Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Gringo Mayer geht steil: Allahopp

Das Publikum voll im Griff: Gringo Mayer aus Ludwigshafen.
Das Publikum voll im Griff: Gringo Mayer aus Ludwigshafen.

Köln, Berlin, Hamburg, dazwischen Zweibrücken: Der Ludwigshafener Gringo Mayer und seine Kegelband haben dort am Samstag im Erdgeschoss des Gasthaus’ Sutter Station gemacht und gespielt, bis die Schwarte kracht. Es war ein Triumph-Zug.

„Rauchen verboten“ stand auf ein Blatt Papier geschrieben, das an der Kasse lag. Da passte es wie die Faust aufs Auge, dass ausgerechnet die Hymne „Äni rache“ gleich dreimal gespielt wurde – mit zunehmender Begeisterung beim Publikum. Nach knapp anderthalb Stunden hatte Tim G. Mayer, besser bekannt als Gringo Mayer, die Bühne im ausverkauften Erdgeschoss mit dem vermeintlich letzten Stück des Abends verlassen, da intonierte das textsichere und stimmgewaltige Publikum das leicht ins Ohr gehende Intro zu „Äni rache“. So rief es Gringo postwendend zurück für den Zugabenteil. Nachdem er den Hit spontan mit der Unterstützung des Publikums noch ein wenig verlängerte, setzte er kurzerhand mit der (kompletten) Hymne den Schlusspunkt hinter das 100-minütige Set.

Der Auftritt war ein Triumph-Zug von Beginn an. Ein fast schon euphorisches Publikum, ein Künstler, der ausstrahlt, dass er auf der Bühne genau da ist, wo er sein will, und mit Trompeter Stephan Udri, Jeremy Dhôme am Schlagzeug und Bassist Juri Schweizer eine mehr als gut aufgelegte Begleitband. „Es war schon sehr ausgelassen hier“, meinte Dhôme.

Authentisch, geradeheraus

Mayer wuchs in Ludwigshafen auf und lebt mittlerweile in Mannheim. 2021 kam sein Debütalbum „Nimmi normal“ heraus, vor wenigen Wochen folgte mit „Ihr liewe Leit“ Album Nummer zwei, das das starke Debüt noch übertrifft. Seine Musik changiert irgendwo zwischen Blues, Indie-Rock und Pop, liefert reihenweise Refrains und Passagen, die ins Ohr gehen („Underdogs“) und bleiben („Jeddi“). Was in der (Kur-)Pfalz auch kein Wunder ist, schreibt und singt Gringo doch „uff pälzisch“. „Geh doch erschtmo äni rache“ – aber sicher!

Auch ohne großes Pathos oder Pfalz-Tümelei kommen Gringo und die Kegelband gut an: authentisch, geradeheraus, leicht selbstironisch, nah dran „an de Leit“ – im wahrsten Sinne des Wortes: Zwischen Band und Publikum waren am Samstag in Zweibrücken kaum 50 Zentimeter.

„Hier habt ihr es auch nicht immer leicht“, kündigte Gringo das Stück „Allahopp“ an, in dem er detailreich einen verkorksten Arbeitstag in einem Job schildert, „in dem man machen muss, auf was man überhaupt keinen Bock hat“: Also genau das Gegenteil von dem, was Gringo macht. Der hat nämlich offensichtlich total Bock auf Auftritte, insbesondere dann, wenn im Publikum Menschen stehen, die mitgehen und mitsingen – auch bei den bluesigeren Nummern, wie „Ru do driwwe“ oder dem in einer sehr sanften Version präsentierten „Monnemer Dreck“.

Die Fan-Gemeinde, nicht nur in der Pfalz, wächst: Daran haben auch Auftritte in der TV-Show „Inas Nacht“ und im „ARD-Morgenmagazin“ ihren Anteil. Seine Nähe zu anderen Künstlern, die texten und singen, wie ihnen der Schnabel gewachsen sind, versteht sich von selbst. Im Juni eröffnete er in Mannheim für Seiler und Speer (aus Österreich) und Labrassbanda (aus Übersee/Bayern), machte dabei einen sehr guten Eindruck und fiel keinesfalls ab. Mayers Mundart-Musik funktioniert auch in anderen Landstrichen. Bei der Tour durch Deutschland seien die Auftritte in München oder Köln „Volltreffer“ gewesen, berichtet Mayer der RHEINPFALZ nach dem Auftritt. „Wir kommen dorthin mit Sicherheit zurück.“

Vielleicht kommt er auch noch mal nach Zweibrücken. „Ihr seid besser als Berlin und Köln“, lobte Gringo Mayer das Publikum. Völlig verdient, war doch das Konzert im Erdgeschoss das am schnellsten ausverkaufte auf der Tour. Wer am Samstag kein Ticket mehr bekam, hat noch in Karlsruhe, Saarbrücken und Wiesbaden die Gelegenheit, einem Künstler beizuwohnen, für den es gerade steil nach oben geht. Unlängst wurde die Tour ins Jahr 2024 verlängert. Nächster Stopp in der Pfalz: im Juli beim Kammgarn-Open-Air. Seid ihr dabei? Ahjoo!

x