Ludwigshafen
Große Gefährte und platte Pkw: Monstertruck-Show in Oggersheim
Am Ende sind die beiden Kleinwagen nur noch Klumpen aus Glas und Blech. Dachlos wie zermatschte Cabriolets lässt der Monstertruck namens Harley Quinn den grünen Lupo und den blauen Nissan hinter sich. Immer tiefer wird die Schneise von den Motorhauben zu den Kofferräumen. „Hat euch das gefallen?“, fragt Moderatorin Nadja Mergla übers Mikrofon und erntet johlende Resonanz bei den Zuschauern, die am Samstag den Weg zur Monstertruck-Show auf dem Parkplatz von „Blumen Risse“ im Oggersheimer Gewerbegebiet Westlich B 9 gefunden haben.
Am Steuer von Harley Quinn vollendet Merglas 31-jähriger Lebenspartner und Chef-Stuntfahrer Mario Portes das Werk der Zerstörung, welches Monstertruck Zombie mit seinen riesigen Reifen eröffnete. Mit Spitzhacken ließen Portes Kollegen zuvor die Luft aus den Pneus der Opfer-Autos und verbanden sie mit Ratschegurten zu einer Einheit, die ihrem Schicksal nicht mehr entweichen konnte.
Auf zwei Reifen balancieren
Vor allem für den Nissan mag die finale Vernichtung auch Erlösung gewesen sein. Denn schon zuvor verlangte das achtköpfige Stunt-Team dem Altfahrzeug so einiges ab: Mit fünffachem Asphalt-Kontakt würfelte Portes den Nissan durch die schräge Rampen-Auffahrt über den Platz. Als unverzichtbares Utensil der 90-minütigen Show erwies sich die Rampe für Fahrmanöver, welche die zahlreichen Familienväter wohl noch von Colt Seavers kennen. Oder James Bond. Zu dessen Erkennungsmelodie fuhr Portes einen BMW mit dem rechten Vorder- und Hinterreifen auf die Rampe, um die restlichen Meter bis zum Parkplatzende auf den Reifen der Fahrerseite zu balancieren.
„Sehr cool“ findet die BMW-Nummer Emil Yordanov, der mit seinem dreijährigen Sohn Thomas aus Oggersheim gekommen ist. Wie schwierig es ist, einen Pkw einseitig in Balance zu halten, weiß der 27-Jährige aus eigener Erfahrung: „Ich hab´s schon ausprobiert“, sagt Yordanov grinsend – funktioniert habe es nicht. „Mit einem Quad ist es wesentlich einfacher, das hat auch bei mir geklappt“, bezieht sich Yordanov auf die vorher dargebrachten Balance-Akte mit dem gelben Monster-Quad, das wiederum für seinen Sohn das Highlight war. „So eins will ich auch haben“, ist Thomas begeistert von dem Vehikel, auf dem der jüngste der Stuntfahrer sitzt. Mario Portes zwölfjähriger Sohn Joy wagt damit auch den Rampensprung über fünf seiner Teamkollegen, die sich todesmutig in Reihe hinter die Rampe legen.
Coronabedingt erst dritter Auftritt dieses Jahr
„Ursprünglich aus dem Kreis Bochum mit Winterquartier in Bonn“ lassen sich die Autoartisten laut Mario Portes verorten. Begonnen habe laut dem Chef-Stuntfahrer alles, „als Autoräder noch Holzspeichen hatten“. Eine Tradition bis zurück in die 20er-Jahre weist die Schaustellerfamilie laut Portes auf. „Mein Opa und meine Oma haben damit angefangen, mein Vater hat es weitergeführt und jetzt sind wir in der dritten Generation“, sagt Portes über sein Team, das mit Stuntfahrern wie dem 59-jährigen Giovanni Gonzales aus Italien auch international besetzt ist.
„Zum fünften Mal in den vergangenen zehn Jahren“ sorgten die Autoartisten im Gewerbegebiet mit ihren beiden Vorstellungen für ein 90-minütiges Spektakel aus Karambolage und Akrobatik. Doch wie so viele andere Schausteller, leiden auch die Autoartisten unter der coronabedingten Veranstaltungsarmut: „Seit unserem Saisonstart im Februar hatten wir noch im gleichen Monat die beiden ersten und letzten Gastspiele“, sagte Portes. So sei der Ludwigshafener Auftritt erst der dritte für die Autoartisten in diesem Jahr gewesen.