Ludwigshafen „Haben lange um Ergebnis gerungen“

Nach außen alt, nach innen auf der Höhe der Zeit: So präsentiert sich das unter Denkmalschutz stehende Ensemble der Hohenzollernhöfe, das seit 2011 von der BASF Wohnen und Bauen saniert wird. Am Freitag haben Bauherr, Denkmalschützer und Architekten darüber diskutiert, wie die Anforderungen der Denkmalpflege mit zeitgenössischer Wohnnutzung zusammengebracht werden können.
Es waren die zweiten „Ortsgespräche“, zu denen die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz und die Architektenkammer Rheinland-Pfalz eingeladen hatten. Bei der Veranstaltungsreihe gehe es um den Austausch zwischen Architekten und Denkmalpflegern und das Verständnis füreinander, erläuterte der Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Gerold Reker. Dieses werde immer wichtiger, da sich die planerischen Tätigkeiten zukünftig immer mehr auf das Bauen im Bestand verlagern werden, wie Reker prognostizierte. Die Hohenzollernhöfe sind für die Zusammenarbeit geradezu ein Paradebeispiel. Die Friesenheimer Siedlung, 1923 von der BASF für ihre Beamten im Stil des Neobarocks erbaut, erstreckt sich über zwei Straßenblöcke rund um großzügige Innenhöfe. Das Ensemble, auch als Fichte-Siedlung bekannt, wurde im Krieg zu etwa 20 Prozent zerstört und ist noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Die Wohnungen waren jedoch vom Zuschnitt und der Ausstattung her nicht mehr zeitgemäß. Seit der Jahrtausendwende standen immer mehr Wohnungen leer, was die BASF Wohnen und Bauen veranlasste, über eine Sanierung nachzudenken. Gleich zu Beginn der Gespräche zwischen Bauherr und Denkmalpflegern im Jahr 2008 war für Matthias Ehringer von der Unteren Denkmalschutzbehörde Ludwigshafen „eine Schmerzgrenze erreicht“, wie er in der Podiumsdiskussion am Freitag einräumte. Die BASF wollte nämlich bei der Renovierung Kunststoffprodukte einsetzen. „Wir mussten uns aufeinanderzubewegen“, blickt Ehringer auf den langen Weg zu einem abgestimmten Sanierungskonzept zurück, mit dem beide Seiten – Bauherr wie Denkmalpflege – leben können. Erst im Dialog sei der positive Weg für die Siedlung entwickelt worden. „Wir haben lange um das Ergebnis gerungen“, bestätigte Landeskonservator Joachim Glatz. Dafür kann sich das Ergebnis auch sehen lassen: Von außen ist das Originalbild erhalten worden, im Inneren der Gebäude wie auch im Innenhof wurden seitens der Denkmalpflege Zugeständnisse gemacht, um die Gebäude technisch und energetisch auf die Höhe der Zeit zu bringen. Über die Details konnten sich die rund 70 Teilnehmer an den Ortsgesprächen bei einem Rundgang informieren. In einer unrenovierten Wohnung erläuterte Architektin Priska Kösel-Humbert den Ablauf der Renovierung: Die Wohnungen werden entkernt und in den Rohbauzustand versetzt. Danach werden die Grundrisse verändert, da aus den ehemals 180 gleich großen Wohnungen ein Wohnungsmix aus etwa 200 unterschiedlich großen Wohnungen für alle Altersstufen und Familienformen entsteht. Um die Schmuckfassaden an der Straßenseite zu erhalten, wurden die Häuser von innen mit einem acht Zentimeter starken Putz gedämmt. „Die genaue Farbigkeit der Häuser zu befunden, war nicht möglich“, berichtete Matthias Ehringer. Im Innenhof wurden die Wohnungen mit vorgestellten Balkonen aufgewertet, die Gauben erhielten größere Fenster. „Das Sanierungsergebnis ist nicht unumstritten unter Denkmalpflegern“, sagte Ehringer. In einer renovierten Musterwohnung endete der Rundgang.