Ludwigshafen „Ich werde wieder viel lesen“

Ingrid Berg arbeitet seit 1986 in der Stadtbibliothek Ludwigshafen. 19 Jahre lang hat die 63-Jährige die Institution geleitet und dabei viel erlebt: finanzielle Engpässe, die Digitalisierung der Angebote und aktuell die Sanierung des Bibliotheksgebäudes. Jetzt ist die gebürtige Hamburgerin in den Ruhestand verabschiedet worden.
Alles fing damit an, dass ihr eine Freundin von ihrem Studium erzählte. „Sie wollte Bibliothekarin werden und war davon so begeistert, dass ich das dann auch gemacht habe“, beschreibt Ingrid Berg ihren Einstieg in die Bibliotheks-Laufbahn. Aus ihrer Heimat hat es die gebürtige Hamburgerin im Laufe der Jahre nach Berlin und schließlich über Worms nach Ludwigshafen verschlagen. „Dass ich hier lebe, hat private Gründe. Mein Mann hat damals einen Job bei der BASF bekommen, und dann habe ich mich natürlich ebenfalls nach einer Arbeit in der Region umgeschaut“, erklärt die Wahl-Pfälzerin. Als Großstadtpflanze fühle sie sich hier in der Pfalz aber sehr wohl. „Ich schätze die Offenheit der Menschen und die zahlreichen Freizeitangebote. Da ich auch noch Familie und Freunde in Berlin und Hamburg habe, bin ich oft dort und kann so alle drei Orte genießen.“ Fast 30 Jahre arbeitete Ingrid Berg in der Stadtbibliothek. 1992 wurde sie stellvertretende Bibliotheksleiterin und übernahm vier Jahre später schließlich den Leitungsposten von ihrem Vorgänger Dietrich Skibelski. Am vergangenen Dienstag, 19 Jahre später, wurde die 63-Jährige feierlich in den Ruhestand verabschiedet. „Alles hat seine Zeit“, erklärt Berg gelassen. „Natürlich werde ich es vermissen, meine Kollegen tagtäglich zu sehen, aber ich freue mich auch sehr auf den Ruhestand und alles, was jetzt kommt“, räumt sie offen ein. Sie sei gesund und habe noch viel vor, berichtet die 63-Jährige. „Außerdem ist es gut, wenn die jungen Kollegen die Bibliothek weiterführen.“ Die Pensionärin hat in ihrem Arbeitsleben so gut wie alles erlebt, was eine Bibliothek prägt und verändert. Dabei war nicht immer alles positiv. „Die Stadt ist finanziell leider sehr schlecht aufgestellt, und darunter haben wir immer wieder gelitten“, beschreibt sie. Die Sanierung des Bibliotheksgebäudes, die schließlich im Januar 2014 begann, musste mehrere Male verschoben werden. Mit der Zeit wurden personelle Einschnitte nötig, und die Öffnungszeiten der Stadtteilbibliotheken wurden reduziert – alles Folgen der finanziellen Notlage. Wenn die 63-Jährige zurückschaut, überwiegen für sie allerdings die positiven Erinnerungen an die Ludwigshafener Zeit. „Ich habe hier immer gerne gearbeitet“, resümiert sie. Besonders gern erinnert sich Ingrid Berg an das 125-jährige Bibliotheksjubiläum im Jahr 2000. Und mit Blick auf das Hin und Her, das die Sanierung mit sich brachte, fügt sie hinzu: „Dass die Bauarbeiten jetzt stattfinden, ist der zweite Höhepunkt meiner Karriere.“ Bis Frühjahr 2017 sollen die Arbeiten in dem komplett entkernten Gebäude abgeschlossen sein, um den Besuchern künftig mehr Platz und eine angenehmere Atmosphäre anbieten zu können. Ein Thema, das die Pensionärin jahrelang begleitet hat, ist die Digitalisierung. „Früher haben wir hier noch alles über Katalogkarten organisiert“, erzählt sie lächelnd. „Heute geht das über das EDV-Programm.“ Die Stadtbibliothek hat unter ihrer Leitung einen Weg gefunden, die Digitalisierung für sich zu nutzen. Sie bietet Schulungen unter dem Motto „clever online“ an, in denen Schüler den Umgang mit neuen Medien lernen. Außerdem können Besucher mit dem Bibliotheksausweis kostenpflichtige Rechercheangebote im Internet gratis wahrnehmen. „Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, Menschen zu schulen, damit sie diese Neuerungen verstehen“, erklärt Berg. Die E-Book Reader, welche die Bibliothek zur Verfügung stellt, werden gerne ausgeliehen. „Besonders die über 50-Jährigen sind für dieses Angebot sehr dankbar“, hat die Bibliothekarin beobachtet. Sie trauere den alten Zeiten nicht nach, betont die 63-Jährige. „Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten, alles ist aktueller. Man muss nur wissen, wie man die Sache angeht - aber das war früher ja nicht anders.“ Nach 29 Jahren in Ludwigshafen kann Ingrid Berg auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken. Viel hat sich, nicht zuletzt unter ihrer Regie, verändert. Zufrieden kann sie nun ihren Ruhestand genießen. „Demnächst werde ich viel Zeit mit Freunden und Familie in der Natur verbringen. Und außerdem werde ich die kulturellen Angebote der Region nutzen“, freut sie sich. „Und ich werde wieder viel lesen. Dazu hat man als Bibliothekarin nämlich gar nicht so viel Zeit, wie die Leute immer denken.“