Tanzsport
Hip-Hop: Linus Wendt bleibt im EM-Finale nervenstark
Für Linus Wendt aus Neuhofen dreht sich seit seinem sechsten Lebensjahr alles um Hip-Hop. Als bisherige Krönung einer ohnehin erfolgreichen Saison hat sich der 14-Jährige am 15. Juni in Belgien den Vize-Europameistertitel der United Dance Organisation geholt. Der Schüler tanzt auch in der Formation DDC Streetkidz und trainiert täglich.
„Ich hab mich schon richtig gefreut, dass ich ins Finale gekommen bin“, erzählt Linus Wendt nach seiner Rückkehr aus Lommel in Belgien. Bei der dreitägigen Europameisterschaft des Verbands United Dance Organisation (UDO) war er nicht nur als Solotänzer dabei, sondern auch als Mitglied der DDC Streetkidz, die sich als Deutscher Vizemeister in der Kategorie U18 Novice einen Platz bei der Europameisterschaft ertanzt hatten. Im Hip-Hop-Solo hatte Linus bei der Deutschen Meisterschaft den dritten Platz in der Kategorie U16 Novice erreicht und startete somit ebenfalls in Lommel.
Schiedsgericht überzeugt
Aus der Vorrunde mit insgesamt 32 Tänzern schaffte der 14-Jährige es direkt ins Finale. Und da überzeugte er die Judges mit seinem Tanzstil so sehr, dass er am Ende den Pokal als Vize-Europameister in den Händen hielt. Mit den Streetkidz, die ebenfalls ins Finale kamen, belegte er anschließend noch den siebten Platz.
Der Neuhofener, der nach den Sommerferien die neunte Klasse des Nicolaus-von-Weis-Gymnasiums in Speyer besuchen wird, ist nach eigenem Bekunden bei den Team-Wettkämpfen viel aufgeregter als beim Solo. „Wenn ich da einen Fehler mache, würde es die ganze Gruppe belasten“, erklärt Linus.
Jetzt auch Teamkapitän
Seit einigen Wochen hat der 14-Jährige die Rolle des Teamkapitäns inne. Coach Daniela (Dany) Lahdo, in deren Dany Dance Center in Neuhofen Linus seit 2016 trainiert, hat ihm diese Aufgabe übertragen, weil sie seine überlegte Art und sein Verantwortungsbewusstsein zu schätzen weiß. „Er gibt richtig gute Tipps“, lobt sie. Und er werde auch von den Älteren im Team akzeptiert und ernst genommen.
Dany Lahdo wünscht sich, dass Linus im DDC in Zukunft auch Trainerstunden geben wird. Auch der 14-Jährige kann sich das gut vorstellen. „Tanzen ist meine Leidenschaft“, bekräftigt er. Und für diese Leidenschaft ist der Schüler bereit, fast seine gesamte Freizeit zu opfern, wobei er dies gar nicht als Opfer empfindet.
Neun Stunden Training pro Woche
Im Studio trainiert er im Basis-Kurs der Teens, in der Freestyle-Gruppe und mit den Streetkidz im Schnitt neun Stunden in der Woche. Zu Hause geht es weiter. „Ich versuche schon, wenn ich Zeit habe, mindestens eine Stunde Freestyle zu trainieren“, sagt Linus. Hinzu kommen wöchentlich zwei Einheiten im Fitnessstudio, da gerade für die akrobatischen Einlagen wie Salti Muskelaufbau wichtig ist.
Sportlicher Ehrgeiz liegt bei den Wendts in der Familie. Linus’ älterer Bruder Leon war mehrere Jahre im Bundeskader des Deutschen Turner-Bunds. Sein Vater hat in der Bundesliga geturnt. Und seine Mutter kommt mit Rhythmischer Sportgymnastik und Tanzen ebenfalls aus dem Leistungssport. Entsprechend groß ist die Unterstützung der gesamten Familie, wenn es an den Wochenenden zu Wettkämpfen geht. „Meine Eltern fahren immer mit“, freut sich der Schüler.
2019 erstmals solo auf der Bühne
Gerade in den vergangenen zwei Monaten waren sie viel unterwegs, denn in der Zeit zwischen Ostern und den Sommerferien gibt es besonders viele Turniere. Auf einem Niveau wie Linus zu tanzen, ist deshalb auch ein Kostenfaktor. Schließlich kommen zu den Startgeldern immer noch Hotel- und Reisekosten hinzu.
Dass ihr Schüler ein großes Talent ist, hat Dany Lahdo gleich erkannt, als er im Alter von fünf Jahren bei ihr anfing. „Er hat schon damals die Musik gefühlt und war immer sehr fokussiert“, erinnert sie sich. Deswegen war er natürlich auch einer der Tänzer, den sie 2018 zu den damals neu gegründeten Streetkidz holte. Solo trat Linus das erste Mal 2019 an.
2024 Titel für Team
Corona sorgte zwar für eine Unterbrechung der Turniere, doch danach ging es für den Schüler so richtig los. Seither hat er in verschiedenen Verbänden im Solo und im Battle zahlreiche erste und zweite Plätze abgeräumt. Mit den DDC Streetkidz holte er zudem 2024 bei den Deutschen Meisterschaften der Street Dance Factory den Titel.
Sein nächstes Ziel ist die Teilnahme an der UDO Weltmeisterschaft am 13. August in Blackpool, Großbritannien. Qualifiziert ist er mit seinem Titel auf jeden Fall, jetzt muss nur noch geklärt werden, ob es mit der Reise klappt.
Vorbild Franky Dee
Und langfristig träumt der 14-Jährige davon, bei Juste Debout in Paris, einem der weltweit größten Hip-Hop-Wettbewerbe, an den Start zu gehen und weiterzukommen. Darin eifert er einem seiner Vorbilder nach, dem Tänzer Franky Dee, der bei Juste Debout schon mehrfach Weltmeister wurde. Auch die Wettbewerbe „Red Bull – Dance Your Style“ reizen den Neuhofener.
Der Vize-Europameister hat also nicht vor, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Er brennt für Hip-Hop und ist sich sicher, dass das auch noch sehr lange so bleiben wird. Ob er später auch mal beruflich im Tanzsport arbeiten möchte, weiß der 14-Jährige aber noch nicht. Es sei schwer, damit Geld zu verdienen, weiß Linus. Aber er stellt klar: „Ich kann mir nicht vorstellen, das Tanzen irgendwann aufzugeben.“