Ludwigshafen Hoch aufstrebende Gesellen

91-87802911.jpg

Walter Schembs ist Bildhauer. Einer von der zupackenden, robusten Art. In Worms wurde er 1956 geboren, im nahen Herrnsheim hat er sein Atelier. Mit einer Freiluft-Ausstellung im Peter-Künzler-Forum ehrt der Mannheimer Kunstverein einen Künstler, der heute seinen 60. Geburtstag feiert und sich nicht zu verstecken braucht.

Bodenständigkeit ist nur ein Wort. Mancher mag es nicht. Auf Walter Schembs scheint es trotzdem irgendwie zu passen. Denn er musste erst dreißig werden, bis er wusste, was er wirklich wollte: Künstler, Bildhauer sein. Bis es soweit war, hat er vieles ausprobiert. Walter Schembs hat eine kaufmännische Lehre absolviert, war Zahntechniker und Restaurator, machte eine Tischlerlehre und restaurierte Möbel in einer eigenen Werkstatt. 1986 schuf er die erste Skulptur aus Holz. Holz (gern Eiche und Pappel, auch alte Holzbalken und Schwellen aus Abrisshäusern) war und ist sein Material, selbst wenn die Arbeit in Bronze gegossen ist. Denn dies ist eine Besonderheit, dass Schembs` Kunst-Stücke eigentlich immer vom Holz, seinem Charakter und seiner Beschaffenheit zu erzählen scheinen. Dass der Mannheimer Kunstverein dem Bildhauer zum 60. Geburtstag eine Ausstellung in seinem Innenhof, der dem Andenken des großen Kunstvereinsfreundes und Mäzens Peter Künzler gewidmet ist, beschert hat, ist also nur zu loben. Dort steht als einzige Holzskulptur „Ross und Reiter“, eine handfestere, fast bullig aussehende Variante von Marino Marinis „Miracolo“-Reiter aus der Mannheimer Kunsthalle, die Schembs als Vorbild für seine Pferd-Reiter-Gruppen diente. Figuren und Stelen sind eine andere Bildidee. Man begegnet diesen skizzenhaft angelegten, zeichenhaft großzügig verkürzten Gesellen als Stehenden, Sitzenden, Gebeugten und still in sich versunkenen Lesenden. Mal groß auf dem Boden stehend, mal klein auf Stelen gesetzt, machen Schembs` Bronzen in Mannheim eine gute Figur. Rostig und rau sehen sie aus, Kettensäge und Beil geben auch hier optisch den Ton an. Man denkt an Holz und steht doch vor Bronzegüssen. Wer mag angesichts dieser stelenartig aufstrebenden Figuren da noch von „Materialgerechtigkeit“ reden. Schlank sind sie, kraftvoll in sich selbst ruhend, die Augen gen Himmel gerichtet, nur selten den direkten Blickkontakt suchend, sind sie ein immer selbstbewusstes Gegenüber, das durch nachträgliche Bearbeitung des im Wachsschmelzverfahren hergestellten Bronzegusses nicht nur diese rostig-rotbraune Patina bekommen hat, sondern aussieht, als sei die Bronzeplastik aus Eisen. Überspitzt gesagt: Bei Walter Schembs denkt man gleichzeitig an Holz, Bronze und Eisen. Das muss sich einer erst mal einfallen lassen. Walter Schembs hat das getan. Hier, nicht wahr, hilft eigentlich nur das Staunen. Termin Bis 30. Oktober im Mannheimer Kunstverein, Augustaanlage 58. Geöffnet täglich außer montags 12 bis 15 Uhr.

91-87797566.jpg
x