Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel In der Kirche geimpft

Die Kirchenbänke wurden weggeräumt, in den Zelten (hinten) sind 61 Spritzen verabreicht worden.
Die Kirchenbänke wurden weggeräumt, in den Zelten (hinten) sind 61 Spritzen verabreicht worden.

Im Stadtteil West hat am Samstag eine ungewöhnliche Impfaktion stattgefunden. Die Matthäuskirche wurde zum Impfzentrum umgewandelt. Das unkomplizierte Angebot sollte Anwohner im sozialen Brennpunkt erreichen. 61 Leute sind gekommen.

Die Impfaktion fand in Zusammenarbeit mit dem Impfbus des Landes statt. Geimpft wurde von 9 bis 17 Uhr in der Matthäuskirche der Protestantischen Jonakirchengemeinde. Der unkomplizierte Zugang im vertrauten Terrain hat dafür gesorgt, dass auch einige Bewohner der Bayreuther Straße vorbeigekommen sind.

Am 6. Januar war der Impfbus des Landes das erste Mal in West. Damals haben sich um die 30 Leute zum ersten Mal impfen lassen. „Wir wollten ihnen ein einfaches Angebot für die Zweitimpfung machen“, sagt Pfarrerin Kerstin Bartels von der Jonagemeinde. Zusammen mit der Interessengemeinschaft (IG) West hat sie die Aktion am Samstag organisiert.

Kirchenraum umgewandelt

Den achteckigen Kirchenraum der Matthäuskirche aus den 1960er Jahren haben die Helfer in ein kleines Impfzentrum verwandelt. Nach dem Eingang sind statt der Bänken einige Tische aufgebaut worden, an denen die Ehrenamtlichen vom Deutschen Roten Kreuz sitzen, um die bürokratischen Formalitäten zu erledigen. An weiteren Tischen warten Ärzte auf impfwillige Kundschaft. Hinter Trennwänden ist in einer Ecke die „Apotheke“ versteckt. An der linken Seite des Kirchenraums dienen zwei Zelte als Impfkabinen, in denen der „Pieks“ diskret stattfindet.

„Diese Kirche ist ein lebendiger Ort und bietet viele Möglichkeiten“, sagt Pfarrerin Bartels und verweist auf die Nutzung für unterschiedliche Zwecke. Am Nachmittag herrscht entspannte Atmosphäre, Wartezeiten gibt es keine. Nach und nach trudeln einzelne Impfwillige ein. Am Ende des Tages hat Teamleiterin Michelle Klotz vom DRK Vorderpfalz 61 Impfungen gezählt. Die große Mehrzahl waren Zweit- und Drittimpfungen. Drei Personen haben zum ersten Mal eine Spritze mit einem der wählbaren mRNA-Impfstoffe von Biontech oder Moderna erhalten. Auch zwei vierte Impfungen gab es.

Jede Impfung zählt

„Für uns zählt jeder, der sich impfen lässt“, zeigt sich Klotz von der Nachfrage keineswegs enttäuscht. Den nachlassenden Trend gebe es überall, sagt sie. „Die Leute sind überhaupt nicht informiert über die Zeiträume, die zwischen den einzelnen Impfungen liegen müssen“, hat sie festgestellt. So hätte einige, die zum „boostern“ gekommen waren, wieder gehen müssen, weil sie zu früh dran waren. Andere hätten nach Novavax gefragt. Doch wann das DRK diesen neuen Impfstoff bekommen werde, wisse sie nicht. „Wir hoffen, dass das noch mal einen kleinen Schub gibt“, sagt die junge Frau.

Immer wieder kommen Einzelne und auch Familien zum Impfen herein. „Ich bin spontan zum Boostern aus Friesenheim hergefahren. Damit spare ich mir den Termin beim Hausarzt“, erzählt der 31-jährige Philipp Stein. „Das ist meine zweite Impfung, ich wohne in West“, sagt die 48-jährige Bianca Novak. Sie freut sich über die unkomplizierte Gelegenheit. Das erste Mal im Dezember an der Hochschule habe sie wegen dem Andrang vier Stunden warten müssen.

Oft nicht informiert

Neben der Termin-Info im Netz sei im Stadtteil vor allem per Mundpropaganda für die Impfaktion geworben worden, dazu mit Aushängen in Geschäften und Teststationen, berichtet Andreas Bauer von der IG West, der das Ganze mitorganisiert hat. „Um möglichst viele aus dem Stadtteil und der nahgelegenen Bayreuther Straße zum Kommen zu bewegen, wollten wir ein möglichst niederschwelliges Angebot machen“, betont er. Manche Bewohner hätten Scheu, sprächen nicht gut Deutsch oder könnten nicht gut lesen und schreiben. „Viele haben keine großen Vorbehalte gegen das Impfen, sondern sind einfach nur schlecht informiert“, hat er bemerkt.

„Es waren ein paar Obdachlose und Leute aus der Bayreuther Straße da“, bestätigt Kirchendiener Thomas Wolf. Die Kontakte seien bei der Essensausgabe an der Apostelkirche hergestellt worden. „Wir haben die dort angesprochen, doch zur Impfaktion zu kommen“, erzählt Wolf. Bei manchen habe es geklappt. Als große Hürde sieht auch er die Sprachbarriere. Ein 16-jähriger türkischer Junge, der hier in die Schule geht, habe seine sechsköpfige Familie mitgebracht, die kein Deutsch kann, nennt er ein Beispiel. Noch immer gebe es im Quartier Bedarf. Und so wird dies nicht die letzte Aktion in West gewesen sein.

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