Ludwigshafen Immer Ärger mit dem „Kästchen“

Alles eine Frage der Einstellung – Senioren im Internet.
Alles eine Frage der Einstellung – Senioren im Internet.

Fürs World Wide Web ist niemand zu alt. Das versicherte jüngst Thomas Kraichgauer, der in der Volkshochschule Senioren Computer, Internet, Tablet und Smartphone näher bringt. Und in der Tat ist es eine Frage des Interesses. Bestes Beispiel ist meine Tante, die unbedingt auch ins Internet wollte. Denn: Vor noch nicht allzu langer Zeit begannen viele Anrufe von ihr mit diesem Satz: „Kindlein, kannst Du mal was in Deinem Kästchen nachschauen?“ Gefolgt von Fragen wie: „Wo und wann genau startet die Demo gegen Rechts – ich geh da mit“. Zur Erklärung: Meine Tante ist gerade 80 geworden, war aber schon immer unkonventionell. Ich, das Kindlein, bin längst schon aus dem Alter herausgewachsen, das noch die Endung „-lein“ rechtfertigen würde. Und das Kästchen ist mein Tablet-PC, der Zugang zum Internet und damit zu unbegrenzten Informationen hat. Vor einiger Zeit begann dann meine Tante mit dem Gedanken zu spielen, sich einen Internetzugang zuzulegen. Also wurde ich beauftragt, „ein Tablet mit einem Google drauf“ zu besorgen. Nun wohnt meine Tante nicht um die Ecke, sondern 250 Kilometer entfernt. Der Auftrag an sie, WLan installieren zu lassen, ging nach hinten los. Ihr Telefonanbieter wollte ihr natürlich das Rundum-Sorglos Paket mit teurem Luxus-Router für einen horrenden Preis anbieten. Also habe ich ein Tablet mit SIM-Karte besorgt. Die Geschichte, wie ich endlich auch noch einen passenden Vertrag dazu bekommen habe, treibt jetzt noch meinen Blutdruck nach oben und würde Stoff für mehrere Kolumnen liefern. Die Feuerprobe stand bevor: Ich reiste mit eben jenem „Kästchen“, natürlich mit Google drauf, zu meiner Tante, die zwar mal einen technischen Beruf ausgeübt, aber noch nie einen Computer bedient hat. Ich war verblüfft, wie unverkrampft sie an die Sache ging. Nun stammt sie ja aus der Generation, die noch mechanische Schreibmaschinen benutzt hatte, und hat das zunächst mal auch so mit dem „Kästchen“ gemacht. Wir haben ein bisschen Fingerspitzengefühl geübt und zusammen die „Okay Google“-Sprachsuche entdeckt. Mit „Okay Google! Wo bitte sind die Öffnungszeiten für die Nova Cantina hinterlegt“, damit konnte das „Kästchen“ nicht so viel anfangen. Man braucht für das Gerät zwar einerseits Fingerspitzengefühl, darf aber bloß keine höflichen Fragen stellen, war die Erkenntnis. Aber im Großen und Ganzen hat es geklappt, denn meine Tante kennt die wichtigsten Tasten: die Zurück-Taste und die Taste, mit der man zum Startbildschirm zurückkommt. Die Spiele hat sie auch schon entdeckt und die Wettervorhersage nutzt sie regelmäßig. Aber hin und wieder sind meine Tante und das „Kästchen“ nicht ganz einer Meinung. Ihre Anrufe beginnen dann mit: „Kindlein, das Kästchen ärgert mich.“ Die Kolumne Einmal im Monat macht sich die Marktplatz-Redaktion – nicht immer ganz ernst gemeint – Gedanken über das Leben und die Liebe. Was gefällt und was nicht, finden wir, ist „Ansichtssache“.

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