Ludwigshafen Gum-Walls Ludwigshafen: Kaugummis kleben statt spucken

Festkleben statt festtreten: Sonja Regenauer (RNV, links) muss bei einigen Kollegen noch Überzeugungsarbeit für die Gum-Wall lei
Festkleben statt festtreten: Sonja Regenauer (RNV, links) muss bei einigen Kollegen noch Überzeugungsarbeit für die Gum-Wall leisten, die Klaus Götz (rechts) erfunden und auch am Berliner Platz aufgehängt hat.

Ein Kaugummi hat niemand gerne unterm Schuh. Ludwigshafener sollen ihr Gekautes an vier Straßenbahnhaltestellen ab sofort an kleinen Tafeln entsorgen, an sogenannten Gum-Walls. Es ist ein Testprojekt der RNV. Und wer hat’s erfunden? Einer, dem auch mal was unter der Sohle klebte.

Igitt, es klebt unterm Schuh! Wenn nicht so, dann begegnen einem Kaugummis als hässliche schwarze Bodenflecken an vielen Stellen in der Stadt. Klaus Götz sagt, er könne besonders oft genutzte Wege anhand des Kaugummi-Aufkommens identifizieren. Er muss es ja wissen, hat er doch aus seiner selbst erfundenen Gum-Wall eine Geschäftsidee gemacht. Am Freitag hat die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) elf dieser Wände an Straßenbahnhaltestellen installiert: vier am Berliner Platz, drei am Hauptbahnhof und jeweils zwei am Rathaus sowie „Am Schwanen“ in Mundenheim. Es sind die besonders stark frequentierten Umsteigeplätze – und im Fall von Mundenheim einer, der von vielen Schülern genutzt wird.

Nicht alle Kollegen waren begeistert

Die Idee: Wer sein Kaugummi zu Ende gekaut hat und entsorgen möchte, klebt es auf das in die Gum-Wall eingespannte bunte Papier. Ist die kleine Wand voll, wird das Papier ausgetauscht. Das englische Wort „gum“ heißt „Kaugummi“, „wall“ ist die Wand. Die vielen kleinen Smileys scheinen zum Kleben zu animieren – einige der bunten Gesichter sind am Berliner Platz bereits von einem matschigen Gummi verdeckt. Dass sein System nicht nur auf Gegenliebe stößt, weiß Götz. Auch Sonja Regenauer kann das bestätigen. Sie ist bei der RNV unter anderem für Instandhaltung und Haltestellenreinigung zuständig und hat sich für die Idee mit den Gum-Walls eingesetzt. Nicht alle Kollegen fanden das toll. Dass durchgekaute Gummis öffentlich an Tafeln geklebt werden, fänden viele eklig, sagt Götz und ergänzt: „Aber umso mehr werden sie für das Thema sensibilisiert.“ Tatsächlich sind die Tafeln ein Hingucker. Menschen bleiben stehen und schauen. Wer nicht kleben will, kann sein Kaugummi auch in einen kleinen Schlitz werfen. Hauptsache – so die Idee – es landet nicht auf dem Boden. Wie viel Geld die RNV jährlich ausgeben, um Haltestellenböden von Kaugummis zu befreien, lasse sich nur schwer beziffern, sagt Regenauer. Götz schätzt, dass es im Schnitt 1,50 bis drei Euro koste, ein einziges Kaugummi vom Boden zu entfernen. Schließlich muss es meist aufwendig vereist werden, sonst lässt es sich nicht ablösen.

Sieben Länder haben die Walls schon

Die Idee für seine Gum-Wall kam dem heute 47-jährigen Götz übrigens, als er beim Aussteigen aus einer Bahn vor einigen Jahren in so ein klebriges Ding trat. Inzwischen hat der gelernte Schlosser und Hobbytüftler sich seine Erfindung für Deutschland und Europa patentieren lassen, wie er berichtet. Bereits in sieben Ländern gebe es Walls, darunter Österreich, Belgien und Dänemark. Spanien soll als achtes hinzukommen. Am Flughafen in Stuttgart testen sie laut Götz das System in Bussen. Der Firmensitz der The Gum-Wall GmbH ist Mosbach. Ein Test ist es auch in Ludwigshafen. Während der sechswöchigen Probephase stellt der Erfinder die Gum-Walls der RNV kostenlos zur Verfügung. Anschließend entscheiden die Verkehrsbetriebe, ob die Tafeln dauerhaft und an weiteren Plätzen installiert werden – dann aber in einem anderen Design. In Mannheim wird das System an der Maimarkt-Haltestelle getestet. Wer übrigens in den neugestalteten Planken in der Quadratestadt ein Kaugummi ausspuckt, muss 100 Euro Strafe zahlen.

Auch Sprayer und Kaffeetrinker sorgen für Probleme

Sonja Regenauer ist gespannt darauf, wie die Gum-Walls in Ludwigshafen angenommen werden: „Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich die Stadt dranhängt.“ Denn festgetretene Kaugummis seien an vielen Stellen ein Problem. Die RNV hat es an ihren Haltestellen aber auch mit zahlreichen anderen Verschmutzungen zutun. Coffee-to-go-Becher seien ein Problem, sagt Regenauer. Auch der Vandalismus habe zugenommen. „Wir haben derzeit wieder vermehrt Sprayer“, ergänzt sie und ärgert sich darüber.

x