Ludwigshafen Im Keller aufbewahrter Schatz
«Dannstadt-Schauernheim.» Mit dem Murmelspiel verbindet Wolfgang Kälin aus Dannstadt-Schauernheim bis heute schöne Kindheitserinnerungen. Auch er hat sich auf den Aufruf für die „Marktplatz regional“-Serie gemeldet und seinen seit fast 79 Jahren gehüteten Schatz aus dem Keller geholt. Während der Kriegsjahre waren es die einfachen Dinge, mit denen er und seine Freunde sich die Zeit vertrieben haben. „Die Murmeln habe ich im Alter von drei oder vier Jahren von meinem Vater geschenkt bekommen“, erinnert sich Kälin, der am Montag 82 Jahre alt geworden ist. Er sei begeistert gewesen, weiß er noch. „Die waren damals sehr begehrt.“ Woher sein Vater sie zu Kriegsbeginn beschaffen konnte, kann Kälin nicht sagen. Aber an jeder Ecke habe es sie sicherlich nicht gegeben. Gern erinnert er sich daran, wie er mit den anderen Kindern auf Löcher im Sandboden vor den Hauswänden gezielt hat. „Wer gewonnen hat, hat eine Glaskugel von einem anderen bekommen“, sagt er und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Ich habe etliche dazugewonnen.“ Genau 80 Murmeln hat er bis heute aufbewahrt, darunter die klassischen transparenten Murmeln mit buntem Kern, viele gemaserte und auch eine mit einer schimmernden Oberfläche. Am wertvollsten seien jedoch die großen Murmeln gewesen, sagt Kälin. „Davon gab es nicht so viele.“ In seiner Sammlung finden sich jedoch einige davon. Die Murmeln seien ihm immer zu schade gewesen, um sie wegzuschmeißen. Deswegen liegen sie in einer Schale, die ein Bild des Matterhorns ziert. Und er verrät, dass auch dieses eine besondere Bedeutung hat. Denn obwohl Wolfgang Kälin in Dannstadt-Schauernheim geboren und aufgewachsen ist, ist er Schweizer. Sein Großvater sei aus der Schweiz nach Deutschland gekommen, und die Staatsangehörigkeit bleibe den Nachkommen erhalten. Für Kälin war es in den Nachkriegszeiten ein Vorteil, denn er durfte mehrmals zur Erholung in das Nachbarland reisen. Neben dem Murmelspiel kann sich der 82-Jährige noch an ein weiteres Spiel erinnern, für das er und seine Freunde früher nicht viel benötigten: Mit Feilen ohne Griff hatten sich die Kinder ein Wurfspiel überlegt, bei dem die Feilen zwischen den Pflastersteinen und schließlich innerhalb von verschieden großen Ringen stecken bleiben mussten. „Wenn die Feile abgebrochen war, hat man sie heimlich wieder in die Werkstatt zurückgelegt“, erzählt Kälin. Sonst hätte es Ärger gegeben. Viele Spielsachen hätte er damals nicht gehabt, berichtet er. Allerdings ohne Bedauern. „Heute hat man die Handys. Da wird nur noch gedrückt.“ Gerne würde er seinen vier Enkeln die Murmeln schenken, doch er bezweifelt, dass diese noch damit spielen würden. Zumal auch die Jüngste bereits zwölf Jahre alt ist, die drei Jungen sind zwischen 18 und 24 Jahren alt. Doch der Dannstadter möchte die Glaskugeln dennoch aufheben – vielleicht werden sich ja eines Tages die Urenkel darüber freuen. Kälin selbst hat mit dem Murmelspiel aufgehört, als die Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg langsam besser wurden. „Da hat es dann andere Sachen gegeben“, erzählt er. Die Erinnerungen an dieses einfache und dennoch spannende Kinderspiel möchte er jedoch nicht missen.