Interview
Helmut-Kohl-Allee: Die Witwe zum Beschluss des Stadtrats
Frau Kohl-Richter, wie geht’s Ihnen mit der Entscheidung?
Ich sage in diesen Tagen immer: Alles richtig gemacht! Es ist ein rundum positives Signal, dass die neue Stadtstraße in der Heimatstadt Helmut Kohls unter der umsichtigen Moderation von Herrn Dr. Uebel nach meinem Mann benannt wird und der Stadtrat dies jetzt mit großer Mehrheit parteiübergreifend so entschieden hat. Das ist für mich das Wesentliche. Das hat ja auch die Oberbürgermeisterin am Schluss so ähnlich zusammengefasst.
Das Votum fiel zwei Tage vor dem fünften Todestag Ihres Mannes. Hätten Sie sich eine schnellere Entscheidung gewünscht?
Für mich zählt jetzt das Ergebnis. Das ist auch das, was bleibt. Und das habe ich mit vielen Menschen gemeinsam: Ich bekomme seit Bekanntgabe der Entscheidung von vielen Seiten sehr freudige Nachrichten. Also: Viele Menschen in Ludwigshafen und der Region freuen sich über die Entscheidung. Unsere Freunde freuen sich auch und sind erleichtert, genau so geht’s mir.
Die Umbenennung der Rhein- in Helmut-Kohl-Allee im Herbst 2017, ein gemeinsamer Antrag von CDU und SPD, scheiterte am Protest der Anlieger und an der öffentlichen Kritik. Wie haben Sie das damals verfolgt?
Lassen Sie uns nach vorne schauen. Ich wiederhole mich: Die Helmut-Kohl-Allee ist eine gute Entscheidung, ich freue mich darüber wirklich. Ich bin gespannt auf die Umsetzung, die eine echte Herausforderung ist. Und vor allem auf das Ergebnis, von dem wir ja noch gar nicht wissen, wie es sich letztlich in die Stadt einfügt und was es sozusagen mit unserer Stadt macht.
Die CDU spricht von einer Premiumstraße. Für andere trennt die Stadtstraße die Innenstadt und sei eher ungeeignet für eine Würdigung. Viele hätten es gerne gesehen, wenn der Platz der Deutschen Einheit am Rheinufer nach Helmut Kohl benannt worden wäre. Die SPD regte einen Bürgerentscheid an. Wie beurteilen Sie die Debatte im Nachgang?
In Bezug auf die Wahl des Ortes und zu der Skepsis wegen der konkreten Ausgestaltung der neuen Stadtstraße zeigen die von Ihnen genannten Bedenken ganz einfach einen ehrlichen Meinungsaustausch. Und man muss ja eine andere Meinung haben dürfen. Für mich kann ich sagen: Die neue Stadtstraße war unter Abwägung der Möglichkeiten auch mein persönlicher Favorit. Es hat für mich außerdem etwas Symbolträchtiges, dass hier mit dem Namen Helmut Kohl etwas verbunden wird, das zukunftsträchtig ist und etwas gänzlich Neues schafft. Das passt sehr gut zu ihm.
Inwiefern?
Helmut Kohl hat zwar immer auch an Bewährtem festgehalten, aber war zugleich immer der Zukunft zugewandt und sehr offen für Neues. Und die neue Stadtstraße ist nun nicht einfach nur der Ersatz für die Hochstraße, sondern tatsächlich ein, ja, gewagtes Experiment. Was wir heute zuverlässig wissen, das ist, dass die Helmut-Kohl-Allee eine wichtige Verkehrsverbindung sein wird. Was wir aber in der Tat heute nicht sicher sagen können, das ist, wie die Straße die Stadt tatsächlich verändert und ob sie die großen, positiven Erwartungen erfüllen wird. Und da halte ich es mit meinem Mann: Ich bin ganz einfach realistisch optimistisch! Das wird schon werden.