Ludwigshafen
Graffiti an Kirche in Oppau sorgen für Ärger
Der Schriftzug in englischer Sprache zieht sich über eine Seitenwand der Kirche, daneben eine Flamme und die Zahl „161“. Wer in diesen Tagen an der katholischen St.-Martin-Kirche in Oppau vorbeikommt, bleibt stehen. Die Schmiererei sorgt in der Gemeinde für Empörung und wirft Fragen auf.
Passiert ist die Tat in einer Nacht von Samstag auf Sonntag. „Ich habe von Kollegen darüber erfahren, die mir Bilder davon geschickt haben“, berichtet Dekan Pfarrer Dominik Geiger von der Pfarrei Hl. Cäcilia. Die Gemeinde erstattete umgehend Anzeige. Laut Polizei wurde der Vorfall am 1. März über die Onlinewache gemeldet, der Tatzeitraum liegt zwischen dem 28. Februar und dem frühen 1. März.
Teure Folgen für die Gemeinde
Die Schmiererei trifft die Gemeinde nicht nur symbolisch, sondern auch finanziell. Anfangs wurde der Schaden auf etwa 1500 Euro geschätzt. Doch aus Sicht der Gemeinde könnte es jetzt deutlich teurer werden. „Wir probieren gerade verschiedene Methoden aus, um die Schmiererei zu entfernen“, sagt Geiger. Je nachdem, wie gut das gelingt, könnten die Kosten auf bis zu 8000 Euro steigen. Eine komplette Neugestaltung der Seitenwand – etwa durch einen neuen Anstrich – kann sich die Gemeinde nicht leisten.
Das Geld werde an anderer Stelle fehlen. „Dann können wir weniger für Kinder und Jugendliche machen“, sagt der Dekan. Sollte die endgültige Schadenshöhe feststehen, plant die Gemeinde einen Spendenaufruf.
Rätselhafter Satz mit klarer Stoßrichtung
Der gesprühte Satz ist grammatikalisch fehlerhaft und schwer verständlich: „Only Church whitch enlightment ist this whitch are burning“. Daneben stehen die Zahl „161“ und ein Flammensymbol.
Inhaltlich lässt sich die Botschaft dennoch einordnen. Ähnliche Parolen tauchen seit Jahren auf. Eine verbreitete Variante lautet: „The only church that illuminates is a burning one“ – auf Deutsch etwa: „Die einzige Kirche, die erleuchtet, ist eine brennende.“ Der Satz gilt als kirchenfeindlich und wird in anarchistischen Zusammenhängen verwendet. Eine eindeutige Herkunft ist allerdings nicht belegt; häufig wird er historischen Anarchisten zugeschrieben, ohne dass es dafür verlässliche Quellen gibt.
Auch die Zahlenfolge „161“ wird in bestimmten Szenekreisen als Abkürzung für „AFA“ interpretiert, also „Antifaschistische Aktion“. Die Kombination aus Parole, Zahl und Flammensymbol deutet auf eine politische Motivation hin. Ob dies im konkreten Fall in Oppau zutrifft, ist jedoch unklar.
Die Polizei hält sich mit Bewertungen zurück. Die Ermittlungen führt das Gemeinsame Sachgebiet Jugendkriminalität. „Die Ermittlungen gegen Unbekannt dauern derzeit noch an, so dass wir zu einem möglichen Motiv keine Angaben machen können“, teilt die Polizei mit. Hinweise auf Täter gibt es bislang nicht.
Kirche setzt auf Deutung statt Eskalation
Dekan Geiger versucht, dem Vorfall auch etwas Positives abzugewinnen. Der englische Satz sei so fehlerhaft, dass er sich auch anders lesen lasse. Seine eigene Deutung: „Nur Kirchen, die erleuchtet sind, können brennen.“ Eine eindeutige positive Botschaft ergibt sich daraus zwar nicht, aber für Geiger ist es dennoch ein Anlass zur Auseinandersetzung.
„Wir nehmen das als Anstoß, über die Bedeutung der Kirche nachzudenken“, sagt er. Die Kirche stehe für Toleranz und Respekt. „Neben uns dürfen auch andere Glaubensrichtungen bestehen – auch Menschen ohne Glauben.“ Gerade diese Offenheit werde jedoch manchmal ausgenutzt. „Derjenige, der das gemacht hat, hat keinen Respekt.“
Keine vergleichbare Fälle beaknnt
Deutliche Worte findet auch Oppaus Ortsvorsteher Frank Meier (SPD). „Wenn man eine politische Botschaft vermitteln möchte, kann man demonstrieren oder protestieren, aber nicht so“, sagt er. Für die Tat habe er kein Verständnis. „Das gehört bestraft.“
Aus der linken Szene selbst kommt ebenfalls keine Unterstützung für die Aktion. Marlon A. vom Offenen Antifaschistischen Treffen Ludwigshafen betont, dass man sich von solchen Schmierereien distanziere. „Antifa ist keine organisierte Gruppe, deshalb kann niemand für alle sprechen“, sagt er. Solche Aktionen seien jedoch nicht der richtige Weg, politische Inhalte zu vermitteln.
Ob es sich bei der Schmiererei um eine gezielte politische Aktion handelt oder um eine Einzelaktion, ist derzeit offen. Vergleichbare Fälle sind in Ludwigshafen nach Angaben der Polizei in jüngerer Zeit nicht bekannt.