Ludwigshafen Gut Freund mit der Maschine

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Einen Vorgeschmack auf sein im März erscheinendes Album „Cables“ gab der Keyboarder und Komponist Bill Laurance in der Alten Feuerwache in Mannheim. Als Mitbegründer von Snarky Puppy spielte er Jazzrock/Fusion und gastierte bereits in Mannheim. Als Solist schlägt er ganz andere Töne an – dabei ist ihm etwas Ungewöhnliches gelungen.

Der aufgeklappte Flügel ist der Mittelpunkt der Bühne – und wird Mittelpunkt der Musik sein. Bill Laurance hat eine Piano-Ausbildung an der Universität Leeds genossen und war nach eigener Aussage schon als 14-Jähriger ein Profimusiker. Auf dem Flügel, wo sonst Noten liegen, blinken Lichtlein aus dem Halbdunkel. In Griffweite links neben der Tastatur liegt ein kompliziert aussehendes Gerät. „My Electronical Friends“ nennt er die Maschinen, die ihn auf seiner Solo-Tour durch Europa begleiten. Das Konzert beginnt mit einem Stück seines ersten Solo-Albums, „Flint“, das 2014 erschienen ist. Wir hören Akkorde, aufgelöst in eine Ostinato-Figur, eine gleichmäßige schnelle Bewegung. Die Harmonien wirken romantisch, vielleicht impressionistisch, auf jeden Fall entsteht eine schwebende Melancholie. „December in New York“ heißt das Stück. Auf dem Album kommt bald ein gezupfter Kontrabass dazu, Streicher tupfen einen Hintergrund. In der Feuerwache fällt dieses „Beiwerk“ weg – aber auch so entwickelt sich ein spannendes Stück, bei dem sich mehrere Motive mehrschichtig verweben. Interessant ist die Verschmelzung von klassischem Harmoniefluss des Pianos und der trance-ähnlichen wiederholenden Bewegung. Da liegt schon eine Nähe zur elektronischen Musik vor – und so macht er mit dem nächsten Stück einen konsequenten Schritt: Laurance startet eine Sequenzer, der Grundton, Oktav, Quinte, nächste Oktave spielt. Klingt elektronisch und hat einen schnellen Puls. Dann setzt das Klavier ein. Und hier wird es wieder spannend: Die elektronische Tonfolge klingt offen, ist weder Dur noch Moll. Laurance nutzt das und baut wechselnde Harmonien um diese Figur, die ständig neue Farben entwickeln, um diese Figur gleichsam herum tanzen. Während die auf dem Piano gespielten Akkorde immer dichter werden, setzt ein Drumcomputer ein. Elektronische Musik ist oft enervierend, weil sie außer stupidem Gepumper und schrägen Sounds völlig leer ist. Wie anders ist das bei Bill Laurance! Sein profundes Können in Klassik und Jazz und seine Fantasie als Komponist erschaffen Stücke, die musikalischen Gehalt haben, trotzdem groovend sind. Auch das Klavier wird elektronisch bearbeitet. Manchmal verwendet der Musiker Looper, um akustische Sequenzen aufzunehmen und in Schleifen spielen zu lassen. Oft spielt Laurance mit etwas Echo und starkem Hall, beides erzeugt das Gefühl von Weite. Zusammen mit einer zurückhaltenden, aber wirkungsvollen Lightshow entstand in der Feuerwache ein angenehmer Klang-Licht-Raum. Das Zusammenspiel von elektronischen Sounds, Effekten und Sequenzern hat Bill Laurance nicht erfunden, ähnliches hat Bugge Wesseltoft Ende der 90er Jahre mit seiner „New Conception of Jazz“ begonnen. Beide Künstler zeigen, dass man Electronics und akustische Klänge geschmackvoll und hörenswert verschmelzen kann.

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