Interview
Holger Müller über seine unverwüstliche Kunstfigur Ausbilder Schmidt
Herr Müller, wie entstand die Figur des Ausbilders?
Ich war 1989 als Wehrpflichtiger bei der Luftwaffe, da ist die Idee entstanden zum Ausbilder. Ich habe auf unserer Stube so zum Spaß die Kameraden zur Sau gemacht, rundgemacht, die fanden es lustig. Die in der Nachbarstube haben es nur gehört, mich nicht gesehen. Die haben gedacht: Was ist denn das für ein Arschloch! Die haben gemeint, wir hätten einen neuen, besonders strengen Ausbilder. Zehn Jahre hat es anschließend gedauert, bis es professionell wurde. Dazwischen lag für mich auch der Besuch der Köln Comedy Schule.
Der Kasernenhofton, den Ausbilder Schmidt auf der Bühne anschlägt, kann so heute nicht mehr bei der Bundeswehr gebracht werden …
Schon lange nicht mehr. Der Ausbilder ist ein Klischee. Eine Persiflage auf tatsächliche Ausbilder, die es so schon vor 25 Jahren nicht mehr gab. Ein Trottel, der meint, er wär’ der Größte.
Erinnert mich an meine Bundeswehrzeit in Bad Bergzabern …
Er hat sie nicht mehr alle, ist aber in Ordnung. In der Figur liegt Humor drin.
Kommen zu Ihren Auftritten in Deutschland nur ehemalige Soldaten der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee?
Das Publikum ist bunt gemischt und sehr familiär angelegt. Väter haben ihre Kinder und auch die Oma dabei.
Treten Sie auch in anderen deutschsprachigen Ländern auf?
In Österreich und der Schweiz meist in Shows oder auf großen Comedyfestivals. Die Comedykultur ist dort auch etwas anders angelegt als bei uns.
Sie hatten Auftritte bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in Bosnien-Herzegowina und in Afghanistan. Wie waren die Reaktionen?
Die Bundeswehrangehörigen waren sehr froh, dass überhaupt mal jemand hingekommen ist. Das war ihnen dreimal wichtiger als die Shows selbst. Ich habe 15 Jahre später ein Feedback von einem damals in Kunduz, Afghanistan, stationierten Soldaten bekommen, den ich in einer meiner Shows getroffen habe. Er hat sich für den Auftritt bedankt.
Ein weiteres Jubiläum: Sie betreiben seit 15 Jahren im ostfriesischen Pilsum das Theater „Sehr kleines Haus“ – zwei Kilometer von der Nordsee entfernt.
Das ist im Sommer so mein Hobby. 50 Besucher passen rein. Technik, Kasse, Klo: Mach’ ich alles selber. Es gibt 20 bis 25 Comedy-Shows mit dem Ausbilder und vielen anderen Comedystars und Kabarettisten den Sommer über, meist für Touristen. Im Winter Weihnachtsvarieté für die Einheimischen.
Der Ausbilder ist eine Figur, in die Sie seit 25 Jahren schlüpfen. Rutscht er Ihnen im Privatleben auch manchmal raus?
Ich leide privat unter dem Ausbilder-Tourette. (Lacht.) Das ist ein Riesenproblem. Du gehst in Zivil in einen Supermarkt rein. Da hörst du dich in der Riesenschlange vor der Kasse rumbrüllen: „Mach’ mal hin, zack-zack!“ Privat würde ich mich eher als Lusche einordnen, ich wäre das Feindbild von Ausbilder Schmidt. In der Show schlüpfe ich auch mal aus dieser Rolle raus.
Termin
Ausbilder Schmidt gastiert am Sonntag, 22. September, 17 Uhr, im Mannheimer Schatzkistl. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft.