Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Irgendwo in Lu: Holger Kaul über die BASF und wie es in der Stadt weitergeht

„Außer meiner Mutter hält mich hier nichts mehr“, sagt Holger Kaul (rechts) im Gespräch mit Volker Endres.
»Außer meiner Mutter hält mich hier nichts mehr«, sagt Holger Kaul (rechts) im Gespräch mit Volker Endres.

Irgendwo in Lu sind wir jede Woche auf der Suche nach Gesprächspartnern. Diesmal haben wir Holger Kaul getroffen. Der 53-Jährige fühlt sich hier aber nicht mehr wohl.

Herr Kaul, Sie stammen von hier?
Ich bin auf der anderen Seite der Saarlandstraße aufgewachsen. Wir haben „Herder Viertel“ dazu gesagt. Leider hat dort mittlerweile der Metzger zugemacht. Angeblich aus Personalmangel. Aber ich glaube nicht, dass das der einzige Grund war. Ich bin gespannt, was mit dem Laden jetzt passiert. Vor allem, weil sich das ja auch auf den Bäcker nebenan auswirkt.

Dort drüben befindet sich ein Großteil der Wohnungen in BASF-Besitz und soll verkauft werden. Wie ist die Stimmung?
Das stößt vielen Anilinern sauer auf. Ich selbst habe nicht bei der BASF gearbeitet, aber meine Mutter. 4400 verkaufte Wohnungen sind schon ein Wort. Vor allem, wenn rund 3000 davon ans Großkapital verkauft werden sollen.

Können Sie das Argument verstehen, dass die Wohnungsvermietung nicht zum Kerngeschäft des Chemiekonzerns BASF gehört?
Ja, das verstehe ich schon. Aber schauen Sie mal da über die Straße: Diese beiden Blocks, das sind alles Wohnungen von BASF-Mitarbeitern, die dort sicher zu einem günstigen Preis wohnen konnten. Das war ja auch ein Argument, sich für einen Arbeitgeber zu entscheiden. Ich bin häufiger in Asien unterwegs und sehe, was die BASF dort investiert. Dagegen ist das hier ein Witz. Aber Asien ist sowieso eine ganz andere Hausnummer.

Wie meinen Sie das?
Mein Eindruck ist, dass es hier in Deutschland immer schlimmer wird. Das ist kein Vergleich mehr, zum Beispiel mit den 1990er-Jahren. Nur ein Beispiel: In Asien habe ich mit dem Handy überall durchgehend 5G-Empfang. Selbst unten in den U-Bahnen. Hier in Deutschland wackelt der Empfang schon auf den Rheinbrücken. Deutschland entwickelt sich mit Sieben-Meilen-Stiefeln – allerdings rückwärts. Die Welt schaut auf uns und schüttelt nur noch den Kopf. Ein Beispiel dafür ist die Hochstraße. Die hätte man während Corona problemlos bauen können. Aber hier bewegt sich einfach nichts. Man sieht zwar überall Baustellen, aber es geht nirgends voran. Man sieht dort niemanden arbeiten.

Gibt es keine positiven Beispiele?
Das Einzige, was mir einfällt, ist, wie schnell und offenbar problemlos der Rückbau am ehemaligen Rathaus-Center funktioniert. Da müsste ich mal nachsehen. Das kann eigentlich keine deutsche Firma machen.

Was hält Sie dann noch in Deutschland und Ludwigshafen?
Mein einziger Anker hier ist meine Mutter. Sie ist schwer pflegebedürftig. Ansonsten hält mich hier nichts mehr. Sogar die medizinische Versorgung ist in Thailand mittlerweile besser. Zum Beispiel habe ich Probleme mit den Nebenhöhlen. In Deutschland sucht man noch immer nach der Ursache. In Thailand hat mir ein Arzt direkt gesagt, dass es an meiner Dreifach-Impfung gegen Corona liegt. Aber in Deutschland geht es bei der Medizin ja nicht um Gesundheit, sondern ums Geld. In Thailand wird man einfach gesund gemacht.

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