Ludwigshafen
Irgendwo in Lu: „Man gewöhnt sich an die Nähe zur Bahnstrecke“
Der 68-Jährige hat seinen Garten seit 40 Jahren. Seit drei Jahren ist er einer von sechs Gartenwarten des Gemeinnützigen Kleingartenbauvereins Süd-Schöngewann.
Wie groß ist die Anlage?
Wir haben 266 Gärten mit einer durchschnittlichen Größe von 360 Quadratmetern. Und die sind alle belegt.
Gerade während Corona haben die Kleingärten einen Boom erlebt. Wie war das hier in der Anlage?
Ich will mal so sagen: Seit zwei, drei Jahren bevorzugen wir als neue Mitglieder junge Familien mit Kindern.
Sie haben sich selbst mit 28 Jahren einen Garten zugelegt. War das ihr Wunsch?
Eigentlich war es der Wunsch meiner Frau. Ich selbst konnte mit Kleingärten nicht so viel anfangen. Aber meine Kinder waren damals vier und acht Jahre alt. Die sind hier aufgewachsen. Ich bin Sportler und habe mit dem SV Südwest noch in der Oberliga gespielt. Später war ich auch noch bei anderen Vereinen und haben in anderen als Trainer gearbeitet.
Wie funktioniert die Aufteilung bei der Gartenarbeit?
Ich mache die schweren Arbeiten im Beet und auch am Haus, meine Frau kümmert sich um die Blumen und das Gemüse.
Wie ist die Anlage den Tag über belegt?
Da sind zunächst einmal die Rentner. Da sind einige schon morgens um 8 Uhr hier. Die Familien kommen dann am Nachmittag und alle anderen nach der Arbeit.
Sind hier in der Anlage unmittelbar an der Bahnstrecke viele Eisenbahner?
Nein, eigentlich nicht. Ich selbst war zum Beispiel 48 Jahre bei der BASF. Wie das war, als die Anlage 1927 entstanden ist, kann ich nicht sagen. Aber man gewöhnt sich an die Nähe zur Bahnstrecke, wie man sich irgendwann ja auch einmal an den Geruch von der BASF gewöhnt hat.
Wie sind die Gärten ausgestattet?
Das unterscheidet sich. Ich selbst habe eine kleine Solaranlage, mit der ich Kühlschrank und Licht betreiben kann.
Wie wird man Gartenwart?
Mich hat der Vorstand schon vor einigen Jahren angesprochen, aber damals stand ich noch im Beruf und war als Trainer aktiv. Da hätte ich die Aufgabe nicht zu 100 Prozent erfüllen können. Deshalb habe ich gesagt, dass wir uns noch einmal unterhalten können, wenn ich in Rente gegangen bin. Und deshalb bin ich das jetzt seit drei Jahren.
Müssen Sie dafür das Kleingartengesetz auswendig kennen?
Nein. Manche Sachen weiß man einfach mit der Zeit. Wenn zum Beispiel jemand sonntags den Rasen mähen will, erkläre ich, dass das nicht geht. Ich suche das Gespräch bei Lärmbelästigung. Wenn Gärten über längere Zeit nicht gepflegt werden, suchen wir ebenfalls erst einmal das Gespräch. Außerdem sind wir zuständig für „Wasser marsch“ im Frühjahr und „Wasser Stopp“ im Herbst. Bei „Wasser marsch“ sind wir dann auch alle sechs hier und laufen die Gäste in unserer Zone ab, um zu schauen, ob alle sichtbaren Wasserleitungen dicht sind. Außerdem organisieren wir die Events des Vereins.
Was sind das für Events?
Nächste Woche haben wir zum Beispiel das Osterfest, wir machen ein Sommerfest und ein St. Martinsfeuer für den benachbarten Kindergarten. In zwei Jahren wird der Verein 100 Jahre alt. Da wird es ein großes Jubiläumsfest geben.