Ludwigshafen Hypnotische Klänge

„Vielsaitig“ – bewusst mehrdeutig hatte die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen den Titel für das jüngste Konzert in der kammermusikalischen Reihe „So um 5“ gewählt. Drei Werke für unterschiedliche Kombinationen von Saiteninstrumenten wurden präsentiert. Die Besetzung wuchs von Stück zu Stück an.
Drei Madrigalen des böhmischen Komponisten Bohuslav Martinu (1890 bis 1959) eröffneten das Programm. Die 1947 entstandenen Duette für Violine und Bratsche trugen Frieder Funk und Friederike Bauer in perfekt aufeinander abgestimmtem Zusammenspiel vor. Die ausgedehnten melodischen Bögen des ersten Madrigals spielte Violinist Funk mit melancholischer Expressivität. Die traurige Grundstimmung dieser in Martinus amerikanischem Exil geschriebenen Komposition konnte so mühelos dem Publikum kommuniziert werden. Im zweiten Madrigal setzte Martinu eine große Bandbreite spieltechnischer Besonderheiten ein, die von ihren Interpreten einiges fordern. Funk und Bauer meisterten diesen technischen Parforceritt bravourös und präsentierten dem faszinierten Publikum so hypnotische wie abwechslungsreiche Klangflächen. Auch im dissonanteren dritten Madrigal arbeiteten die beiden Musiker die emotionalen Qualitäten des Stücks gekonnt heraus. Von schwelgerisch bis scharf schafften es Bauer und Funk, das Ausdrucksspektrum der Komposition stimmig umzusetzen. Für die nachfolgend erklungene Serenade op. 12 in drei Sätzen von Zoltán Kodály aus dem Jahr 1919 ergänzte Violinistin Anikó Szathmáry die Besetzung. Die drei Musiker zeigten bereits im ersten Satz ihr differenziertes Spiel und fingen die getragene Atmosphäre des Werks treffend ein. Der zweite Satz war durch ein präzises Wechselspiel von Bauer und Szathmáry geprägt. Über einem sicher intoniertem Klanggrund Funks konnte insbesondere Bratschistin Friederike Bauer mit nuanciert vorgetragenen Partien glänzen. Anikó Szathmáry hatte anschließend im tänzerischen Schlusssatz Raum für solistische Entfaltung. Die ungarisch anmutenden Melodien, in denen sich Kodálys ethnologisches Interesse an den Volksmelodien seiner Heimat widerspiegelte, trug die Violinistin mit facettenreichem Esprit vor. Nach der Pause bildete das f-Moll-Klavierquintett von Johannes Brahms die zweite Hälfte des Konzerts. Mit Johanna Middendorf-Dölger am Violoncello und Markus Ecseghy, der als Gast am Klavier zu den vier Staatsphilharmonie-Musikern hinzutrat, wurde das Instrumentarium deutlich erweitert. Die dramatische Komposition, die Brahms bis zu ihrer Fertigstellung 1865 mehrfach umgearbeitet hatte, wurde von diesem gut harmonierenden Kammerensemble mit eindringlicher Intensität vorgetragen. Gleich im Eröffnungssatz konnte Pianist Ecseghy seine Virtuosität unter Beweis stellen. Immer wieder wechselten sich hier die von Ecseghy entschieden vorgetragenen Partien mit dem stimmig-runden Klang der Streichergruppe ab. Im lyrischen zweiten Satz unterstrich Frieder Funk durch sein expressives Geigenspiel die breiten Melodiebögen, die von Bauer und Szathmáry präzise begleitet wurden. Auch Cellistin Middendorf-Dölger konnte mehrfach mit feinsinnig vorgetragenen Linien glänzen. Im Schlusssatz des Quintetts, der vom meditativen Beginn bis hin zum dramatischen Finale reichte, konnten die fünf Musiker noch einmal die ganze Ausdruckspalette ihres vielseitigen Spiels zeigen. Das Publikum war begeistert und würdigte die eindrucksvolle Leistung der Künstler mit großem Beifall.