Ludwigshafen „Irgendwann reicht es“
Wolfgang Daum hat zeitlebens in der BASF gearbeitet und in verschiedenen Ämtern den Sportverein SV Pfingstweide geprägt. Kürzlich ist er nach 16 Jahren als Vize-Vorsitzender des SVP zurückgetreten. Im Vorruhestand war er schon zuvor. Von der gewonnenen Freizeit soll in erster Linie die Familie profitieren.
Zum Termin mit der RHEINPFALZ erscheint Daum aufgeräumt und gut gelaunt. Das ist nichts Außergewöhnliches, denn der 62-Jährige ist eigentlich immer gut drauf. Daum ist ein freundlicher, umgänglicher und eloquenter Mann. Er kann sich gut auf andere Menschen einlassen, und so dürfte es kaum Zeitgenossen geben, die mit dem ehemaligen Fußballer und Funktionär nicht klarkommen. Wenn Daum im Beruf wie im Sport etwas angepackte, dann verfuhr er nach dem Grundsatz: „Entweder mache ich es richtig oder gar nicht“. Zudem machte er es gewissenhaft und korrekt. „Da war ich auch mal ein Dippelschisser oder Korinthenkacker“, beschreibt sich Daum und lacht. „Vor meiner Zeit im Vorstand des SV Pfingstweide war ich Abteilungsleiter, Trainer und habe mich um die ,Alten Herren’ gekümmert. Doch nach so langer Zeit bin ich amtsmüde geworden, irgendwann reicht es“, erklärt Daum. Bei dem Mann, der über Jahre ein Gesicht des SVP war und viel bewegt hat, hat der Spaß nachgelassen. Im Bösen scheidet der Vorruheständler natürlich nicht, und den Verein verlassen wird er erst recht nicht. Daum steht weiter mit Rat und Tat zur Seite. Schon deswegen, weil er mit dem Vorsitzenden Reiner Berzel, mit dem er 16 Jahre lang den SV Pfingstweide führte, seit ewigen Zeiten eng befreundet ist. „Wir wollten nicht beide gleichzeitig aufhören, deshalb macht Reiner noch zwei Jahre weiter“, erläutert Daum. Im Hintergrund helfen und montags im Clubhaus den Stammtisch besuchen, so wird seine Zukunft beim SVP aussehen. Der Vereinsmanager war federführend daran beteiligt, dass sein Klub 2008 auf seinem herrlich gelegenen Gelände einen Kunstrasenplatz bekam. „Dazu haben wir die Flutlichtanlage verbessert. Das Spielfeld ist immer noch in einem Top-Zustand, obwohl es fast täglich bespielt und im Winter auch an andere Vereine vermietet wird“, berichtet Daum. Die deutlich aufgewertete Infrastruktur ist ein Meilenstein für den SV Pfingstweide, auch wenn der Zulauf etwas nachgelassen hat. Alle Altersklassen der Jugend sind in einer Spielgemeinschaft mit den VT Frankenthal besetzt, es gibt eine erste Mannschaft und die Alten Herren. Daums organisatorisches Talent war entscheidend dafür, dass er sich beruflich verändert hat. Der gelernte Chemielaborant arbeitete zunächst 24 Jahre in der Kunststoffforschung der BASF und betreute verschiedene Projekte. 1994 wurde eine Stelle im Sportreferat des Konzerns frei. „Neben dem Planen und Organisieren war ein Bezug zum Sport gefordert“, erinnert sich Daum. Er bewarb sich und bekam den Job, den er bis 2015 mit viel Leidenschaft, Enthusiasmus und Erfolg ausübte. Der Pfingstweider gehörte dem Gremium an, das dafür sorgte, dass die Stadtmeisterschaft im Hallenfußball nach dem Ausstieg der Sparkasse weitergeführt wurde. Er knüpfte Kontakte zu einem Hersteller für Kunstrasen, auf dem seit vielen Jahren in der Eberthalle gekickt wird, und half mit, eine neue Bande für das Turnier zu besorgen. Daum organisierte BASF-Fußballturniere und andere Veranstaltungen, kam mit Größen des Sports und der Unterhaltungsbrache in Berührung. „Ein Traumjob mit vielen tollen Kollegen“, verdeutlicht Daum. Die Verabschiedung in den Vorruhestand im Casino sei ein bewegender Moment gewesen. Dass er schon 2015 ging, nennt Daum einen perfekten Absprung. Weil die Verantwortung und damit eine Last abgefallen ist. Vielleicht auch deswegen, weil er 2008 und 2013 jeweils einen Herzinfarkt bekam, aber immer rechtzeitig in die Klinik gebracht wurde. „Ich bin wieder fit“, betont der 62-Jährige, der zwar lebenslang Medikamente nehmen muss, aber dem Sport treu geblieben ist. Zum Ausgleich fährt er Rad, meist mit Freunden in die Pfalz, hat aber immer die Pulsuhr dabei. „Jahrelang habe ich bei Urlauben auf Geschäftstermine und den Fußball Rücksicht genommen. Darunter hat die Familie gelitten“, sagt Daum, der eine Tochter hat. Jetzt ist er mit Ehefrau Angelika viel auf Achse, bevorzugt beim Wandern. Seine Frau hat ihm auch das Skifahren schmackhaft gemacht. Jedes Jahr eröffnet Daum inzwischen mit einigen Freunden Ende November in Sölden die Ski-Saison. „Am Nikolaustag sind wir aber wieder zu Hause, weil wir fast alle Großväter sind“, sagt er lachend. Er selbst hat eine siebenjährige Enkelin. Der in der Gartenstadt aufgewachsene Sportler wohnt inzwischen seit 41 Jahren in der Pfingstweide und fühlt sich im Norden der Stadt sehr wohl. Schwierig ist es nur, wenn er einkaufen geht. „Da treffe ich Gott und die Welt und komme oft später heim als geplant“, sagt Daum. Mit dem Mann, der immer gut drauf, freundlich und umgänglich ist, hält eben jeder gerne ein Schwätzchen.