Ludwigshafen Goldene Hollywood-Regel

Placeholder-Image

„Schreiben ist kein Vergnügen, sondern harte Arbeit“ – das und noch vieles andere mehr haben 15 BASF-Mitarbeiter gestern im Rahmen der Reihe „Treffen Sie … “ in einem Workshop zum kreativen Schreiben erfahren. Bestsellerautor Wolfgang Burger gab Einblicke, wie ein Buch entsteht. Die goldene Regel sei dabei zugleich sehr einfach und auch sehr schwer: „Du sollst Deine Leser nicht langweilen.“

Der Karlsruher Burger, dessen erfolgreichste Krimiserie mit Kripochef Alexander Gerlach in Heidelberg spielt, stand dabei vor einer sehr vielfältigen Gruppe. Einige, wie die Wirtschaftsinformatikerin Patrizia Prudenzi, haben bereits eigene Geschichten und Bücher veröffentlicht, andere wie der Sicherheitsingenieur Dietrich Ernst Vesper, sind bislang reine Krimi-Konsumenten, waren davon überrascht, als Burger sie aufforderte, sich Gedanken zu einer fünfseitigen spannenden Kurzgeschichte mit dem Thema „150 Jahre BASF“ zu machen. Ausgewählt wurden die 15 Teilnehmer per Losverfahren unter 70 Bewerbern, so Stefanie Vogt von der Pressestelle. „Die Geschichten werden im Anschluss gemeinsam mit mir überarbeitet und sollen schließlich als Buch erscheinen“, verriet der 62-jährige Schriftsteller. Material liefere das Unternehmen schließlich in allen Epochen – von der Gründung vor 150 Jahren als persönliche Geschichte zu Friedrich Engelhorn, über die Weltkriege bis ins Hier und Heute. „Da gibt es viele Anknüpfungspunkte.“ Das nötige Handwerkszeug bekamen die Workshop-Teilnehmer von ihm an die Hand, denn anders als es die englische Autorin Agatha Christie eine ihrer Romanfiguren sagen lässt („Schreiben ist ganz einfach. Man muss sich etwas einfallen lassen, sich hinsetzen und es niederschreiben. Das dauert drei Minuten“), waren die Ausführungen von Wolfgang Burger deutlich ausführlicher, auch wenn er selbst einräumte: „Die wichtigsten Regeln sind trivial einfach.“ Es gehe darum, die Fantasie der Leser dauerhaft beschäftigt zu halten und, wie im Fall eines Krimis, starke Gefühle zu erzeugen. Identifikationsfiguren helfen dabei. Mit Alexander Gerlach hat Burger eine solche Figur geschaffen. „Es erschreckt mich manchmal selbst, dass sich die Anfragen von Lesern mehr mit dem Familienleben meines Kommissars befassen als mit der Handlung.“ Ein abwechslungsreicher Satzbau, abwechselnde Stimmungen und hin und wieder eine Erholungsphase – mehr brauche es für einen Krimi eigentlich nicht. „Und natürlich muss man die Leser hin und wieder einmal überraschen.“ Das gelinge selten auf Anhieb, deshalb nannte er weitere Kniffe. Das „Hitchcock-Prinzip“ zum Beispiel: „Weniger dramatische Darstellungen wirken oft stärker.“ Mehr als ein Komma pro Satz sollten die Ausnahme bilden, Adjektive und Adverbien sollten dosiert und überlegt zum Einsatz kommen. Metaphern seien generell „das Glatteis der Schreibkunst“, so Burger. Immerhin gebe es ein Schlupfloch für alle Hobbyautoren: „Dialoge machen Texte lebendiger, und dort ist alles erlaubt, was ansonsten verboten ist, so lange es zum Charakter der jeweiligen Figuren passt.“ Und dann gebe es da schließlich noch eine weitere „goldene Hollywood-Regel“, die auch auf Schriftsteller zutreffe: „Eine gute Geschichte lässt sich in drei Sätzen zusammenfassen.“ Ob er beim Workshop unter den Anilinern neue Talente entdecken konnte, wusste Burger nach den ersten Überlegungen noch nicht zu sagen, „aber das werden wir dann schnell sehen, wenn ich die Geschichten gelesen habe“. An Naturtalente glaubt er allerdings nicht: „Ich selbst überarbeite meine Geschichten bis zu neunmal und würde es sicher noch häufiger tun, wenn es nicht irgendwann einen Abgabetermin gäbe.“

x