Ludwigshafen „Glühwein statt Grillfest“

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Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar wird wohl im November und Dezember 2022 ausgetragen. Darauf hat sich eine mit der Terminierung beauftragte Arbeitsgruppe des Weltverbandes Fifa verständigt. Die endgültige Festlegung des Termins dürfte reine Formsache sein. Eine WM im Winter schmeckt den meisten Sportlern und Funktionären nicht, wie unsere Umfrage belegt.

„Ich sehe die WM in Katar sehr kritisch. Es gibt erhebliche Vorbehalte gegen das Land wegen der Menschenrechtsverletzungen“, sagt Sport- und Sozialdezernent Wolfgang van Vliet (SPD). Die Vergabe an ein Miniland wie Katar sei kein „weiser Entschluss“ gewesen. „Die Fifa ist zwar autonom bei ihren Entscheidungen, muss sich aber unangenehme Fragen gefallen lassen“, betont van Vliet, dem das Verhalten des allmächtigen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter missfällt. Für das im Winter schwer umzusetzende „Public Viewing“ hat der Dezernent eine innovative Idee: „Vielleicht können wir über eine Leinwand auf dem Weihnachtsmarkt nachdenken.“ Thomas Fichtner, Trainer des Oberligisten Arminia Ludwigshafen, sieht den Termin nicht so negativ: „Im Sommer ist es in Katar zu heiß, also bleibt nur der Winter. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, für die Spieler aber viel angenehmer und hat seinen eigenen Charme.“ Der Coach bedauert jedoch, dass das gemeinsame Feiern im Freien entfällt. „Eine WM im Sommer ist für den Fernsehzuschauer schöner. Mit Freunden im Garten oder auf der Terrasse grillen, fällt flach“, sagt Fichtner. Bei den Gastronomen sei deshalb Fantasie gefragt. „Bei dem Thema komme ich fast ins philosophieren. Seit es das Sponsoring gibt, steht der Kommerz im Vordergrund. Hochdekorierte Funktionäre haben mit der Terminierung ihrem Sport geschadet“, ist der ehemalige Weltklasse-Ringer Werner Schröter sicher. Der heutige Vizepräsident Leistungssport beim Landessportbund sieht auch den Amateursport und besonders den Wintersport leiden. Ums kollektive Fußballschauen im Freien macht sich Schröter keine Sorgen: „Das wird es geben, mit dicken Schals und Glühwein.“ Joachim Schürrle, Vater des aus Ludwigshafen stammenden Weltmeisters André Schürrle, wundert die Verlegung in den Winter nicht: „Da hätte man sich vorher Gedanken machen müssen. Jetzt gibt es nur Kompromisse.“ Er denkt an den Profispielbetrieb, besonders in England, wo sein Sohn spielte. „Es wird eine lange Unterbrechung der Liga geben und im englischen Fußball ist der Spieltag am zweiten Weihnachtsfeiertag der umsatzstärkste überhaupt. Der fällt dann weg“, berichtete Schürrle. Da die WM gestrafft werden soll, seien auch die Regenerationszeiten zu kurz. „Erst die Winter-Olympiade in Sotschi, dann die Handball-WM in Katar, jetzt die Fußball-WM dort im Winter. In einem Land, in dem die neu gebauten Stadien hinterher keiner mehr nutzt. Da werden unglaubliche Fehler gemacht, unmögliche Entscheidungen getroffen“, erregt sich der einstige Spitzenruderer Winfried Ringwald. Der Vorsitzende des Ludwigshafener Sportverbands legt nach: „Die Funktionäre denken nicht an die Sportler, denen geht es nur ums Geld.“ Ringwald glaubt, dass das Public Viewing in Hallen verlegt wird. Martin Röser, der aus Ludwigshafen kommt und derzeit als Profi beim Regionalligisten Kickers Offenbach unter Vertrag steht, hält die Verlegung in den Winter für nötig. „Ich war in Wüstenstaaten im Sommerurlaub. Da kann man nicht Fußballspielen. Aber ich stelle mir die Frage, warum muss es ausgerechnet Katar sein?“, sagt Röser. Für die Nationalspieler sei es zwar stressig, aber der Termin sei von der Fitness her sogar besser. „Im November stehen die Spieler voll im Saft, das ist am Ende einer Saison ganz anders.“ (thl/Archivfotos: Kunz)

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