Ludwigshafen Gummiphon und Orion-Harfe

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Beim Kulturverein „Club Ebene Eins“ in Schifferstadt war diesmal der Komponist, Instrumentenbauer und Musiker Hans-Karsten Raecke zu Gast. 22 Jahre hatte der seine „Klangwerkstatt“ in Mannheim, vor zwei Jahren kehrte er wieder in die Nähe seiner alten Heimat in Brandenburg zurück, wo er nun eine „Musikbrennerei“ betreibt. In einer Ausstellung und einem Konzert stellte er einige seiner Blas- und Elektronik-Instrumente vor.

Der gebürtige Rostocker hat eine klassische musikalische Ausbildung durchlaufen mit Kompositions-, Klavier- und Klarinettenstudium in Ostberlin. Vom normalen Musikbetrieb wandte er sich bald ab, gründete in Berlin seine erste „Klangwerkstatt“ und beschäftigte sich mit dem Bau selbst konstruierter Blas- und Saiteninstrumente, entwickelte den klangerweiterten Flügel, ein mit allerhand Materialien präpariertes Klavier, und experimentierte mit Elektronik. Nachdem er 1980 aus der DDR ausgebürgert wurde, führte er in Mannheim seine „Klangwerkstatt“ samt den zugehörigen jährlichen Musiktagen weiter, baute weiterhin seine ungewöhnlichen Klangerzeuger. Ungefähr 70 solcher Instrumente sind inzwischen entstanden, 20 davon hat er nach Schifferstadt mitgebracht. Da sie auch optisch interessant sind, verband man das Konzert mit einer Ausstellung. Und da seine Musik sich meist nicht mit der normalen Notenschrift fassen lässt, verwendet Raecke oft auch grafische Notationen. Beispiele dafür waren ebenfalls ausgestellt. Wenn Raecke den Konzertbesuchern in Schifferstadt seine Instrumente erklärte, zeigte sich erst, dass das, was Raecke macht, zwar hochseriös ist, aber oft genug auch Unterhaltungs-, ja komisches Potenzial enthält. Sein wohl exponiertestes Instrument ist die Blas-Metall-Dosenharfe, die er kürzlich auf den poetischeren Namen „Orion-Harfe“ umgetauft hat: ein fragil anmutendes Gebilde mit einem Holzkorpus, aus dem sich drei Metallröhren erheben, auf denen alte Kaffee- und Würstchendosen stecken. An den Röhren sind Saiten und Metallzungen angebracht, die von Raecke gezupft, gestrichen und geschlagen und per Live-Elektronik zum Klingen gebracht werden. So entstehen in der Komposition „Sonar“ wahrlich kosmische Klänge, die auch gut zu den von Raecke rezitierten Gedichte von Ernst Jandl passen. Der Bild-Klang-Generator ist eine in 128 Sektoren eingeteilte Messingscheibe, alles verbunden mit einem Sampler. Auch hier können gesampelte kosmisch anmutende Sounds abgerufen werden. Im zweiten Teil stellte Raecke seine Blasinstrumente vor, darunter das aus drei DDR-Waschbeckensyphons gebaute „Gummiphon“, auf dem Raecke eine „Wassermusik“ rauschen ließ.

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