Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Heinrich-Pesch-Haus feiert 50-jähriges Bestehen

Markanter Bau: Das Heinrich-Pesch-Haus wurde 1974 eröffnet.
Markanter Bau: Das Heinrich-Pesch-Haus wurde 1974 eröffnet.

1974 wurde das Heinrich-Pesch-Haus als katholische Akademie im Ludwigshafen (Frankenthaler Straße 229) eröffnet. In diesem Jahr wird Jubiläum gefeiert.

„Hier ist etwas gewachsen“ heißt es in einer Broschüre des Heinrich-Pesch-Hauses zwischen West und Oggersheim. Die katholische Akademie Rhein-Neckar feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Und sie tut das auf ihre Weise: Man wolle „Bildung für alle anbieten“, sagt Pater Tobias Zimmermann (57), Direktor der Einrichtung.

Ulrike Gentner und Pater Tobias Zimmermann leiten die Bildungseinrichtung.
Ulrike Gentner und Pater Tobias Zimmermann leiten die Bildungseinrichtung.

So kommt auch ein Programm zustande, das von Geocaching (einer Art digitaler Schatzsuche) über einen Graffiti-Workshop und eine Weinverkostung bis zu Erzähltagen und Vorträgen reicht. Erkennbar sollen sich möglichst viele Menschen angesprochen fühlen. Ganz im Sinne des jesuitischen Ansatzes, wie Pater Zimmermann betont. Schon Ignatius von Loyola (1491 bsi 1556) habe dem von ihm mitbegründeten Orden den Auftrag gegeben, Bildung zu vermitteln.

Von Erfolg überrascht

„Die Jesuiten waren selbst überrascht von dem Erfolg dieser Bildungsarbeit“, sagt der Direktor des Pesch-Hauses. Ein Selbstläufer sei das aber auch nicht. Viele der erhaltenen Briefe von Ignatius seien um Geld für die Bildungsarbeit gegangen. Eine Parallele zur heutigen Zeit, in der das Pesch-Haus, benannt nach dem Jesuiten Heinrich Pesch (1854 bis 1926), eine Vielzahl von Formaten anbietet.

Bildungseinrichtungen und Unternehmen nehmen diese Angebote wahr. Themen sind „Bildung und Wirtschaft“, „Dialog und Religionen“, „Extremismus“, „Flucht und Asyl“ oder allgemein „Migration“. 300 Veranstaltungen biete die Akademie durchschnittlich pro Jahr, eintägige und mehrtägige zusammengerechnet, so Ulrike Gentner (63), stellvertretende Direktorin. 60 Mitarbeiter werden beschäftigt. „Wir erreichen in der Weiterbildung über 47.000 Menschen“, sagt Gentner.

Immer digitaler

Die Veranstaltungen finden seit Corona auch teilweise digital statt, aber: „Es braucht beides“, so Gentner. „Ein Seminarhaus für Präsenzveranstaltungen und Online-Formate.“ Da habe man gerade gute Erfahrungen mit einer Art Online-Stammtisch für Teilnehmer von Seminaren im pädagogischen Bereich gemacht. Die Gesprächsrunden vor oder nach Seminaren werden sehr gut genutzt. „Es gibt eine Flexibilisierung für die Teilnehmenden“, so Gentner. Und bei den Weiterbildungen? „Wir haben auch gemerkt, dass es viele kostenlose Angebote gibt, die gut sind – da müssen wir uns ganz anders aufstellen.“

Eines der Kernthemen, die man in diesem Jahr verstärkt im Pesch-Haus bearbeiten werde, sei die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die sei zwar im Grundgesetz verankert, so Gentner, aber, wie man wisse, noch immer nicht gelebte Praxis. Diesem großen gesellschaftlichen Thema wolle man sich mit Vorträgen und Seminaren stellen und einen Beitrag leisten. „Frauen-Salon“ nenne sich eine der Plattformen zum Themenbereich Geschlechtergerechtigkeit.

Viel Platz: Neben dem Pesch-Haus soll eine Siedlung entstehen. Das Bild zeigt den Zustand vor den Tiefbauarbeiten.
Viel Platz: Neben dem Pesch-Haus soll eine Siedlung entstehen. Das Bild zeigt den Zustand vor den Tiefbauarbeiten.

Träger des Pesch-Hauses sind unter anderem das Bistum Speyer und der Jesuitenorden. Geld fließe aber auch von Bund, Land und Europäischer Union, wie Gentner erläutert. „Wir müssen uns in einer Zeit, in der die Kirche kleiner wird, ganz anders aufstellen“, sagt Pater Zimmermann.

Siedlung mit sozialem Anspruch entsteht

Erfahrung hat man: Seit der Gründung 1974 hat das Heinrich-Pesch-Haus schon mehrfach sein Programm an neue gesellschaftliche Gegebenheiten angepasst. Und auch auf der „grünen Wiese“, auf der die Einrichtung mit einem eigenen Hotel einst gebaut wurde, passiert etwas: Die Heinrich-Pesch-Siedlung neben der Akademie sei ein Projekt, das langsam Gestalt annehme, so Pater Zimmermann: „Der Tiefbau ist fertig, wir haben schon eine Quartiermanagerin und können jetzt daran gehen, die nächsten Investoren zu gewinnen.“

Zu einem Teil soll die Pesch-Siedlung einmal zur Finanzierung des Pesch-Hauses beitragen. Der Direktor spricht von einem Beitrag zum „Finanzierungsmix“, der die Einrichtung und ihr Angebot trage. Eine Investition in die Zukunftssicherung, so der Direktor, der sich sicher ist, dass man auch das 60-jährige Bestehen feiere. „So Gott will.“

Programm

Zum 50-jährigen Bestehen der Akademie soll es am 26. April Geocaching am Heinrich-Pesch-Haus geben, am 16. Mai einen „Graffiti pro Democracy“-Workshop für Jugendliche. Zudem sind eine Weinverkostung am 21. Mai und ein Familienfest mit dem Erzählkünstler Thomas Hoffmeister-Höfener am 7. Juli geplant. Am 15. September findet ein Jubiläumsgottesdienst mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann in der Jesuitenkirche Mannheim statt.

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