Ludwigshafen Interview mit dem Ortsvorsteher: „Die Verunsicherung in der Bevölkerung steigt“

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Zwei Jahre nach der Gasexplosion in Edigheim mit zwei Todesopfern ist Ortsvorsteher Udo Scheuermann (71, SPD) erneut als „Krisenmanager“ gefragt. Wir haben ihn gestern kurz nach dem BASF-Unglück in seinem Haus im Oppauer Ostring besucht. Vom Bürofenster aus blickte er direkt auf die Rauchsäule über dem Landeshafen. Viele besorgte Anwohner meldeten sich telefonisch bei Scheuermann.

Herr Scheuermann, wann hat Sie die Unglücksnachricht erreicht?

Als ich im Rathaus war. Ich hörte einen dumpfen Knall. Im ersten Moment habe ich mir nichts dabei gedacht, doch dann habe ich die dunkle Rauchfahne gesehen. Das war gegen 11.30 Uhr. Da wusste ich, dass etwas Schlimmeres passiert ist. Ich bin gleich in Richtung der Rauchwolke losgefahren, kam aber nicht durch, weil schon alles abgesperrt war. Da hatte sich bereits eine riesige Lkw-Schlange vor dem BASF-Kombiverkehrsterminal gebildet. Und danach? Danach bin ich nach Hause gefahren und habe mir am PC die Erstmeldungen von der BASF-Presseabteilung über die aktuelle Lage angeschaut. Dieses Unglück fällt ziemlich genau auf den zweiten Jahrestag der Gasexplosion. Weckt das Erinnerungen? Ja, klar. Was damals passiert ist, haftet mir immer noch im Gedächtnis. Wobei das damalige Unglück wegen der vielen Betroffenen in einem Wohngebiet eine Nummer schlimmer war – ohne die jetzige Explosion verharmlosen zu wollen. Haben sich verunsicherte Menschen direkt bei Ihnen gemeldet? Das Telefon stand nicht still. „Was ist denn da los? Wir sehen die Rauchwolke. Was ist passiert?“ Das waren die häufigsten Fragen. Dann sind ja noch im ganzen Stadtgebiet die Sirenen losgegangen. Aber das war begründet, weil nicht absehbar war, wohin sich die Rauchfahne bewegt. Der Hinweis, Fenster und Türen zu schließen und die Häuser nicht zu verlassen, war daher gerechtfertigt. Zumal unklar war, welche Substanz bei der Explosion entwichen ist. Welche Vorkehrungen wurden im Norden der Stadt getroffen? In Edigheim und in der Pfingstweide sind die beiden Kitas mit rund 200 Kindern sicherheitshalber geschlossen worden. Weil zum Glück noch Herbstferien sind, waren die Schulen kein Problem. Ansonsten greift bei einem solchen Störfall ein ausgereiftes Konzept. Das bezieht uns Ortsvorsteher ausdrücklich mit ein. Als politisch Verantwortliche geht es uns in erster Linie um die Sicherheit der Bevölkerung. Gutes Stichwort: In den vergangenen Wochen stand die BASF wegen zahlreicher Betriebsstörungen in der öffentlichen Kritik – mit der Explosion im Landeshafen Nord wächst die Verunsicherung vermutlich weiter. Da muss man eine Unterscheidung treffen: Leute wie ich, die hier schon seit Jahrzehnten wohnen, sehen das gelassener. Die wissen um die Gefahren und kommen damit zurecht. Wenn der Steamcracker angeworfen wird, wackeln unter Umständen auch bei mir die Gläser im Schrank. Und die neu Zugezogenen? Menschen, die kürzlich hierhergezogen sind, reagieren sehr ängstlich. Bei nächtlichen Betriebsstörungen war der Sirenenalarm im BASF-Werk zuletzt ungewöhnlich lange zu hören, manchmal 20 bis 30 Minuten. Das hat für Unruhe gesorgt. Erst vergangene Woche habe ich deshalb mit der BASF Gespräche geführt und darum gebeten, die Alarmzeit auf das Notwendigste zu beschränken. Mir ist zugesagt worden, dass darauf geachtet wird. Die Werkfeuerwehr sei entsprechend instruiert worden. Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl. In letzter Zeit höre ich immer wieder aus der Bevölkerung, dass die Verunsicherung steigt. Es vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht irgendeine Panne bei der BASF bekannt wird. Wie gehen Sie jetzt damit um? Ich werde den Vorfall zum Anlass nehmen, um mich mit der BASF erneut in Verbindung zu setzen und wegen der Häufung der Betriebsstörungen nachzuhaken. Das ist schon eine unglückliche Serie, die die BASF seit Monaten trifft. Die Frage ist nun, was man dagegen tun kann. Die Diskussion, ob eine Wohnbebauung so nah an einem risikoreichen Industriestandort zu verantworten ist, dürfte nun wieder aufflammen. Die Diskussion ist eigentlich schon im Gange. Es gibt den sogenannten Seveso-Paragrafen, demzufolge gewisse Abstände zu einem Industriekomplex einzuhalten sind. Würde man den Paragrafen ernst nehmen, dann müsste man Oppau im Prinzip vom Ortsrand bis zur Hauptstraße abreißen. Mit Blick auf die Bebauung am Ortsrand von Oppau gibt es da jetzt schon Einschränkungen. Ein solches Industrieareal vor der Haustür hat seine Risiken. Das ist so gewachsen. Damit muss man jetzt leben.

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