früheren Station der Ausstellung entstanden.

Eine Ausstellung zeigt, wie Pfälzer in Irland heimisch werden – und warum diese Geschichte nachwirkt. Generalkonsulin Anne-Marie Flynn spricht über die besondere Verbindung.

Frau Generalkonsulin, vor mehr als 300 Jahren siedelten sich mehr als 3000 Pfälzer in Irland an. Wie kam es dazu?
Die Ankunft der Pfälzer in Irland war Teil eines viel umfassenderen Migrationstrends, eines der größten und bedeutendsten im Europa der frühen Neuzeit. Die Auswirkungen des Spanischen Erbfolgekriegs und die Hungersnot veranlassten die Pfälzer, in der Hoffnung auf ein besseres Leben Zuflucht im Ausland und unter anderem in Irland zu suchen. So wurden in ganz Irland Pfälzer Siedlungen gegründet.

Welche pfälzischen Spuren lassen sich heute noch in Irland finden?
Die Nachkommen der ersten irischen Siedler sind seit langem vollständig integriert und leisten weiterhin einen bedeutenden Beitrag zum irischen Leben in einer Reihe von Bereichen. So engagieren sich heute Austin Bovenizer und andere Nachkommen der irischen Pfälzer für den Erhalt und die Förderung dieser Geschichte, unter anderem durch großzügige Beiträge zum Irischen Pfalzprojekt. Austin Bovenizer ist sich seit langem seines irisch-pfälzischen Erbes bewusst, was ihn 1989 zur Mitbegründung der „Irish Palatine Association“ veranlasste. Das Irish Palatine Heritage Centre in Rathkeale hat Mitglieder in Irland, England, Australien, Neuseeland, den USA, Kanada und auf der ganzen Welt, die alle durch ihre Identifikation mit den irischen Pfälzern und ihrer Geschichte oder ihre Affinität dazu verbunden sind.

Anne-Marie Flynn.
Anne-Marie Flynn.

Der Ort Assenheim, in dem die Ausstellung zu Gast ist, hat einen besonderen Bezug zu den „Irish Palatines“...
Die Switzer-Familie, eine der bekanntesten irischen Pfälzer Familien, stammte ursprünglich aus Assenheim, wo ihr Familienhaus noch heute zu sehen ist. Mit ihrer zwischen 1838 und 1995 bestehenden Kaufhauskette in Dublin, Cork, Limerick und Galway versorgte die Familie die irische Bevölkerung über ein Jahrhundert lang mit Luxusgütern und machte sich damit in Irland einen allgemein bekannten Namen. Eine andere Switzer hatte einen ähnlich großen, wenn auch ganz anderen Einfluss auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Mary Elizabeth Switzer wurde 1900 in Boston in eine irische Pfälzer Familie geboren. Mary erlangte eine bedeutende Position in der Regierung und ist in amerikanischen Kreisen vor allem für ihren Beitrag zum Vocational Rehabilitation Act von 1954 bekannt, der die berufliche Unterstützung für Menschen mit Behinderungen verbesserte. Auf internationaler Ebene spielte Mary eine führende Rolle bei der Gründung der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 1948. Ihr Leben lang hielt sie ihre Verbindung zu Irland aufrecht und besuchte die Insel häufig. Dies unterstreicht das komplexe geografische und zwischenmenschliche Geflecht, das die Geschichte der irischen Pfälzer darstellt.

Lassen sich auch irische Einflüsse in der Pfalz finden?
Die irische Gemeinde in Rheinland-Pfalz umfasst zirka 1500 Personen. Das Städtchen Dausenau in der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau hat eine und die erste irische Bürgermeisterin in Deutschland, Michelle Wittler. Es gibt viele deutsche Musiker und Bands, die sich der irischen Musik verschrieben haben. Nicht zu vergessen sind natürlich die Pubs und die vielen Veranstaltungen zum irischen St. Patrick“s Day.

Was schätzen Sie persönlich an der Pfalz?
Die offene, freundliche, warme Mentalität der Menschen, die schöne Landschaft mit ihren Weinbergen, die nicht ohne Grund als „Toskana von Deutschland“ bezeichnet wird. Die Wandermöglichkeiten sind auch etwas, das ich besonders mag. Und natürlich die Weinkultur.

„Unsere gemeinsame Reise“ ist eine Wanderausstellung des Generalkonsulats. Warum ist es Ihnen so wichtig, über die irisch-pfälzische Geschichte zu informieren?
Das Irische Pfalzprojekt baut langfristige Partnerschaften zwischen Irland und Rheinland-Pfalz auf und macht das kulturelle Erbe beider Länder einem neuen Publikum zugänglich. Die irisch-pfälzische Geschichte ist eines der ältesten und beständigsten Elemente der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Es zeigt die tiefreichende historische enge Verbindung zwischen diesem Teil Deutschlands und Irland, die bis in die Gegenwart anhält. Die Ausstellungen und Veranstaltungen sollen das Bewusstsein für diese Geschichte schärfen - und hoffentlich eine Grundlage für die weitere Stärkung der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Irland und Rheinland-Pfalz bilden.

Info:

Die Ausstellung „Unsere gemeinsame Reise“ des irischen Generalkonsulats in Frankfurt, die der Kulturverein Hochdorf-Assenheim vom 19. bis 28. Februar im Historischen Rathaus Assenheim präsentiert, zeichnet die Geschichte pfälzischer Auswanderer nach, die in Irland eine neue Heimat fanden. Auch Assenheimer suchten auf der grünen Insel ihr Glück. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 19. Februar, eröffnet. Weitere Öffnungszeiten: Freitag/Samstag, 20./21. Februar, von 14 bis 18 Uhr, Sonntag, 22. Februar, von 11 bis 18 Uhr, sowie Samstag, 28. Februar, von 14 bis 18 Uhr.

Zur Person:

Anne-Marie Flynn wurde 2021 zur zweiten irischen Generalkonsulin in Frankfurt am Main ernannt. Zuvor hatte die 36-Jährige unter anderem leitende Positionen in verschiedenen Abteilungen des irischen Außenministeriums in Dublin inne und war stellvertretende Generalkonsulin in Edinburgh. Flynn hat Englische Literatur und Deutsch studiert sowie Abschlüsse in Internationalen Beziehungen und Wirtschaft.

x