Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffnungslosigkeit am Ludwigshafener Stadtrand

Gute Frage.
Gute Frage.

Dass sich die Sanierung des Brennpunkts in der Bayreuther Straße wegen Auflagen des Gesundheitsamts verschiebt, klingt absurd.

In Ludwigshafen gibt es zwei sogenannte Einweisungsgebiete für arme Menschen, die unfreiwillig obdachlos geworden sind: in der Bayreuther Straße in West und in der Kropsburgstraße am westlichen Rand von Mundenheim. Rund 560 Menschen waren im vergangenen Jahr in den überwiegend maroden Wohnungen untergebracht. Eine düstere Prognose geht davon aus, dass in den Brennpunkten in naher Zukunft deutlich mehr als 600 Menschen leben könnten. Darunter auch viele Familie mit Kindern, Alte und Kranke.

Eigentlich sollten die abbruchreifen Wohnhäuser in Mundenheim mittelfristig ganz verschwinden, aber davon ist die Verwaltung wegen steigender Einweisungszahlen wieder abgerückt und will nun die Häuser renovieren. Die Gebäude in der Bayreuther Straße sollten ab diesem Jahr teils abgerissen und erneuert, teils saniert werden. Die Menschen am Ludwigshafener Stadtrand hatten vor dem Hintergrund dieser Ansagen gehofft, dass sich ihre Lebenssituation verbessert, dass auch sie bald endlich in Wohnungen mit Heizung und kleinen Badezimmern leben dürfen. Die jüngsten Nachrichten aus dem Baudezernat, wonach sich das Projekt jetzt erneut verzögert, sorgen daher für viel Enttäuschung und Frust in dem Armenviertel in West.

Der Grund für die Verschiebung des Sanierungsstarts um voraussichtlich etliche Monate klingt geradezu absurd: Das Gesundheitsamt, das bei der Kreisverwaltung angesiedelt ist, hat der Stadt Ludwigshafen neue Vorgaben für die Ausweichquartiere gemacht, in die die Bewohner vorübergehend umquartiert werden sollen. Das bedeutet, dass nun zusätzliche Container für Waschmaschinen und Sanitäranlagen nötig sind. Wegen des größeren Platzbedarfs für die zusätzlichen Container muss umgeplant werden.

Christiane Vopat
Christiane Vopat

Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn um die Hygiene und Gesundheit der Bewohner ist es in den desolaten Wohnungen und hier insbesondere in den Wohngemeinschaften gar nicht gut bestellt. Die Quartiere haben keine Heizung und verdreckte Sammelduschen, die Bewohner klagen seit vielen Jahren über dramatischen Ungezieferbefall und Schimmel. Es wird daher allerhöchste Zeit, diese menschenunwürdigen Zustände am Stadtrand endlich zu beenden und nicht über die Anzahl von Waschmaschinen in einem Provisorium zu diskutieren.

Konkurrenz für Martin Sonneborn?

Nach Ironie und Satire klingt auch die Vorstellung von Cem Ali Caglayan, der in dieser Woche verkündet hat, dass er als sechster Kandidat bei der Wahl des neuen Ludwigshafener Oberbürgermeisters am 21. September antreten will. Macht da etwa jemand dem Satiriker Martin Sonneborn Konkurrenz? Seit rund elf Jahren sitzt der frühere Chefredakteur der Frankfurter Zeitschrift „Titanic“ im Europaparlament.

Der 24-jährige Ludwigshafener OB-Kandidat tritt nach eigenen Angaben für die Bewegung „Schützt die Autos“ mit rund 20 Mitgliedern an, die der gebürtige Mannheimer vor gut einem Jahr mitbegründet hat. Bei der Kommunalwahl 2024 in der Quadratestadt kam sie auf 0,3 Prozent der Stimmen.

Cem Ali Caglayan
Cem Ali Caglayan

„Ich setze mich leidenschaftlich für die Rechte der Autofahrer ein. Mit meiner Expertise in Wirtschaft und meinem Engagement für faire Verkehrspolitik kämpfe ich dafür, dass Autofahrer in unserer Gesellschaft wieder den Stellenwert erhalten, den sie verdienen“, kündigt er an. Sich selbst beschreibt Caglayan als „jung und brutal gutaussehend“. Das lassen wir mal so stehen. Denn Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters, und nicht immer geht es dabei im Äußerlichkeiten.

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