Adventskalender RHEINPFALZ Plus Artikel Historiker Josef Kaiser zum Abriss des Rathaus-Centers

Josef Kaiser sammelt alte Ludwigshafener Fotos, Postkarten und Stadtpläne. Auch übers Rathaus-Center hat er jede Menge gesammelt
Josef Kaiser sammelt alte Ludwigshafener Fotos, Postkarten und Stadtpläne. Auch übers Rathaus-Center hat er jede Menge gesammelt.

Der Countdown läuft: Am Jahresende schließt das Rathaus-Center – 42 Jahre nach seiner Eröffnung. Ab 2022 wird der Abriss des 72 Meter hohen Rathausturms eingeleitet. Das schafft Planungssicherheit für den Rückbau der Hochstraße Nord, spart Zeit, Geld und vereinfacht die Entwicklung des Quartiers City West. Wie bewegt Ludwigshafener der Abschied? Heute öffnen wir das Türchen für Josef Kaiser.

Als Historiker und Verleger hat sich Josef Kaiser intensiv mit der Entwicklung der Ludwigshafener Innenstadt beschäftigt. Zudem ist er unersättlicher Sammler alter Fotos, Postkarten, Broschüren und Stadtpläne. Darüber, dass das Rathaus-Center, ein Orientierungspunkt im Stadtbild, bald abgerissen wird, ist der 57-Jährige nicht glücklich. Er verstehe zwar, dass eine Sanierung des Gebäudes wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen wäre – zumal die Büros der städtischen Mitarbeiter nicht mehr den heutigen Standards entsprächen. Doch den Historiker treibt etwas ganz anderes um: „Die Frage ist, ob die geplante Alternative tatsächlich ausgereift ist und eine vernünftige Perspektive bietet“, gibt er zu bedenken und verweist auf die 1970er-Jahre. „Ich habe ein bisschen Angst, dass das Gleiche wie damals passiert.“

Um das zu erklären, muss Kaiser ein wenig ausholen: So hatte Ludwigshafen nach der Verlegung des alten Kopfbahnhofs eigentlich ganz andere Bebauungspläne für jene Stelle, auf der heute das Rathaus-Center steht, und den benachbarten Park- und Messplatz. Dort sollten nämlich gleich drei Hochhäuser erbaut werden, mit Wohnungen, Büros und Geschäften. „Die Pläne wurden jedoch aufgegeben“, erzählt Kaiser. „Es wurden keine Investoren gefunden.“ Da das Projekt jedoch schon zu weit fortgeschritten war, wurde händeringend nach Lösungen gesucht. Schließlich wurde auf einem Teil des Geländes das Rathaus-Center errichtet.

Gleicher Fehler nochmal?

Und was hat das Ganze mit den heutigen Plänen zu tun? „Jetzt möchte man das Gebäude abreißen und dort eine Stadtstraße bauen. Auf allen Plänen sieht man um die Straße herum üppige Bebauung mit Häusern, Wohnungen, Büros und Geschäften“, erklärt der Historiker. „Das Drumherum liegt jedoch nicht in der Hand der Stadt, dafür sind Investoren notwendig.“ Ihm fehle die intensive Diskussion, was genau anstelle des Centers errichtet werden soll, auch unter dem Aspekt der oft zitierten „Verkehrswende“. „Wenn man das Center opfern muss, dann sollte etwas Besseres entstehen, nicht einfach eine Alternative zur Hochstraße.“

Von dem damaligen „Paket“ aus mehreren Bauprojekten – Verlegung des Bahnhofs, Rathaus, Hochstraße, Kurt-Schumacher-Brücke – stünden nun zwei zur Disposition. „Das eröffnet Perspektiven für einen städtebaulichen Neubeginn in einem zentralen Bereich der Innenstadt“, sagt Kaiser. „Aber darüber wurde nicht wirklich diskutiert.“ Leider auch nicht im Zusammenhang mit dem Ersatzbau der Hochstraße Süd, wie Kaiser anmerkt.

Zudem sieht der 57-Jährige die Gefahr, dass die Baumaßnahmen negative Auswirkungen auf die Innenstadt haben und diese noch weiter veröden könnte. „Kein Mensch möchte jahrelang zwischen Großbaustellen leben, wenn er nicht unbedingt muss“, erklärt er.

Trauzimmer mit 70er-Jahre-Charme

Mehrmals im Jahr ist der Historiker und Verleger mit seiner Kamera in der Stadt unterwegs, um bildlich festzuhalten, wie sich bestimmte Ecken verändern. „Auch als regelmäßiger Stadtspaziergänger bedauere ich, dass der Durchgang zum Hemshof entfällt“, erzählt er. Die sechs Spuren der neuen Straße, die Fußgänger nie in einer Grünphase überqueren können, werden die Stadt wie ein Keil spalten, so wie früher der alte Hauptbahnhof.

Neben Fotos, Ansichtskarten und Souvenirs hat der Pfälzer auch persönliche Erinnerungen an das Rathaus-Center. In dem Center, das sich seiner Ansicht nach sehr gut entwickelt hat, sei er seit 30 Jahren öfters mit seiner Frau einkaufen gegangen. Zudem ist das Paar 2009 im Rathaus getraut worden. „Das Trauzimmer hatte schon seinen Charme. Die Stühle, die Fenster – das ist original 70er-Jahre“, erzählt Kaiser. „Eigentlich müsste man es konservieren. Vielleicht wandert es ja ins Museum.“

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