Ludwigshafen Im Iglu geht es laut und lustig zu

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Seit zwei Jahren gibt es in Friesenheim eine ganz besondere Wohngemeinschaft: Zehn Menschen zwischen 29 und 49 Jahren wohnen hier zusammen auf 300 Quadratmetern. Vier davon sind körperlich oder geistig behindert. Das Projekt nennt sich inklusive Wohngemeinschaft (IGLU). Für diesen Brückenschlag zwischen Nichtbehinderten und Behinderten gab’s Anfang Dezember den „Brückenpreis“ von Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

In der Wohngemeinschaft IGLU in der Hohenzollernstraße geht es laut und lustig zu. In der Ecke steht ein geschmückter Weihnachtsbaum. Auf dem Adventskranz brennen Kerzen und auf dem Tisch liegt ein Memory-Spiel. Es ist 17 Uhr an einem Werktag. Die Wohnung füllt sich langsam, manche Bewohner kommen von der Arbeit, aufgekratzt der eine, hektisch die andere, einer hat schon Kaffee aufgesetzt, eine Bewohnerin lauscht noch den Gitarrenklängen des Sozialarbeiters. Dann setzen sich alle an den großen Holztisch und klönen über einer dampfenden Tasse. Eigentlich wie in jeder anderen Wohngemeinschaft auch. Felix ist Mitbewohner der erste Stunde: „Es war purer Zufall, dass ich hier gelandet bin.“ Der Kasseler suchte für sein Praktikum bei der BASF ursprünglich für ein halbes Jahr ein Zimmer in Ludwigshafen. Er wurde aufgenommen und blieb bis heute. Das ist nun schon über zwei Jahre her. In der inklusiven Wohngemeinschaft wohnen zehn Menschen zwischen 29 und 49 Jahren zusammen. Vier davon sind behindert. Felix hatte vor dem Einzug noch keine Erfahrungen mit behinderten Menschen gemacht. Er nahm an dem Kennenlernwochenende teil, damals ging er durch die leeren Räume noch im Rohbau und lernte dabei auch seine potenziellen Mitbewohner kennen. „Das hat einfach gepasst. Ich bin hier eingezogen und habe mich sofort wohlgefühlt.“ Jeder der Bewohner hat hier seinen eigenen Tagesablauf, manche studieren, die anderen gehen arbeiten. Wie zum Beispiel Dominik. Der 25-Jährige hat gerade bei einem Düngemittel-Betrieb in Mundenheim einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen und ist darauf sehr stolz. Noch stolzer aber ist er darüber, dass „alle Bewohner damals dafür waren, dass ich hier einziehe.“ Denn wer aufgenommen wird, in diese besondere WG, entscheiden die Bewohner selbst. Die mit einer Behinderung haben zwei Stimmen und die ohne eine. Einmal in der Woche geht Dominik nun mit Mitbewohnerin Melanie tanzen in den Tausendfüßler-Club, einem Tanzangebot für Menschen mit und ohne Behinderung. „Ein Tanzlehrer steht vorne und macht die Schritte vor und wir machen die dann einfach nach.“ Dominik ist auch ein guter Koch. Auf die Frage, was er besonders gut kochen kann, ruft es vielstimmig im Chor: „Spinatlasagne“ . Da sind sich die Bewohner einig. Ebenso bei der Auswahl der neuen Couch fürs Wohnzimmer. Die Gemeinschaft bekommt immer wieder Spenden von verschiedenen Einrichtungen, die sie gut gebrauchen kann. Und so haben sie jetzt eine riesige Eck-Couch, auf der alle Bewohner gleichzeitig sitzen können. „Und viele Preise haben wir auch schon bekommen“, erzählt Dominik. Der neueste steht oben auf dem Wohnzimmerschrank und ist der Brückenpreis, den die WG von Malu Dreyer bekommen hat. Neben Urkunde und Pokal gab es auch dazu einen Geldpreis, der in eine neue Kaffeemaschine investiert wurde. Manche der vier Bewohner benötigen täglich eine Assistenz, um den Alltag zu bewerkstelligen. Auch die fast 30-jährige Melanie. Die Eltern wollten ihrer Tochter nach deren Erkrankung und darauf folgenden Behinderung ein möglichst normales Leben ermöglichen und haben sich für die integrative Wohngemeinschaft stark gemacht – gegen alle möglichen Bedenken und Widerstände hinweg. Dass es funktioniert, ist für alle eine Bestätigung. Und Melanie profitiert davon, dass sie nun unter Gleichaltrigen lebt. Da kommt Jonas Frey mit einem Strahlen herein, der 29-jährige arbeitet im Weinbau bei der Lebenshilfe in Bad Dürkheim und schätzt an der Wohnung in Friesenheim besonders die gute Lage und die Nähe zur Straßenbahn. „Damit komme ich überall hin, zur Arbeit und nach Heidelberg zum Feiern“, sagt er und grinst. An seinem Arm trägt er bunte Bändchen von verschiedenen Musik-Festivals, die er besuchte. Früher wohnte er in einer kleinen WG in Bad Dürkheim, aber da war ihm zu wenig los. Er wollte gerne mehr Leute um sich haben und mehr Freiheit genießen. Ähnlich ging es Johannes Kelm, der noch mit 47 bei den Eltern wohnte. Er genießt das Zusammensein mit anderen, den Austausch und das Lachen. „Das ist hier viel besser. Aber meine Eltern sind ganz in die Nähe gezogen und so kann ich sie immer mal besuchen.“ Wie in anderen WGs haben einige Bewohner den Heiligabend bei ihren Eltern verbracht, andere sind hiergeblieben und freuten sich über die Gesellschaft. Vor den Feiertagen gab’s eine große Weihnachtsfeier, zu der jeder etwas beigesteuert hat. Es wurde gemeinsam gekocht und gegessen, alle Freunde und Assistenten waren eingeladen. Wie finden das eigentlich die Freunde, wenn man mit Menschen mir Behinderung zusammen lebt? „Meine Freundin findet, dass ich manchmal zu viel Zeit in der WG verbringe“, sagt Felix, lächelt und ist schon wieder beim Memory am Zug.

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