Ludwigshafen Heftige Debatte über neuen Kerweplatz
Ortsvorsteher Udo Scheuermann (SPD) will weiter die Möglichkeiten für die Verlegung des Kerweplatzes in Oppau prüfen. Der Ortsbeirat hat ihm am Dienstagabend mit großer Mehrheit dazu das Mandat erteilt – FWG/Grüne stimmten dagegen. Rund 60 Zuhörer waren wegen des Aufregerthemas zur Sitzung ins Bürgerhaus gekommen.
Die Stimmung war aufgeheizt. Und das lag nicht nur an den Temperaturen im Saal. Seit Wochen tobt ein erbitterter Streit im Ort um eine Verlegung des Kerweplatzes an den Ortsrand. Als Standort für einen kombinierten Kerwe-/Parkplatz ist ein Maisacker an der Umgehungsstraße im Gespräch , der zwischen dem Oppauer Park und der Gärtnerei Pfeiffer liegt. Gegen das Projekt hat sich aus Naturschutz- und Verkehrsgründen Widerstand formiert – Anwohner und eine Verkehrsinitiative haben Unterschriften gesammelt. Ortsvorsteher Udo Scheuermann, der von der CDU und der FWG im Vorfeld der Sitzung attackiert worden war, verteidigte seine Überlegungen: Derzeit wird die Kerwe auf dem Lidl-Parkplatz gefeiert, doch die Discounterkette wolle in zwei Jahren ihre Filiale in Oppau modernisieren. Der Discounter nutzt das Gelände in Erbpacht. Das Gebäude soll abgerissen werden, ein neues größeres entstehen. „Das würde bedeuten, der Platz für die Kerwe wäre zu klein“, sagte Scheuermann. Eine Erweiterung der Lidl-Fläche sei nicht möglich, weil Nachbarn nicht verkaufen wollten. Eine Rückkehr der Kerwe ans Bürgerhaus gehe nicht, weil Anwohner deswegen schon Klagen angedroht hätten. Also habe er sich Rückendeckung vom Ortsbeirat und der Arbeitsgemeinschaft der Vereine als Kerweveranstalter geholt, um eine Verlegung an den Ortsrand zu prüfen. Es sei unwirtschaftlich, einen reinen Kerweplatz zu bauen, der nur fünf Tage im Jahr genutzt werde. Deswegen sei die Überlegung aufgekommen, den Kerwe- mit einem Parkplatz zu kombinieren – auch um die Oppauer Straßen von parkenden Fremdmitarbeitern der BASF zu entlasten. Der Chemiekonzern habe ihm gesagt, dass er weitere Parkflächen brauche, sagte Scheuermann. Bei der Arge und auch im Ortsbeirat war daraufhin der Eindruck entstanden, die BASF wolle den Maisacker kaufen. Doch der Konzern hat öffentlich erklärt, dass er das Areal nicht kaufen wolle. Das trug Scheuermann Kritik von der Opposition ein, die dem Ortsvorsteher vorwarf, falsch informiert zu haben. Das wies Scheuermann zurück: „Ich habe niemanden hinters Licht geführt.“ Der Ortvorsteher kritisierte die Gegner des Projekts, die Unwahrheiten verbreiten würden. Etwa, dass es um eine Fläche von 11.000 Quadratmetern ginge, die asphaltiert werden solle. Das stimme nicht: Es seien 3000 Quadratmeter, der Boden könne geschottert und der Rest aufgeforstet werden. Auch sei nicht vorgesehen, dass Lkw auf dem Platz parken dürfen, stellte Scheuermann klar. CDU-Sprecher Roman Bertram kritisierte den Ortsvorsteher, der das Projekt falsch angegangen sei. „Die Reihenfolge der Gespräche, die Sie geführt haben, stimmt nicht“, sagte Bertram. Es wäre sinnvoller gewesen, erst abzuklären, ob das Gelände aufgrund seiner Nähe zur BASF überhaupt als Veranstaltungsstätte genehmigungsfähig wäre. Helge Moritz (FWG) unterstrich, dass er generell gegen eine Verlegung des Kerweplatzes sei. „Lidl will vergrößern, und dafür machen wir so einen Firlefanz“, kritisierte er. Wenn der Discounter seinen Standort in Oppau aufgebe, könne der freiwerdende Platz für ein Ärztehaus genutzt werden. „Warum ist das so wichtig, was Lidl will?“, meinte Johannes Binder (Grüne). Dafür gab’s Applaus der Zuschauer. „Für uns ist es extrem wichtig, dass es eine Zukunft für die Kerwe gibt“, sagte Frank Meier (SPD). Die Standortfrage sei noch nicht entschieden. Neben der Kerweplatzneubauvariante könne auch geprüft werden, ob nach dem Lidl-Neubau zusätzlich zum Supermarktparkplatz auch die angrenzende Straße für die Kerwe genutzt werden könne. Auch der Oppauer Park und die Rheinstraße als Festort müssten geprüft werden, sagte Meier. Nach emotionaler Debatte entschied die Ortsbeiratsmehrheit, dass der Ortsvorsteher weitere Verhandlungen führen soll. Dabei soll auch noch einmal die Standortfrage diskutiert werden. Scheuermann stellte klar, dass die Stadt einen neuen Platz nicht finanzieren werde. Lidl als „Verursacher“ müsse die Kosten tragen, so Scheuermann. Die BASF könne sich vorstellen, einen Parkplatz zu pachten oder zu mieten, sagte der Ortschef. Lokalseite 3