Ludwigshafen „Ich renne der Zeit jedes Mal hinterher“

Eine Stunde gewonnen: In der Nacht zum Sonntag wurden die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt.
Eine Stunde gewonnen: In der Nacht zum Sonntag wurden die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt.
Brigitte Zöller

(60) hält von der Zeitumstellung gar nichts. „Weil sie nichts bringt“, begründet die Mannheimerin. Die Kinder seien jedes Mal außer Rand und Band, wenn die Uhr umgestellt werde, erzählt sie mit ihrer Enkelin auf dem Arm. Dass den Ländern der EU freigestellt werde, für welche Zeit sie sich entscheiden, besorgt sie: „Ich hätte gerne, dass in Europa jeder die gleiche Zeit hat. Wenn ich wegfliege, zum Beispiel auf die Kanaren, hätte ich gerne dieselbe Zeit.“ Wenn das klappe, dann sei ihr alles andere egal. Alaen Weil (67) aus Oggersheim sagt: „Als Rentner kann es mir ja eigentlich ziemlich egal sein.“ Danach erzählt er aus seiner früheren Berufszeit: „Damals bei der Umstellung musste ich ja dann noch früher raus und um 3 Uhr zur Arbeit. Da hat es schon immer gedauert, bis man sich umgestellt hatte.“ Seine Begleiterin Gertrud Lauer (63) stört die Zeitumstellung im Alltag: „Ich merke das. Ich war bisher immer müde, und außerdem hab ich ständig auf die Uhr geschaut“, berichtet sie und lacht. Beide würden sich über eine dauerhafte Sommerzeit freuen. Das ganze Leben habe sich ja auf den Abend verlegt: „Früher habe ich um 8 Uhr angefangen zu arbeiten, heute geht das bei den meisten ja erst um 10 Uhr los. Da ist es schon besser, wenn es abends länger hell ist“, sagt die 63-Jährige. Ingo Hammann (42) ist grundsätzlich Fan der Zeitumstellung und damit Befürworter der Sommerzeit im Sommer und der Winterzeit im Winter. Bei einer Abschaffung der Zeitumstellung wäre die dauerhafte Sommerzeit sein Favorit: „Wegen der langen Sommernächte“, sagt er. Kritiker halten die Sommerzeit gerade für Schüler bedenklich, weil es dann im Winter noch später hell wird. Der Lehrer aus Maikammer hält das für unproblematisch: „Müde sind die Kinder immer. Wenn es um den Biorhythmus der Schüler ginge, bräuchte man unabhängig von Winter- und Sommerzeit ganz andere Zeiten.“ Ivan Topalov (23) hat sich von der Zeitumstellung nie gestört gefühlt. Gleichzeitig sieht er aber auch keine Vorteile in dem System: „Heutzutage ist es denke ich sinnlos, bringt ja auch nichts beim Energiesparen.“ Eingeführt wurde die heute gültige Zeitumstellung in Deutschland nämlich 1980 mit dem Gedanken, das Tageslicht besser nutzen zu können und damit Energie zu sparen. Im Frühjahr und Herbst muss aber auch mehr geheizt werden. Das hebt sich gegenseitig auf. Ivan macht das Sonnenlicht jeden Tag glücklich, auch abends, erzählt der gebürtige Bulgare. Er hätte deshalb gegen eine dauerhafte Sommerzeit nichts einzuwenden: „Im Winter ist es einfach zu früh dunkel.“ Toni Westerhoff (19) hat die Abstimmung der EU nicht verfolgt. „Ich finde das ein bisschen verrückt“, sagt er. Abgeschafft wird die Zeitumstellung wohl trotzdem. Am meisten stören würde es ihn, wenn es in Europa deshalb künftig unterschiedliche Zeiten gäbe. „Das wäre doch extrem doof. Da ist es mir auch egal, ob wir Sommer oder Winterzeit haben“, sagt er, hält aber zum Schluss noch schnell inne und meint: „Kinder sollten nicht nachts zur Schule, wenn die Sonne nicht da ist.“ Clara Kern (22) hält nichts von der Abstimmung der EU. „Das ist übertrieben, was da veranstaltet wurde“, meint sie. Selbst habe sie keine Probleme mit der Zeitumstellung – ganz im Gegenteil: „Ich finde, die Zeitumstellung der jeweiligen Jahreszeit angepasst. Das ist gut so.“ Am liebsten würde sie deshalb weiterhin im Sommer und im Winter an der Uhr drehen. Dass jedes Land frei entscheiden darf, sieht sie kritisch. Die junge Mannheimerin fände es blöd, wenn unsere Nachbarländer sich für unterschiedliche Zeiten entscheiden und in Europa die Uhren dann überall anders ticken würden. Janis Köppen (20) ist ein junger Befürworter der Sommerzeit. Er hat zwar mit der Zeitumstellung an sich keine Probleme, kann der Sommerzeit aber viel Positives abgewinnen: „Es ist einfach schön, abends noch länger mit Freunden im Garten zu sitzen und gemeinsam zu grillen.“ Das würde er vermissen, wenn in Deutschland für eine dauerhafte Winterzeit entschieden werde. Menschen außerhalb Europas seien außerdem von unserer Sommerzeit begeistert: „Die beneiden uns dadrum, dass es später noch heller ist. Das kennen sie nicht aus ihrer Heimat“, erzählt der Ludwigshafener. Die größte Hoffnung von Tanja Zipp (47) ist es, dass die Umstellung in der Nacht auf Sonntag die letzte ihrer Art war: „Ich hoffe sehr, dass das nicht mehr stattfindet. “ Die Umstellung störe sie jedes Mal aufs Neue. Müdigkeit und Erschöpfung plagen sie dann: „Ich renne der Zeit jedes Mal hinterher“, sagt die 47-Jährige aus Kaiserslautern. Weil es für den menschlichen Organismus am gesündesten sei, befürworte sie die Winterzeit. Studien würden zeigen, dass der Körper sich ganz natürlich an die Helligkeiten anpasse. „Das künstliche Zurückdrehen ist nicht gesund“, meint Zipp.

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