Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: Ex-Eulen-Spieler spricht über sein Leben in Skopje

Der gebürtige Ludwigshafener Christian Dissinger (mit Pokal) gewinnt mit Vadar Skopje die Handball-Champions League.  Foto: DPA
Der gebürtige Ludwigshafener Christian Dissinger (mit Pokal) gewinnt mit Vadar Skopje die Handball-Champions League.

Christian Dissinger ist der erste Handball-Nationalspieler, den die TSG Friesenheim hervorgebracht hat. Der 27-jährige Profi ist in Sachen Handball weit gereist. Dabei war der Pfälzer nicht immer vom Glück begünstigt. Er riss sich zweimal das Kreuzband. Seit Herbst 2018 spielt er bei Vardar Skopje. Hier spricht Dissinger über den Gewinn der Champions League, sein Leben in Skopje und eine mögliche Rückkehr zu den Eulen.

Herr Dissinger, nach dem Gewinn der Champions League sind Sie vermutlich nicht zur Ruhe gekommen.
Was wir nach der Rückkehr erlebt haben, kann man nicht beschreiben. Solch eine Begeisterung konnte ich mir nicht vorstellen. Fast 200.000 Fans haben uns auf dem Stadtplatz empfangen und mit uns gefeiert. Es war einfach unglaublich, das werde ich nicht vergessen.

Vardar hatte kaum einer auf der Rechnung, zumal es hieß, dass das Team aus finanziellen Gründen auseinanderfallen würde.
Ja, das waren zunächst keine guten Nachrichten. Es hieß, dass es den Verein in der kommenden Saison nicht mehr geben würde. Das war ein Schock, der uns aber nicht aus der Bahn geworfen hat. Wir haben an uns geglaubt und sind noch enger zusammengerückt. Der Mix aus erfahrenen und jungen Spielern aus unterschiedlichen Nationen, gepaart mit einer hohen Spielintelligenz, war der Schlüssel zum Erfolg.

Nach fast drei Wochen in Ludwigshafen sind Sie auf dem Weg nach Nordmazedonien. Wie geht es in Skopje weiter?
Ich habe bei Vardar einen Vertrag bis 2020. Der Spielbetrieb für die nächste Saison ist dank einer Rettungsaktion von Staat, Stadt und einiger Unterstützer des Vereins gesichert. Die Mannschaft wird ein anderes Gesicht als zuletzt haben, da wir viele jüngere Spieler verpflichtet haben. Ich fühle mich in Skopje wohl, es ist ein Top-Verein, der Ambitionen hat.

Damit dürften Sie den Schritt, vorzeitig den THW Kiel verlassen zu haben, nicht bereut haben?
Im Nachhinein hätte es nicht besser laufen können. Ich bekam in Skopje mehr Spielanteile, und wir haben die Champions League gewonnen. Ich wurde für die harte Arbeit in den vergangenen Jahren belohnt.

In Skopje dürften die Ziele nach dem personellen Umbruch etwas bescheidener als in der Vergangenheit sein.
Wir sind Titelverteidiger in der Champions League, dem wollen wir zunächst einmal gerecht werden. Wir wissen auch, dass wir einige gestandene Spieler verloren haben, dennoch glaube ich, dass die Mannschaft das Niveau hat, um das Viertelfinale zu erreichen. Die Frage wird sein, ob es wieder für das Final Four reichen wird.

Wie ist das Leben in Skopje?
Ich kann mich nicht beklagen. Ich habe dort alles, was man braucht. Meine Wohnung ist einige Kilometer vom Zentrum entfernt und ich fühle mich wohl. Inzwischen spreche ich neben Deutsch und Englisch, Spanisch und verstehe Mazedonisch und etwas Serbisch.

Ist Ludwigshafen noch ihre Heimat?
Definitiv. Hier bin ich geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Und meine Familie ist hier. Mir ist es schon wichtig, mindestens zweimal im Jahr nach Hause zu kommen.

Sie stammen aus der Jugend der TSG Friesenheim. Verfolgen Sie die Entwicklung der Eulen?
Ich bekomme noch viel mit, auch wenn ich die Spiele selten sehe. Ich habe mich gefreut, dass das Team den Klassenerhalt geschafft hat. Es hat alles perfekt geklappt, sodass die Überraschung möglich wurde.

Haben Sie noch persönliche Kontakte zu den Eulen?
Viele Leute, die sich bei den Eulen engagieren, kenne ich noch. Mit Trainer Ben Matschke, mit dem ich zusammengespielt habe, telefoniere ich regelmäßig. Ben und ich kennen uns seit einigen Jahren und dieser Kontakt ist bis heute geblieben. Können Sie sich eine Rückkehr zu den Eulen vorstellen?
Das kann ich mir vorstellen, aber es muss alles passen. Eine Rückkehr in die Bundesliga und zu den Eulen ist möglich. Ich habe mir aber noch keine Gedanken gemacht, was nach 2020 kommt.

Zur Person

Christian Dissinger ist 26 Jahre alt und in Ludwigshafen geboren und aufgewachsen. Er stammt aus der Jugend der TSG Friesenheim. 2010 schaffte er mit seinem Verein den Aufstieg in die Handball-Bundesliga. Er bestritt 30 Länderspiele für Deutschland und warf 42 Tore. Bei der Junioren-WM 2011 holte er die Goldmedaille und wurde als wertvollster Spieler ausgezeichnet. Bei der EM 2016 gewann er ebenfalls die Gold- und bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Bronzemedaille. Er wurde mit dem Silbernen Lorbeerblatt von Bundespräsident Joachim Gauck ausgezeichnet.

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