Firmenporträt
Hollywood im Hinterhof: Oppauer Werbefilmer mehrfach prämiert
Hipolio Macamo, Produzent bei Northwind, verlässt eilig mit Executive Produzentin Ksenia Weigel die Agentur. Unterm Arm trägt er ein Stativ, Fotoausrüstung und einen Regenschirm. Die Filmagentur in Oppau hat sich seit ihrer Gründung im September 2011 einen Namen gemacht, nicht nur bei der Stadtmarketinggesellschaft Lukom, für die Northwind den Imagefilm über die Stadt Ludwigshafen gedreht hat.
Mit dem Slogan „Dein Unternehmen verbessert die Welt und wir erzählen Deine Geschichten“ wirbt die Firma auf ihrer Website. Und damit haben sie renommierte Unternehmen wie die BASF, SAP oder den Mannheimer Energiekonzern MVV als Kunden gewinnen können. Vor eineinhalb Jahren wurden auch Aufnahmen für ein mobiles Innovationszentrum der Logistikfirma DHL in Dubais Wüste gemacht, erinnert sich Firmengründer Oliver Hoffmann. Für diesen Werbefilm hat Northwind mehrere internationale Filmpreise erhalten. Der 37-Jährige sagt über seine Mitarbeiter, für alle sei der Job eine Berufung. „Die Kollegen hatten erst kürzlich zu fünft die Drohnenaufnahmen vom Transport eines Tankschiffes in den Ludwigshafener Nordhafen gefeiert“, nennt er ein Beispiel.
Filmender BWLer
Der gebürtige Oppauer hat an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in der Ernst-Boehe-Straße Betriebswirtschaftslehre studiert, seinen Master im Bereich Innovation Management in der Tasche. Kein klassisches Studium für eine Filmfirma, weiß er. Aber schon während des Studiums liebte er das Spiel mit der Kamera. Der Imagefilm für die Hochschule war sein erstes veröffentlichtes Werk. Ein Werbevideo für die damals neu aufgelegte App von DHL entstand für einen dort beschäftigten Studienkollegen noch während seines Studiums. Weitere Aufträge des Transportunternehmens folgten.
„In einem Arbeitsleben zu enden, bei dem alles geregelt ist, das wollte ich nie“, blickt Hoffmann zurück. Es sei der Antrieb zur Selbstständigkeit gewesen. „In dieser Zeit habe ich alles gefilmt, was mir vor die Kamera kam. Urlaube, Hochzeiten, schwarz-weiß, einfach alles“, sagt er. Im Internet habe er sich die Technik angeschaut. Der 37-Jährige gewann bei einem Filmwettbewerb der Kreissparkasse 2011 den zweiten Preis. Den ersten Preis erhielt der heutige Northwind-Mitinhaber Oliver Geibel. Der war zu dieser Zeit noch Filmstudent in Darmstadt. In den folgenden zwei Jahren hat Hoffmann den Fachmann bei seinen Projekten häufig dazu genommen und zum Ende dessen Studiums, zwei Jahre später, auch als Teilhaber in die Firma geholt. „Es hat von Anfang an gepasst“, erinnert er sich.
14 Mitarbeiter
Inzwischen ist aus dem Zwei-Mann Betrieb in Oppau ein Unternehmen mit 14 Mitarbeitern geworden. Alle waren einmal Auszubildende oder duale Studenten bei Northwind, haben somit das Handwerk von der Pike auf gelernt. „Jeder hat sein Knowhow, und dennoch sind wir alle zusammen ein Team, vom Konzept über den Dreh bis zum Schnitt der Bilder“, sagt Geibel. Als Alleinstellungsmerkmal von Northwind sieht er das Konzept, also die Geschichte, die jeder Film für sich erzählt. Das sei kein Geheimnis, so sei jeder Hollywood-Film aufgebaut. Auch alle Northwind-Filme seien in Strukturen aufgebaut. „Die Kunden sehen das unter der Oberfläche nicht, aber das Rezept ist, die Botschaft in 15, 30 Sekunden oder mehr im richtigen Ton zu verpacken“. Mit den Bildern spielen, jonglieren, variieren, dieser Teil sei Handwerk. Die Idee dafür sei die Kreativität.
In dem versteckten Oppauer Hinterhofgebäude entstehen pro Jahr etwa 200 Filme. Den Nerv ihre Kunden treffen die Filmemacher offensichtlich, denn inzwischen machen sie Werbeclips für die Lippenstifte von „Catrice Cosmetics“, setzen Jahreshauptversammlungen großer Unternehmen ins rechte Licht oder filmen Schwertransporte. Bei Northwind gibt es eine flache Hierarchie. Hoffmann und Geibel sind zwar die Chefs, sehen sich aber auch als Kollegen ihrer Mitarbeiter. „Wir ziehen alle an einem Strang, jeder hat seinen Aufgabenbereich“, sagt Hoffmann. Es sei schön, alle an den Aufgaben wachsen zu sehen, die Leute brauchen neue Herausforderungen, findet er. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass Motivation und die passende Persönlichkeit am Wichtigsten sind. „Wer das Herz am rechten Fleck hat, der kann lernen und geformt werden“, lautet seine Überzeugung. Dass der Familienvater inzwischen nicht mehr zu den aufwendigen Drehs mitkommt, bedauert er nur ein bisschen. Aber er gehe im Storytelling (Dramaturgieaufbau) und der Organisation auf, sagt er. Denn am Ende stehe immer eine gute Geschichte.
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