Motorsport RHEINPFALZ Plus Artikel Infiziert mit der Rallye-Leidenschaft

Gert Raschig mit seinem Motorrad unterwegs im Fahrerlager.
Gert Raschig mit seinem Motorrad unterwegs im Fahrerlager.

Zweimal musste der Auto- und Motorrad-Club (AMC) Ludwigshafen in den vergangenen beiden Jahren die Jubiläumsfeier zu seinem 100-jährigen Bestehen wegen der Corona-Pandemie absagen – nun will er einen dritten Versuch wagen.

„Wir wollen in kleinerem Rahmen als ursprünglich vorgesehen diesen runden Geburtstag des Vereins im ehemaligen Europahotel feiern“, sagte der seit mehr als 30 Jahren amtierende AMC-Sportleiter Werner Mayer. Der am 28. Juli 1920 gegründete Automobil- und Motorradclub Ludwigshafen hat schon bessere Zeiten erlebt: Zur Zeit gehören dem Sportverein nur noch 65 Mitglieder an.

Doch sie können nach dann 102 Jahren eine ruhmvolle Vereinsgeschichte feiern, die in Deutschland Seltenheitswert hat: Der AMC Ludwigshafen stellte zwischen 1961 und 1983 acht deutsche Meister und einen Europameister im Auto-Rallyesport, organisierte zwischen 1962 und 1986 zum Teil spektakuläre internationale Rallyes durch den nächtlichen Pfälzerwald und stellte bei acht Oldtimer-Fahrten auf den Spuren der Rallyestars durch die Vorderpfalz und den Pfälzerwald der Öffentlichkeit Auto- und Motorrad-Veteranen aus längst vergangenen Zeiten vor. Mayer: „Die nationalen und internationalen Rallyestars von einst waren alle irgendwann einmal bei uns am Start.“

Die Rallye-Leidenschaft packte die Ludwigshafener Motorsportler vor über sechs Jahrzehnten, als 1961 Fritz Bohrmann deutscher Tourenwagen-Meister wurde. Der heute 95-Jährige sorgte mit seinem Meistertitel gewissermaßen für die Initialzündung, denn schon ein Jahr später wurden auch Helmut Bein und Gert Raschig, die ein Jahr zuvor bereits Zweite im ONS-Pokal waren, gemeinsam deutsche Tourenwagen-Meister. Für Bein wurde der Motorrennsport zum Beruf: Der Mundenheimer stieg später bei Opel in Rüsselsheim als langjähriger Sportleiter ein – Raschig war an sein Elternhaus und die Chemische Fabrik in Ludwigshafen gebunden.

Bein wiederholte noch zweimal – 1967 und 1970 – seinen Sieg bei der deutschen Rallyemeisterschaft, nachdem auch Raschig 1968 zusammen mit Wulf Biebinger ein zweites Mal als deutscher Rallyemeister heimkehrte. 1977 folgte für den AMC Ludwigshafen DM-Titel Nummer sechs durch Ludwig Kuhn und Klaus Hopfe, ehe der damals in Neuhofen wohnende Gunter Wanger noch einen draufsetzte und sogar Rallye-Europameister wurde. Sein zweiter DM-Titel 1983 war die Nummer acht für seinen Verein – und das Ende dieser beeindruckenden Serie.

Ab 1962 auch Rallye-Veranstalter

Doch wer einmal Rallyeluft geschnuppert hat, ist verloren. So war es kein Wunder, dass 1962 Helmut Bein und Fritz Bohrmann mit einem zusammengebettelten Startkapital von 800 Mark als Rallye-Veranstalter in Erscheinung traten. 40 Teilnehmer starteten bei dieser ersten Wertungs-Orientierungsfahrt mit einem Nenngeld von jeweils 30 Mark. Die Veranstaltung hieß bescheiden „Wertungsfahrt“ – für den Begriff „Rallye“ war der Oberen Nationalen Sportkommission (ONS) die Teilnehmerzahl noch zu gering.

Das änderte sich schnell – ein Jahr später waren schon 70 Fahrzeuge am Start. 1964 gab es erstmals Wertungspunkte für den ONS-Pokal für Sonderfahrzeuge – das waren 38 DKW-Jeeps mit 164 Fahrern. Ein weiteres Jahr später übernahm Raschig als Sportleiter die Organisation und sorgte mit einer anspruchsvollen Streckenführung für Wirbel: Von 144 Startern kamen nur 77 ins Ziel. Ab 1969 wurde die Wertungsfahrt international – ab 1970 gab es vier Sonderprüfungen unter anderem zur Kalmit und nach Waldleiningen. Dort galt die 17 Kilometer lange Waldstrecke mit 165 Kurven als „Königsetappe“ – auch für den späteren Formel-1-Star Jochen Mass.

Rallye Vorderpfalz wird zu einem Klassiker

Die Rallye Vorderpfalz als regelmäßiger Lauf zur deutschen Rallye-Meisterschaft wurde zu einem Klassiker. Weltklassefahrer wie die jeweils dreimaligen Sieger Walter Röhrl und Jochen Berger, die Monte-Carlo-Fahrer Bernard Darniche/Alain Mahé oder Kalle Grundel (Schweden) gaben sich in der Pfalz ein Stelldichein. Als 1986 nach 25 Rallye-Jahren das Aus kam, gab es noch einmal ein echtes Highlight: Siegerin wurde die Französin Michele Mouton mit dem Engländer Terry Harrymann als Beifahrer.

Die Internationale Rallye Vorderpfalz war damit Geschichte – aber nicht vergessen. Von 2002 bis 2009 organisierte der AMC gewissermaßen „zur Erinnerung“ die „Vorderpfalz-Classic“, eine Oldtimerfahrt mit Gleichmäßigkeitsprüfungen. Hier setzten sich einige „Helden von einst“ in ihre Veteranenfahrzeuge und fuhren noch einmal die Strecke von früher ab. Da waren dann Walter Röhrl, Walter Smolej, Klaus Fritzinger, Kalle Grundel, Jochi Kleint, Ludwig Kuhn, Jochen Berger, Gunter Wanger oder Christoph Mehmel noch einmal am Start – wie zu ihren besten Zeiten.

Helmut Bein, Michele Mouton und Gert Raschig (von links).
Helmut Bein, Michele Mouton und Gert Raschig (von links).
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