Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Inoffizieller EM-Song aus der Kurpfalz

Mit Dialekt und Humor: Mundart-Liedermacher Gringo Mayer.
Mit Dialekt und Humor: Mundart-Liedermacher Gringo Mayer.

Erinnern Sie sich an die WM-Hymnen aus den 1970ern und 80ern? Die Stimmung, die Frisuren? Der Ludwigshafener Mundart-Liedermacher Gringo Mayer hat diese Tradition jetzt wieder aufleben lassen. Im Video zu seinem inoffiziellen EM-Song „Gibt’s do net“ geht er dem runden Leder ans Leder. Mit dem Filmteam ist Mayer dabei ein Coup gelungen.

Es gibt wirklich gute und kreative Leute bei uns in der Region“, bemerkt Gringo Mayer, der sich per Handy von seinem täglichen Corona-Spaziergang meldet, um von seinem neuen EM-Song und dem Videodreh dazu zu erzählen. Zu den kreativen der Region zählt er schon länger, bereits mit seiner Band Die Felsen feierte er vor Jahren veritable Erfolge. Als Gringo Mayer mit Band knüpft er zunächst daran an, bis vor knapp zwei Jahren für den gebürtigen Ludwigshafener der musikalische Wendepunkt kommt: Er setzt fortan auf Dialekt. Mundart-Liedermacher trifft wohl den Kern. Wer den Ludwigshafener kennt, weiß um sein kreatives Potenzial und seinen Kurpfälzer Humor.

Beim aktuellen Song „Gibt’s do net“ geht es dem runden Leder ans Leder und Gringo Mayer wirft einen kritischen Blick auf das Branchengeschehen. Die Floskel „Gibt’s do net“ ist allgegenwärtig „uff de Gass“, wie Mayer bemerkt. Der Song über Fußball ist einfach so passiert, weil die Floskel hier besonders greift. Da gerade EM-Jahr ist, hat sich der Wahl-Mannheimer gedacht: „Es ist eine Art inoffizieller EM-Song aus der Kurpfalz.“

An dieser Stelle finden Sie ein Video via YouTube.

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Verärgert über WM in Katar

Mit dem Fußball ist das für ihn so eine Sache. Fußball ja, doch was ist daraus geworden? Im Song setzt er dazu klare Statements, wenn es heißt: „Was hot der uffm Konto? Ihr seid alle überbewertet.“ Um dann im Refrain immer wieder zu beteuern: „Machn noi, des kann doch net so schwer soi.“ Man sieht vor seinem geistigen Auge unmittelbar den Fußballbegeisterten im Stadion oder vor dem TV sich echauffieren.

Ein Ärgernis für Mayer ist die WM in Katar im kommenden Jahr. „6000 Menschen haben dort für den Stadionbau ihr Leben gelassen. Moderne Sklaverei für Stadien, die nur einmal gebraucht werden.“ Mit seinem EM-Dialekt-Song möchte er auf humorvolle Weise zum Nachdenken anregen. Wie könnte dazu ein passendes Musik-Video aussehen? Herausgekommen ist eine lustig-verklärte Rückschau auf längst vergangene Tage, als die Welt noch ein bisschen heiler wirkte und WM-Songs live in Dieter Thomas Hecks „Hitparade“ präsentiert wurden.

Herzensprojekt für alle Beteiligten

Die Idee dazu stammt von dem regionalen Filmemacher Mario Conte, der unter anderem mit „Kings of Kallstadt“ Erfolge feierte und beim neuen Gringo-Mayer-Song nun auch das Drehbuch beisteuerte und Regie führte. Mit dem Film-Team ist Mayer überhaupt ein Coup gelungen. Derzeit ist die Musik noch ein teures Hobby, gerade wenn es an Albumproduktion oder Videodreh geht. Dass er dieses Mal ein solch hochkarätiges Team gewinnen und mit einem knapp 25-Mann starken Team agieren konnte ist ein Glückswurf. Wie sich herausstellt, ist es ein Herzensprojekt für alle Beteiligten. Auch wenn die ganze Produktion einem selbstständig agierenden Künstler-Kollektiv gleicht und ein Zahnrad ins andere greift, steuert Gerry Brosius das Ganze ein wenig.

Der gebürtige Ludwigshafener ist seit zwei Dekaden im Geschäft, er ist Filmemacher und Unternehmer aus der Region mit Stützpunkten in Mannheim und Neustadt. „Die Art wie Gringo gesellschaftliche Themen aufrollt, finde ich spannend“, sagt Brosius. Als Art Förderprojekt sieht der Filmemacher, der sonst im Dienste namhafter Firmen steht, den Dreh, denn Gringo Mayer sei einfach förderungswürdig. Und: „Ich feiere die Musiker in Mundart. Sie sind wichtig für unser kulturelles Gut“, fügt er beim Handy-Gespräch am Vorabend des Videodrehs noch an.

„Nie den Humor verlieren“

Der Dreh selbst sei stressig gewesen, aber auch beglückend, wie alle Parteien versichern. „Es lief wie am Schnürchen“, zieht Mayer ein höchst zufriedenes Fazit, auch wenn die Vorzeichen zunächst auf Sturm standen. „So etwas gab es in 20 Jahren nicht“, beschreibt Brosius des Filmemachers größtes Horrorszenario: Drehortabsage einen Tag vor Drehbeginn. Die Verantwortlichen der Felina, der ursprüngliche Drehort, stellten sich mit überzogenen Corona-Auflagen, entgegen vorheriger Absprachen, kurzfristig quer. Ersatz musste her und war mit dem Tram-Center der RNV auch schnell gefunden.

„Ich war begeistert, als ich das Set sah. Großartig, mit Schattenrissen von Rudi Carrell und Peter Alexander“, schwärmt Mayer. Und was erwartet den Zuschauer noch? Eine fröhlich-verpeilte Nationalmannschaft, einen gelangweilten Moderator (Stefan Hillebrand), ein Blumenmädchen und einen überspannten Aufnahmeleiter. Und mittendrin Gringo Mayer mit schlageresker Unschuldsmimik. „Den Humor sollten wir nie verlieren“, sagt er dazu grinsend. Das Album dazu erscheint im Herbst – in Kurpfälzer Dialekt versteht sich.

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