Ludwigshafen Irgendwo in Europa ausgesetzt: Ludwigshafener bricht zu Abenteuer auf

Michael Wohlfahrt vermutet, dass die Reise ins Unbekannte nach Osteuropa führen wird.
Michael Wohlfahrt vermutet, dass die Reise ins Unbekannte nach Osteuropa führen wird.

Ohne Geld, ohne Wechselklamotten und ohne Verpflegung lässt sich Michael Wohlfart irgendwo in Europa aussetzen. Aus der Ferne will er dann wieder zurück nach Ludwigshafen gelangen. Der Abenteurer hat sich etwas dabei gedacht und sammelt außerdem Geld für krebskranke Kinder.

Vor ein paar Jahren hat Michael Wohlfart auf dem Weg von Koblenz nach Ludwigshafen in seinem Auto einen Tramper mitgenommen. Dieser Mann hat den heute 32-Jährigen tief beeindruckt. Jener Tramper legte alle seine Wegstrecken zurück, indem er sich von anderen mitnehmen ließ. Sogar den täglichen Weg zur Arbeitsstelle und wieder zurück nach Hause. Michael Wohlfahrt ist bislang noch nicht getrampt. Kein einziges Mal. Aber das wird sich nun ganz sicher ändern, wenn er zum bislang größten Abenteuer seines Lebens aufbricht. Er wird dann von drei Freunden am Frankfurter Flughafen erfahren, wohin sie ihn schicken. Möglich sind alle Länder in der Europäischen Union (EU). So ist es unter den Kumpeln vereinbart. Vermutlich wird es irgendwo an die Außengrenze der EU gehen, möglichst weit weg von Deutschland. Mutmaßlich nach Osteuropa, rund 2500 Kilometer von Ludwigshafen entfernt. Von dort muss Wohlfart, der sich selbst als „Orientierungslegastheniker“ bezeichnet, wieder zurück nach Ludwigshafen finden.

Wohlfart liebt Herausforderungen

Dabei gibt es feste Regeln: Vorankommen darf er nur zu Fuß, was sehr lange dauern würde. Oder eben trampend. Dabei gibt es eine Obergrenze von 300 Kilometern täglich. „Einfach deutsche Touristen oder Lkw-Fahrer abgreifen und sich nach Deutschland kutschieren lassen, das wäre zu billig“, erklärt der Ludwigshafener. Der Mann liebt Herausforderungen. „Ich bin der Typ, der auch mal aus der Komfortzone heraus geht“, sagt Wohlfart. Vor ein paar Jahren ging es ihm darum, an möglichst vielen Tough-Mudder-Veranstaltungen, also Rennen, bei denen Hindernisse wie Eisbecken, Klettergerüste und mit Schlamm und Fett eingeriebene Rampen zu überwinden sind, teilzunehmen. Vor zwei Jahren absolvierte er einen solchen Wettbewerb mit Augenbinde. Er gelangte an seine physischen Grenzen. „Das war eine Extremsituation“, sagt er im Rückblick. Wohlfart sucht solche Situationen, weil er glaubt, dass sie ihn als Menschen weiter bringen: „Wenn man so etwas schafft, kann einen im Leben nicht mehr viel schocken.“

Er ist sich sicher, dass er es schaffen wird

Der 32-Jährige sagt, es geht ihm auch um die Vorbildfunktion, darum, anderen Menschen aufzuzeigen, dass man mehr kann, als man sich zutraut. Er wird Situationen erleben, in denen er sich fragt, warum er sich das antut. Er wird Situationen erleben, in denen er halb erfroren und hungrig Essen und Unterkunft benötigt, aber kein Geld hat. Und er wird Situationen erleben, in denen er nicht vorankommt. Aber er ist sich sicher, dass er es schaffen wird, nach Ludwigshafen zu kommen. Weil er es schaffen will: „Ich will den Leuten zeigen: Wenn der Kerl es ohne Geld und Orientierungssinn nach Ludwigshafen schafft, könnt ihr auch diese oder jene Herausforderung schaffen.“ Um dieser „eigentlich blödsinnigen Idee“ einen höheren Sinn zu verleihen, sammelt Wohlfart Geld für die Deutsche Kinderkrebsstiftung, indem Menschen, Firmen oder Personen des öffentlichen Lebens spenden. Auch die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) unterstützt die Aktion. „Ich tue damit nicht nur etwas Gutes. Ich erhöhe auch den Druck auch mich selbst. Krebskranke Kinder machen eine echt schwere Zeit durch. Da wäre es peinlich, wenn ich es nicht schaffen würde, mein Ziel zu erreichen, und aufgebe“, sagt Wohlfart. Er nimmt nichts mit, außer den Klamotten, die er trägt, und sein Smartphone. Denn über eine Homepage und die sozialen Medien will er unterwegs über seine Reise informieren.

Hoffnung auf Überlebensinstinkt

Wohlfart kann nur ahnen, was ihn erwartet: kalte Nächte im Freien, Sprachprobleme, stundenlanges Warten auf Mitnahmemöglichkeiten, schwierige Suche nach Unterkünften, Herausforderungen und Strapazen für Körper und Geist. Er versucht, sich so gut wie möglich dafür zu wappnen. Und er hofft, dass dann, wenn es losgeht, der Überlebensinstinkt greift. Noch Fragen? Weitere Informationen zu dem Abenteuer von Michael Wohlfart und Spendenmöglichkeiten gibt es im Netz: www.michael-lost-in-europe.de.

x